Das «Internet» des FCL-Podcasts im Gespräch

Perfekter Sonntag? Am FCL-Match «Bier trinken und rumgrölen»

Lea Inderbitzin ist das «Internet» im FCL-Podcast – und als Fan am Sonntag wieder im Stadion am Mitfiebern. (Bild: jdi)

Lea Inderbitzin mimt im FCL-Podcast als «Internet» die Stimme aus dem Off. Etwas brachialer macht die «SRF»-Moderatorin sich im Stadion hörbar. Gegenüber zentralplus erklärt sie, wieso es sie nerve, immer extralaut singen zu müssen. Und wieso sich Bernhard Alpstaeg mit wüsten Schmähgesängen abfinden müsse.

«Ich war gross und darum Innenverteidigerin», erzählt Lea Inderbitzin bei einem Cappuccino im Luzerner Bruchquartier von ihrem zweijährigen Engagement beim FC Engelberg. «Aber ich war auch ein ‹Spargeltarzan›. Mich hats in Zweikämpfen immer weit weg gespickt.» Als plötzlich zur Debatte stand, das schrumpfende Mädchenteam mit dem Bubenteam zusammenzulegen, hängte Inderbitzin ihre Fussballerinnenkarriere an den Nagel. Weil ihre fehlende Physis bei den Buben – wortwörtlich – erst recht ins Gewicht gefallen wäre.

Sie war 12, als sie mit dem FC Engelberg ihr erstes FCL-Heimspiel auf der Allmend besuchte. Heute ist sie 27, regelmässig im Stadion anzutreffen – und als «Internet» in jeder Folge des FCL-Podcasts zu hören.

Debut bei den FCL-Frauen ausstehend

Als ehemalige Fussballerin betrachtet Inderbitzin die Entwicklung des Frauenfussballs mit besonderem Interesse. Es mangle sowohl im Breitensport als auch im Spitzensport nach wie vor an finanziellen, personellen und infrastrukturellen Ressourcen. Trotz gestiegener Aufmerksamkeit.

Die Spiele der FCL-Frauen finden nicht in, sondern hinter der Swissporarena statt – und sind meist mehr schlecht als recht besucht. (Bild: jdi)

«Dabei bin ich wohl auch Teil des Problems», gibt sie sich selbstkritisch. Denn einen Match der FCL-Frauen habe sie noch nie besucht. «Dabei sollte es doch ‹Hans was Heiri› sein, ob die Frauen oder Männer des FC Luzern spielen. Hauptsache, Fussball!»

Dresscode missachtet – und angepöbelt worden

Auch auf Auswärtsfahrt war Inderbitzin noch nie. «Hätt ich aber schon mal Bock», meint sie. «Mit meinen Leuten ins Stadion gehen, um dort Bier zu trinken und rumzugrölen – für mich ein perfekter Sonntag», sagt sie. Dabei sei es ihr am Matchtag – anders als im «echten» Leben – alles andere als egal, ob sie beziehungsweise der FCL gewinne oder nicht.

«Menschen, die sich sonst nie begegnen würden, treffen im Stadion aufeinander.»

Lea Inderbitzin

Dennoch ist nicht jeder Matchbesuch gleich angenehm. «Ich wurde angepöbelt, weil ich dem Dresscode der Kurve nicht entsprach und keine schwarze Jacke trug», sagt sie. Und nervt sich darüber, dass sie sich als Frau gezwungen sieht, extralaut zu singen – um als Fan ernst genommen zu werden.

Wieso die Stimmung sonntags so mau ist

Lea Inderbitzin steht bei den Heimspielen des FC Luzern meist im oberen Bereich der Stehplätze. Weil sie das Geschehen ganz unten, bei den Ultras, lieber aus der Distanz beobachte. «Ich würde mich viel zu sehr anstecken lassen von der Energie dort», befürchtet sie. Denn das würde wiederum nicht zu ihren Vorstellungen eines perfekten Sonntags passen.

Abends ist es auf der Allmend meist lauter. (Bild: Leserreporter)

Dass die Stimmung bei Flutlichtspielen am Samstagabend oft besser sei, habe bestimmt auch damit zu tun, dass viele Fans es am Sonntag, genauso wie sie, etwas gemütlicher nähmen.

Für Sport hats im Radio 3FACH keinen Platz

Gemütlich gestaltet Inderbitzin auch ihr Studium. Gesellschafts- und Kommunikationswissenschaften im 16. Semester? Kein Problem, wenn sich nebenbei die Karriere wunschgemäss entwickelt. Bevor sie im «SRF» begann, landete sie mit 18, damals noch in Sarnen wohnend, im Radio 3FACH. Wo der Sport nicht einmal eine Nebenrolle spielt.

«Pyros find ich schon bisschen geil.»

Lea Inderbitzin

Auf die im 3FACH fehlende FCL-Berichterstattung angesprochen, findet Inderbitzin: «Eine Sendung über Fankultur wäre denkbar.» Und begründet ihre Faszination für das, was abseits des Rasens passiert: «Menschen, die sich sonst nie begegnen würden, treffen im Stadion aufeinander.» Dabei verbinde der Fussball Fans aller Generationen, unabhängig vom Geschlecht oder der politischen Gesinnung.

Auch wenn die 3FACH-Sportsendung «Kreuzbandriss» nicht lange überlebt hat, tummeln sich regelmässig (ehemalige) Moderatorinnen des Jugendradios in der Kurve. Im FCL-Podcast haben sie gar das Sagen.

Vaso Vasic schockverliebt

Samuel Konrad, ehemaliger 3FACH-Programmleiter, hat den FCL-Podcast im Herbst 2019 als Nebenprojekt des offiziellen FCL-Radios mit aufgebaut. Nach kurzem Smalltalk mit dem Gast der Folge – meist einem Fussballer des FC Luzern – folgt jeweils Lea Inderbitzins Einsatz. Als «Internet» rattert sie in flottem Tempo alle möglichen Fakten und Gerüchte über den Gast herunter, die sich – selbsterklärend – im Internet finden lassen.

Bei den Fans ist Vaso Vasic beliebt – auch wenn er nur selten zu Einsätzen kommt. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

«Lea haben wir aufgrund ihrer Stimme und der ‹edgy› Haltung, die darin zum Ausdruck kommt, angefragt», erinnert sich Konrad. Doch offenbar hat Inderbitzin mit ihrer Stimme auch Vaso Vasic überzeugt. «Wäre ich nicht verheiratet, hätte ich sie gerne auf einen Kaffee eingeladen – sehr schöne Stimme», meinte der FCL-Ersatzgoalie in der vorletzten Ausgabe des FCL-Podcasts schockverliebt.

Lieber Schlachtgesänge als Schlägereien

Statt mit Komplimenten von Profifussballern befasst sich Inderbitzin als Redaktorin und Moderatorin bei «SRF Sounds» mit zeitgenössischer Musik. Kürzlich hat sie dort aber einen neuen Podcast lanciert, der sich auch um Popkultur drehen soll. Irgendwann, verrät sie, werde sie in diesem auch über Schlachtgesänge und Fussballfans plaudern. Für Inderbitzin ist klar: «Das Vorurteil einiger, dass in der Kurve nur primitive, rückwärtsgewandte Pöbler stehen, wird der facettenreichen Bewegung nicht gerecht. Da steckt viel mehr dahinter.»

«Ich finde Bernhard Alpstaegs Machtambitionen äusserst problematisch.»

Lea Inderbitzin

Auch den Flirt mit dem Gesetzesbruch lässt Inderbitzin den Ultras durchgehen. Zumindest, wenn es um Pyros geht. «Find ich schon bisschen geil», sagt sie. Solange vorsichtig damit umgegangen werde. Ganz anders ihre Meinung zu Schlägereien und Sachbeschädigungen. «Ich verurteile jegliche Form von Gewalt», stellt sie klar. Dass die Polizei die halbe Stadt abriegeln muss, obschon sich für den FCL nur ein Bruchteil der Bevölkerung interessiert, geht für sie nicht auf.

Lea Inderbitzin gefällts, wenn die Kurve brennt. (Bild: fcl.fan-fotos.ch)

Doch so sehr sich Lea Inderbitzin ein Ende der Gewalt wünscht – wie in England solls dann doch nicht sein. «Als ich dort einmal Fussball schauen war, fand ich das fast schon abschreckend.» Auf den Rängen durfte sie weder Bier trinken noch sich vom Sitzplatz erheben. Fahnen waren sowieso verboten. «Das war schon extrem», meint sie rückblickend.

«Damit muss Alpstaeg umgehen können»

Etwas in den Hintergrund geraten ist der Aktionärsstreit im FC Luzern (zentralplus berichtete). «Alpstaeg gegen fast alle», so die Ausgangslage im vereinsinternen Machtkampf. «Was da abgeht, lässt auch mich nicht kalt», sagt Inderbitzin. «Ich finde seine Machtambitionen äusserst problematisch und teile grundsätzlich die Meinung vieler Fans.» Trotzdem müsse das Geld von irgendwo herkommen.

Wenn er im Stadion ist, schnellt der kollektive Puls in der Kurve in die Höhe: Bernhard Alpstaeg. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Dass Bernhard Alpsteag immer wieder wüsten Beschimpfungen und gehässigen Schmähgesängen ausgesetzt ist, gehört für Lea Inderbitzin zum emotionsgeladenen Sport dazu. «Der Pöbel – also wir, die Fans – hat schon immer gegen die Obrigkeit und Macht aufbegehrt. Damit muss Alpstaeg umgehen können.»

Verwendete Quellen
4 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon