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Wegen Alleingang der GLP: «Wahlsieg für Zuger Linke ist realistisch»
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Mehr Listen, unzählige Kandidaten: Der Ausgang der Zuger Wahlen ist schwierig vorauszusagen. (Bild: Montage sib)

Über 70 Kandidaten für drei Nationalratssitze Wegen Alleingang der GLP: «Wahlsieg für Zuger Linke ist realistisch»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 14.08.2019, 15:09 Uhr

Zwei Monate vor den eidgenössischen Wahlen sind die Zuger Linken guter Dinge, den vor acht Jahren verlorenen Nationalratssitz zurückzugewinnen. Grund dafür sind die Listenverbindungen, die derzeit bekannt werden.

Zum einen will die Grünliberale Partei des Kantons Zug im Oktober alleine  in die Wahlen ziehen (zentralplus berichtete). Vor vier Jahren war sie zusammen mit der CVP und der FDP eine Listenverbindung eingegangen. Dies hatte einen massgeblichen Einfluss darauf gehabt, dass der Freisinnige Bruno Pezzatti aus Neuheim in den Nationalrat gewählt wurde. Der betrieb den Grünliberalen jedoch eine zu unökologische Politik in Bern (zentralplus berichtete).

Zum andern werden CVP und FDP zusammenspannen (zentralplus berichtete). Die Bekanntgabe dieser Listenverbindung bedeutet, dass es im Kanton Zug nicht zu einem Zusammenschluss der drei grossen bürgerlichen Parteien SVP, CVP und FDP kommen wird. Über die Möglichkeit zu einer solch grossen Koalition – die es allerdings bisher noch nie gegeben hat –  kursierten in den vergangenen Monaten bei den Linken Gerüchte. Sie hätte ihre Wahlchancen wohl zunichte gemacht.

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SVP marschiert alleine

Daniel Staffelbach, Wahlkampfleiter der SVP, dementiert indes, dass richtige Gespräche stattgefunden hätten. Offenbar musste die FDP gewisse Bedingungen der CVP für eine Listenverbindung akzeptieren – und die schlossen eine Unterstützung der SVP aus.

«Wir wollen die Linken eigentlich nicht unterstützen.»

Daniel Stadlin, GLP des Kantons Zug

Bei Alternativen und Sozialdemokraten ist man nun guter Dinge: «Einen Wahlsieg für die vereinte Linke halten wir im Klima- und Frauenjahr 2019 für absolut realistisch», sagt Marco Knobel, der Wahlkampfleiter  der Alternativen – die Grünen des Kantons Zug. Zumal die Alternativen und die SP eine Listenverbindung eingehen würden, wie Knobel sagt. Dies war auch bei den früheren Wahlen schon der Fall.

Auch die GLP wurde von den Alternativen für eine Listenverbindung angefragt. «Sie wollte sich jedoch nicht anschliessen», so Knobel. Man bedauere es natürlich, dass sich die GLP zu keinem ökologischen Bündnis entschliessen konnte. «Die Zuger GLP-Stimmen werden nun leider nicht einer nachhaltigen Umweltpolitik zugute kommen», glaubt er.

GLP muss Gesicht wahren

«Wir wollen die Linken eigentlich nicht unterstützen», sagt Daniel Stadlin von der Grünliberalen Partei des Kantons Zug. «Wir sind uns aber bewusst, dass unser Entscheid, allein zu den Wahlen anzutreten, dies indirekt bewirken könnte», sagt er.

Man habe aber keine Alternativen zum Alleingang gehabt, um gegenüber den Wählern «und vor allem unsern Mitgliedern» glaubhaft zu bleiben, so Stadlin. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich einzelne Kandidaten der GLP, wie etwa Stefan Huber, massiv gegen eine Listenverbindung ausgesprochen haben, welche die FDP miteinbezogen  hätte. Laut Stadlin gilt die Entscheidung lediglich für die Wahlen 2019. In vier Jahren werde man die Situation neu einschätzen.

Zwei neue Parteien treten an

«Die Ausgangslage für die Wahlen ist nun hochspannend», sagt Barbara Gysel, Präsidentin der SP des Kantons Zug. In der Tat haben vier politische Blöcke – die CVP, SVP, FDP und die Linken alle intakte Chancen auf einen der drei Zuger Nationalratssitze.

Ausserdem bewerben sich heuer zusätzliche Parteien um einen Sitz. Unter den Wahlvorschlägen, die bis Montag eingereicht werden mussten, befindet sich auch eine Liste der Evangelischen Volkspartei (EVP). Und auch die neu gegründete Partei Parat – das Kürzel steht für «für rationale Politik, allgemeine Menschenrechte und Teilhabe» – reichte Wahlvorschläge ein. Sie kann möglicherweise aber nicht die geforderten 100 Unterschriften pro Kandidaten beibringen (zentralplus berichtete).

Zuger Nationalrätin aus der Waadt?

Wie auch immer: Der Steinhauser Ex-Pirat Stefan Thöni will für Parat antreten. Er wird sekundiert von zwei Kandidatinnen, die im Kanton Schwyz und im Waadtland wohnen. Das ist bei den Nationalratswahlen zulässig, da Kantone einfach als Wahlkreise gelten.

«Durch die grössere Vielfalt der Parteien und das gewachsene Feld der Kandidierenden ist das Ergebnis der Wahlen noch schlechter voraussehbar», glaubt Barbara Gysel.

Rekord: 26 Wahllisten eingereicht

Tatsächlich wollen auf 26 Listen 78 Kandidaten zu den Nationalratswahlen antreten – so viel wie nie zuvor (zentralplus berichtete).  In den kommenden beiden Wochen werden diese Listen nun bereinigt. Die Verwaltung kontrolliert, ob alle Wahlvorschläge gültig sind und niemand in zwei Kantonen antreten will.

«Momentan gehen alle Entscheidenden davon aus, dass mehr Wahllisten auch mehr Stimmen generieren.»

Daniel Staffelbach, Wahlkampfleiter SVP des Kantons Zug

Interessant ist, dass fast alle Parteien mehr Listen eingereicht haben als in der Vergangenheit. Und somit einer Strategie folgen, die einst von der SVP und vor vier Jahren auch von der SP erfolgreich angewandt wurde, um den Stimmenanteil zu steigern.  

Erfolgreicher Trick wird kopiert

«Ob dies auch mehr Wählerstimmen generiert, hängt natürlich von verschiedenen Faktoren und namentlich dem Einsatz der Kandidierenden ab», sagt Barbara Gysel. «Aber bei uns hat es das letzte Mal funktioniert.» Bekanntlich tritt die  SP mit sieben Listen an – zwei mehr als noch vor vier Jahren, als man so die grössere Partnerin, die ALG, überflügelte. Diese hat ihre Listenzahl von drei auf fünf gesteigert.

Die SVP, die 1999 ihren ersten Zuger Nationalratssitz auch dank einer zusätzlichen Seniorenliste errang, tritt übrigens mit drei Listen an – gleich vielen wie vor vier Jahren, als man wählerstärkste bürgerliche Partei war.

Keine Evidenz

«Momentan gehen alle Entscheidenden davon aus, dass mehr Wahllisten auch mehr Stimmen generieren», sagt Daniel Staffelbach. «Aber wissenschaftlich erwiesen ist das nicht – es gibt keine Evidenz dafür.» Man wisse auch nicht, ob der Effekt durch die Seniorenliste 1999 nicht auch ohne Zusatzliste eingetreten wäre – indem einfach mehr Wählerinnen und Wähler die Hauptliste eingelegt hätten.

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1 Kommentare
  1. mebinger, 14.08.2019, 17:04 Uhr

    Wage zu behaupten, das die GLP nun den linken Sitz versenkt hat. Kann es nicht genau begründen aber seit 1982 hat mich mein Gefühl noch nie betrogen. Meistens konnte ich es begründen, aber nicht immer