Wer leitet Baustelle auf der Allmend?

Ylfete Fanaj, Bernhard Alpstaeg und der FCL-Gästesektor

Mit bis zu 2000 Fans reisen sie jeweils an: die FCZ-Fans, hier im Gästesektor der Swissporarena – und daneben. (Bild: fcl.fan-fotos.ch)

Der FC Luzern und Regierungsrätin Ylfete Fanaj diskutieren über Veränderungen im Gästesektor der Swissporarena. Wobei auch Bernhard Alpstaeg ein Wörtchen mitzureden hat.

In Gesprächen mit Fangewaltexperte Tim Willmann fällt ein Stichwort immer wieder: Fantrennung (zentralpus berichtete). Zuletzt war diese für die Luzerner Polizei ausserhalb, für den FCL aber auch innerhalb des Stadions nur erschwert möglich. Denn die Fans des FC St. Gallen fanden sich beim Hochrisikospiel Anfang Februar statt im gesperrten Gästesektor im Sektor D2, auf der Südseite des Stadions, ein. Wenige Meter nebenan: der Familiensektor (zentralplus berichtete).

Passiert ist nichts. Die Situation ist auch keine gänzlich neue. Der Gästesektor auf der Allmend stösst seit einigen Jahren regelmässig an seine Kapazitätsgrenzen. Reisen die bis zu 2000 Gästefans des FC Zürich, des FC Basel oder des FC St. Gallen an, bleibt ihnen meist nichts anderes übrig, als nicht nur im, sondern auch neben dem Gästesektor zu stehen.

Ylfete Fanaj verhandelt mit FCL

An ihrer viel beachteten Pressekonferenz zum Thema Fangewalt berichtete Sicherheitsvorsteherin Ylfete Fanaj (SP) jüngst von Verhandlungen mit dem FC Luzern. Fanaj will die neunjährige Sicherheitsvereinbarung zwischen Fussballclub und Kanton per 2025 umgestalten (zentralplus berichtete).

Ylfete Fanajs Pressekonferenz zum Thema Fangewalt war äusserst gut besucht. (Bild: jdi)

Inhalt der Vereinbarung ist unter anderem die Überwälzung eines Grossteils der Polizeieinsatzkosten auf den FCL. Doch Fanaj gab zu Protokoll, mit den Verantwortlichen im Fussballclub auch über Kapazität und Position des Gästesektors zu diskutieren.

zentralplus hat darum beim FCL angeklopft. Und wollte wissen, welche konkreten Optionen derzeit mit Regierungsrätin Fanaj besprochen würden. Die Kurzantwort des Mediensprechers Markus Krienbühl: «Es ist noch zu früh, um über konkrete Massnahmen zu sprechen.»

Keine Details zu komplexem Projekt

Ohnehin scheint kein akuter Handlungsbedarf zu herrschen. Denn bislang, so versichert Krienbühl, habe es bei den Spielen gegen den FCZ, den FCB und den FCSG mit Hunderten Gästefans neben dem Gästesektor kaum negative Rückmeldungen gegeben. Der FCL habe im Vorfeld jeweils alle Saisonkartenbesitzer über die Situation informiert und auf Wunsch umplatziert.

Markus Krienbühl ist Mediensprecher des FC Luzern. (Bild: Martin Meienberger)

Im Hinblick auf die anstehenden Gespräche mit dem Kanton würden verschiedene Optionen geprüft, bestätigt Krienbühl immerhin, sodass es zu Veränderungen kommen könnte. «Doch die Verschiebung von Sektoren ist ein komplexes Projekt, das entsprechender Vorarbeiten bedarf», erklärt er.

Denkbare Optionen

Anders als der FCL steckt zentralplus nicht mitten in Verhandlungen mit Regierungsrätin Ylfete Fanaj. Und präsentiert darum zwei möglich Lösungsansätze:

  1. Der Gästesektor bleibt im C6, wird aber vergrössert. Künftig gehört auch der Sektor D1 dazu. Somit besetzen Gästefans künftig die ganze Ecke im Südosten des Stadions. Statt aktuell 800 hätten 1600 Fans Platz. Das würde in den allermeisten Fällen ausreichen.
  2. Der Gästesektor wird hinters Tor verschoben. Die Sektoren D1 und D2 stehen den Gästefans zur Verfügung, während der ehemalige Gästesektor im C6 als Pufferzone dient.
Die lautesten FCL-Fans stehen jeweils in den Sektoren B2 und B3, die Gästefans im C6. Der Familiensektor befindet sich im D4, zwischen D3 und A1. (Bild: zvg)

Solche Pufferzonen schafft der FCL schon heute. Je nach prognostiziertem Aufmarsch der Gästefans werden mehr oder weniger Tickets für Sitzplätze neben dem Gästesektor aus dem Verkauf genommen. Markus Krienbühl lässt durchblicken, dass eine variable Lösung auch künftig «zumindest denkbar» sei.

In Anbetracht dessen, dass die Zahl der anreisenden Gästefans stark variiert, wäre eine gewisse Flexibilität durchaus erstrebenswert. Denn wenn Teams wie Yverdon oder Stade Lausanne-Ouchy einfahren, bleibt der Gästesektor so gut wie leer.

Noch hat Bernhard Alpstaeg das letzte Wort

Komplett unabhängig von der Anzahl Gästefans ist der 78-jährige Bernhard Alpstaeg noch immer Mehrheitsaktionär der Stadion Luzern AG, der Inhabergesellschaft der Swissporarena. Zwar macht ihm die Stadt das Stadion strittig. So hat sie im September den Heimfall ausgelöst – weil Alpstaeg den Baurechtsvertrag verletzt haben soll, wie Stadtpräsident Beat Züsli damals begründete (zentralplus berichtete).

Doch glaubt man den Worten von Sacha Wigdorovits, Alpstaegs Mediensprecher, trödelt die Stadt Luzern beim Heimfall (zentralplus berichtete). Markus Krienbühls Antwort auf die Frage, wie weit das Heimfallverfahren inzwischen fortgeschritten sei, untergräbt Wigdorovits’ Aussage zumindest nicht. Zum Heimfall gebe es keine Neuigkeiten, sagt der FCL-Mediensprecher. Hinsichtlich der möglichen Veränderungen im und um den Gästesektor dürfte Bernhard Alpstaeg darum das letzte Wort haben.

Bernhard Alpstaeg bei seinem letzten Besuch eines FCL-Heimspiels im September. Ob der FCL den Gästesektor vergrössern oder verschieben kann, hängt auch von seiner Unterschrift als Stadionbesitzer ab. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Stefan Wolf wird bei Bernhard Alpstaeg antraben müssen

Zum Missfallen von Stefan Wolf. Er ärgerte sich schon im Herbst anlässlich einer Pressekonferenz darüber, dass er Bernhard Alpstaeg für fast jede bauliche Massnahme im Stadion bitten müsse, die entsprechende Rechnung zu visieren. «Das behindert uns in der Arbeit», klagte der FCL-Präsident damals (zentralplus berichtete).

Bei grösseren Veränderungen des Gästesektors müsste der FCL sicherlich auch die Stadion Luzern AG – und damit Bernhard Alpstaeg – in das Projekt miteinbeziehen, lässt Markus Krienbühl auf Nachfrage von zentralplus durchblicken.

Jetzt schon klar ist: Der FCL muss sich bei einer möglichen Vergrösserung oder Verschiebung des Gästesektors von Regierungsrätin Ylfete Fanaj und Stadionbesitzer Bernhard Alpstaeg reinreden lassen. Wer dereinst den Bauleiterinnen vorbehaltenen weissen Bauhelm tragen wird, bleibt offen.

Das AG-Chaos rund um den FC Luzern

Personen, die sich mit dem Streit zwischen dem FC Luzern und Bernhard Alpstaeg befassen, stellt sich die anspruchsvolle Aufgabe, sich im nur schwer überblickbaren Gewirr der Aktiengesellschaften rund um den FC Luzern zurechtzufinden.

Wenn zentralplus über den Aktionärsstreit oder das Millionendefizit des FCL schreibt, geht es um die FCL Holding AG (zentralplus berichtete). Einst war Bernhard Alpstaeg mit 52 Prozent Mehrheitsaktionär dieser FCL-Dachorganisation. Doch dann wurde ihm die Aktienmehrheit vom Verwaltungsrat der FCL Holding AG, präsidiert durch Stefan Wolf, im Dezember 2022 strittig gemacht (zentralplus berichtete).

Die FC Luzern-Innerschweiz AG, hauptverantwortlich für den Fussballsport auf der Allmend, gehört zu 86 Prozent der FCL Holding AG und zu 4 Prozent Kleinaktionären. Der neu gegründete Verein FCL-Basis hält die restlichen 10 Prozent. Mit Daniel Britschgi vertritt ein FCL-Fan die FCL-Basis im Verwaltungsrat der FC Luzern-Innerschweiz AG (zentralplus berichtete).

Stadion-AGs und der Heimfall

Der FCL Holding AG gehört auch die Swissporarena Events AG. Diese ist insbesondere für den reibungslosen Ablauf der FCL-Heimspiele, aber auch der Länderspiele und anderer Veranstaltungen im Stadion zuständig.

Letztlich hält die FCL Holding AG 40 Prozent der Stadion Luzern AG, wobei hier die Immobilie, also das Stadion an sich, im Vordergrund steht. Bernhard Alpstaeg gehören die restlichen 60 Prozent der Aktien der Stadion Luzern AG. Jedoch hat die Stadt Luzern den Heimfall ausgelöst, was zur Folge haben könnte, dass Alpstaeg sein Stadion verliert (zentralplus berichtete).

Die Stadion Luzern Gastro AG, ihrerseits Betreiberin der Wirtschaft zum Schützenhaus, ist schliesslich gänzlich im Besitz Bernhard Alpstaegs. Die Zusammenarbeit mit der Swissporarena Events AG hat Alpstaeg vor einem Jahr gekündigt (zentralplus berichtete).

Abgesehen von all diesen Aktiengesellschaften sichern mehrere Stiftungen die Zukunft des FCL-Nachwuchses.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Markus Krienbühl, Mediensprecher des FC Luzern
  • Pressekonferenz von Regierungsrätin Ylfete Fanaj vom 26. Februar 2024
  • Pressekonferenz des FC Luzern vom 27. September 2023
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