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Stadt Zug gibt Badeanlagen für Tiere frei
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Trubikon, Siehbach, Brüggli: Hunde erlaubt Stadt Zug gibt Badeanlagen für Tiere frei

5 min Lesezeit 7 Kommentare 28.07.2019, 05:01 Uhr

In aller Stille hat die Zuger Stadtregierung kurz vor der Badesaison die Regeln für die Benützung der Seebäder geändert. Hunde sind nun in einigen Badis erlaubt, für Kinder gibt es dafür neue Einschränkungen.

Kürzlich in der kleinen Zuger Seebadi Trubikon: Ein Expat bezieht mit seinem Hund Stellung auf der Badewiese. Ein Stammgast fordert ihn entrüstet auf, diese mit seinem Tier zu verlassen – und verweist auf hängende Verbotsschilder und gängige Hygienevorstellungen.

Nur ist das Hundeverbotsschild in aller Stille entfernt worden. Auch die Badeordnung, in der das Mitbringen von Haustieren in die Badi untersagt wird, ist verschwunden. Denn die Zuger Stadtregierung hat klammheimlich die Vorschriften geändert und per 1. Juni durch neue ersetzt. Die sind nurmehr auf dem Internet, aber nicht mehr vor Ort einsehbar.

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Unterschiedliche Vorschriften

Wesentliche Änderung: Es gelten neu unterschiedliche Regeln für Badeanlagen. Im Strandbad Zug und in der Badi Seeliken, wo ein Mitglied der Schweizerischen Lebensrettergesellschaft die Aufsicht über den Badebetrieb innehat, bleibt mehr oder weniger alles beim Alten: Tiere mitzunehmen ist weiter verboten, mit Wasser zu spritzen, sich zu entblössen und laut Musik zu hören ebenso.

In den unbeaufsichtigten Badeanlagen indes sind neu Hunde erlaubt, sofern sie an der Leine sind. Von anderen Haustieren ist in der neuen Verordnung nicht mehr die Rede. Das bedeutet, dass man künftig nicht nur sein Kaninchen, die Hausziege oder das Trüffelschwein zum Baden mitbringen kann, sondern es theoretisch auch frei laufen lassen darf, sofern sich niemand daran stört.

Tierkot in Trubikon: Nicht nur Haustiere, auch Wildtiere hinterlassen ihn.

Neue Basisregeln erfordern Anpassungen

Die neuen Vorschriften seien nötig geworden, weil in der Stadt Zug seit Anfang Jahr ein neues Reglement zur Benützung der öffentlichen Anlagen gilt, erklärt Stadtrat Urs Raschle (CVP).

Zuvor war die Benützung des öffentlichen Raums in 14 verschiedenen Verordnungen reglementiert worden. Nun ergänzt die neue Benützungsordnung einfach das allgemeine Reglement um badespezifische Aspekte. «Das Reglement ist so auch schlanker und allgemeiner geworden», sagt Raschle.

Mindestalter für Badibesuch

Vergleicht man das neue und alte Reglement, so fällt nicht nur auf, dass Tiere in den unbeaufsichtigten Badis zugelassen werden. Sondern auch, dass die Stadt sich in Haftungsfragen stark absichert. Neuerdings ist es Kindern unter 10 Jahre verboten, alleine baden zu gehen.

«Ich bin nicht sicher, ob dies auch im Sinne der Bewohner von Zug ist.»

Urs Raschle (CVP), Zuger Stadtrat

Zudem ist Musikhören im Brüggli, Tellenörtli, Siehbach und Trubikon nicht länger verboten. Dies hatte vorab im Badepark Brüggli immer wieder zu Konflikten unter den Besuchern geführt und Polizeipatrouillen dazu gebracht, Musikfreunde mit drakonischen Geldstrafen zu belegen.

Zuger Stadtparlament gab Richtung vor

Die neue Benützungsordnung für die Seebäder von Zug wurde im Bildungsdepartement von Vroni Straub (CSP), die derzeit in den Ferien weilt, entworfen. Ironischerweise ist aber weder sie noch der ganze Stadtrat schuld daran, dass ein Teil der Zuger Badis zu Zoos mutieren könnten.

Sondern das Stadtparlament, das der Stadtregierung mit einigem Getöse auf öffentlichem Grund allzu starke Einschränkungen verbot. Die Debatte zog sich über eineinhhalb Jahre hin.

Nebenwirkung der Debatte

«Wir folgen nun einfach dem Geist der vom Grossen Gemeinderat vorgegebenen Linie», sagt Stadtrat Urs Raschle. «Aber ich bin nicht sicher, ob diese Haltung immer auch im Sinne der Bewohnerinnen und Bewohner von Zug ist.»

Klar: In der Debatte war es vorab um die Leinenpflicht für Hunde am Vorstadt- und Alpenquai gegangen, um Mitbringverbote für Alkohol und um Gebühren. Insofern ist die Zulassung von Hunden in den Badis einfach ein Nebeneffekt des neuen Reglements für die Benützung der öffentlichen Anlagen.

In Zug gibt’s kein Hundegesetz

Doch daneben geht es auch um eine ideologische Frage: In Zug ist das Recht, den Hund frei laufen zu lassen, ein Ausdruck von individueller Freiheit. Streunende Vierbeiner gelten als Symbol von gelebtem Liberalismus. Das ist kein Scherz: Diese Geisteshaltung lässt sich in den Voten von FDP-, SVP- und GLP-Gemeinderäten schwarz auf weiss nachlesen.

Vorreiterinnen eines Verbots von Hundeverboten waren übrigens die Zuger FDP-Gemeinderätinnen Eliane Birchmeier, die mittlerweile zur FDP-Stadträtin avanciert ist, sowie Karen Umbach, die im Herbst gern in den Nationalrat gewählt werden möchte.

Badepark Tellenörtli: Hier hängen die Hundeverbotsschilder noch.

Dieselbe Einstellung hatte zuvor auch auf einer höheren politischen Ebene ihren Niederschlag gefunden. Als 2015 Sicherheitsdirektor Beat Villiger (CVP) ein kantonales Hundegesetz verabschieden wollte, erlitt er mit seinem Vorhaben im Kantonsparlament Schiffbruch.

Knifflige Aufgabe für Polizei                          

Genau dies ist der springende Punkt: In Kantonen wie Luzern, Nidwalden oder Zürich ist in einem solchen Hundegesetz festgehalten, dass die putzigen Fellnasen sich von Schwimmbädern, Kinderspielplätzen oder Pausenplätzen fernhalten müssen.

Im Kanton Zug aber ist nur schon das Erlassen einer Leinenpflicht auf dem Schulgelände oder auf Spielplätzen in jeder Gemeinde ein Politikum, das die Emotionen hochkochen lässt. Die Zuger Kantonspolizei ist mit zehn verschiedenen, sich verändernden Reglementarien konfrontiert, die sie überwachen sollte.

Von Hunden denkt man nur Gutes

Überraschend ist ausserdem, dass Hygiene in der öffentlichen Debatte kaum ein Thema ist. Zuger Hunde gelten als wohlerzogen, sowohl in ihrem Beissverhalten wie auch beim Verrichten ihrer Notdurft – und ausserdem als äusserst gepflegt. Würmer, Flöhe oder Bakterien geben sie offenbar keine weiter.

Dazu folgende Anekdote: Die Frage, ob die Zuger Stadtregierung Hunde für so reinliche Wesen hält, dass er sie neu zum Badibesuch zulässt, beantwortet Dieter Müller, Leiter der Stadtzuger Kommunikationsabteilung mit einem Verweis auf eine Untersuchung eines Schweizer Ärzteteams.

Männer dreckiger als Vierbeiner

Die Forscher hatten 30 Hunde und 18 bärtige Männer in einen Computertomographen gesteckt und untersucht, wie viele Keime zurückbleiben. Ergebnis der Studie, die im April publik wurde: Der Bart eines  Mannes enthält mehr Keime als das Fell eines Hundes.

Nicht überliefert ist, wie lange sich die Probanden den Bart nicht mehr gewaschen hatten.

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7 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 30.07.2019, 11:46 Uhr

    Die liberalen Geister im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug sehnen sich offenbar ins hygienisch freizügige Mittelalter zurück, als die Stadtbewohner ihre Notdurft gemeinsam mit Schweinen, Hunden und Katzen in die kleinen Gässchen der Altstadt entsorgen durften. Anstatt sich für die Gleichberechtigung der Frauen ins Zeug zu legen, fordern sie die Gleichberechtigung der Tiere in den Badeanstalten. Dabei vergessen sie, dass auch die Pflichten egalitär sein sollten. Dies würde bedeuten, dass die Menschen ihre Notdurft gleich wie die Tiere überall in der Badeanstalt verrichten dürfen, aber nur unter der Bedingung, dass die gröberen Geschosse mit einer Robidog-Tüte gleich wieder eingesammelt werden. Ich bin knöcheltief beeindruckt von der Weitsicht und Grosszügigkeit dieser liberalen PolitikerInnen.

  2. Thomas Heinee, 30.07.2019, 09:03 Uhr

    Ich habe selber einen Hund. Aber wen ich mir vorstelle das von nunan Hunde in den Badis ihr Revier makiren und wir dan unsere Tücher darauf ausbreiten… kommt mir doch das Kotzen.
    Oder stellt euch vor ihr seit ein Sandwich am essen und mein und schüttelt sich neben euch… lecker all die Hundehaare, nichtwar!?
    Und nun stelle ich mir noch die Frage was für den Hund der unterschied aumacht ob die Badi beaufsichtigte ist oder nicht?
    Dies ist für den Hund diskriminierend und ganz klar eine Zweiklassengeselschaft…
    Auch als Hundebesitzer sage ich mein ein Hund gehört nicht in die Badi!!!

  3. corinne, 28.07.2019, 23:41 Uhr

    Die schlimmen IN-Hunde wie Bulldoggen, Terrier oder Pitbulls sind vermehrt am Brüggli anzutreffen. Diese Hunde werden manchmal so lose und unbeachtet an der Leine gehalten, dass eine Kontrolle bei schnellem Wegrennen des Hundes kaum möglich wäre. Mich stört es extrem. Hunde gehören nicht ans Brüggli!

  4. Peggy, 28.07.2019, 18:29 Uhr

    Ich begrüsse das sehr – Hunde an die Leine, Kot aufräumen und andere nicht belästigen, sollte von jedem Hundebesitzer respektvoll den anderen Mitmenschen gegenüber selbstverständlich sein.
    Bin selbst Hundebesitzerin und man wird stark im Sozialumgang eingeschränkt, wenn man Hund hat, weil man nirgends sein darf bzw unerwünscht ist.
    Nicht jeder Hundebesitzer ist rücksichtslos, man sieht nur den einen von 100 und schert alle über einen Kamm.
    Freut mich, dass Zug so tolerant ist!!!!

  5. Wilhelmine Fenato, 28.07.2019, 14:53 Uhr

    In einer Badi würde ich meinen Hund nie mitnehmen, aber im See ist das völlig OK. Schliesslich dürfen da auch Enten und Schwäne schimmen und diese sind, im Gegensatz zu Hunden, mit Salmonellen und andere Keime belastet. Wer steril baden will muss halt in einer Badi in Chlorwasser baden gehen.
    Das neue Reglement finde ich daher sehr begrüssenswert, und ich wünschte mir das dies auch am Sempachersee möglich wäre.

  6. N.M, 28.07.2019, 14:38 Uhr

    Macht doch endlich mal Badeplätze nur für Hundehalter mit ihren Hunden.
    Einfach die Hunde mit ihren Haltern unter sich. Mal schauen welcher Platz nach einer Woche sauberer ist.

  7. Keller, 28.07.2019, 08:16 Uhr

    Warum hackt eigentlich jeder, auf uns Hundehalter rum? Die überfüllten Mülleimer und der rumliegende Müll zB auf den Grillplätzen an der Lorze in Baar, stören mich viel mehr! Die werden sogar am Sonntagmorgen geleert, natürlich auf Steuerkosten, damit die nächsten wieder füllen können.
    Letztendlich kommt es ja auf die Vernunft, den Anstand und auf den gesunden Menschenverstand eines jeden an! Und nicht auf irgendwelche Gesetze und. Verbote. Darum ein erneuter Applaus an den Kanton Zug, dass er uns Hundehaltern diese Freiheit gibt. Es gibt überall schwarze Schafe, aber im grossen und ganzen, nehmen wir unseren Müll zusammen und bezahlen auch noch Hundesteuer!