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Sie arbeiten bei über 40 Grad auf dem Dach – und finden’s auch noch gut
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Ralph Weber arbeitet nie mit Kopfbedeckung. (Bild: wia)

Das sind die heissesten Jobs in Zug Sie arbeiten bei über 40 Grad auf dem Dach – und finden’s auch noch gut

5 min Lesezeit 16.08.2018, 12:02 Uhr

Für Strassenbauer, Dachdecker und Outdoor-Pizzabäcker dürften die letzten heissen Wochen alles andere als ein Spass gewesen sein. zentralplus hat sich mit einem Thermometer auf den Weg zu Dächern und Pizzastuben gemacht und gemessen, wo es in Zug an heissen Tagen noch viel heisser ist.

Ach stimmt, es ist ja Sommer, denken sich all jene, nachdem sie ihr auf 19 Grad herunterklimatisiertes Büro am Feierabend verlassen und sich in das ebenfalls klimatisierte Auto setzen. Ob es nun 34 oder 0 Grad ist draussen, macht für sie kaum einen Unterschied.

Und dann gibt es die anderen. Die, welche die Jahreszeiten hautnah miterleben, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Gerade jetzt – draussen herrschen 30 Grad – dürften es vor allem Nachteile sein. Oder etwa doch nicht? Wir waren bei drei der aktuell heissesten Berufe in Zug zu Besuch, und haben lauter gutgelaunte Menschen angetroffen.

Der Outdoor-Pizzabäcker

Als Pizzabäcker hat man generell nicht kalt. Für Luli Selimi, der einen Outdoor-Pizzaofen bedient, ist es bei der aktuellen Wetterlage besonders kuschelig warm. Das bestätigt unser Besuch bei «Woody», einem Pizzawagen, der seine Pizzen täglich im Kanton Zug an hungrige Frauen und Männer bringt.

Der Pizzabäcker Luli Selimi ist ziemlich entspannt. Wir erwischen ihn vor dem grossen Mittagsandrang. Gerade heizt er den Holzofen ein. Im Wagen drin ist’s tatsächlich nicht kühl, kommt doch die Hitze sowohl von dem offenen Verkaufsfenster als auch vom Pizzaofen. Er bestätigt, dass es hier draussen wärmer ist als in einer normalen Pizzastube. «Doch heute ist es ganz okay. Wenn’s zu warm wird, verwenden wir einen Ventilator», sagt Selimi.

Der Pizzabäcker Luli Selimi ist sich als in Italien aufgewachsener Mazedonier einiges an Hitze gewöhnt.

Der Pizzabäcker Luli Selimi ist sich als in Italien aufgewachsener Mazedonier einiges an Hitze gewöhnt.

(Bild: wia)

«Vor einiger Zeit waren wir an einem Sonnentag im Brüggli. Wir hatten enorm viel zu tun und es war sehr, sehr heiss.» Man müsse dann einfach viel Wasser trinken, dann sei die Hitze kein Problem. Der gebürtige Mazedonier ist in Italien aufgewachsen und seit 20 Monaten in der Schweiz. Entsprechend unspektakulär findet er das für Schweizer doch ungewohnte Wetter. Er zuckt nur mit den Schultern und sagt lächelnd: «Es ist ja nur ein paar Wochen warm.» Ein Blick aufs Thermometer zeigt: Es ist rund 33 Grad warm.

33 Grad warm ist es an besagtem Tag in der Pizzastube. Bei Durchzug.

33 Grad warm ist es an besagtem Tag in der Pizzastube. Bei Durchzug.

(Bild: wia)

Gute Aussicht bei unsäglicher Hitze

Die Pizzahitze ist ein Klacks. Vergleicht man sie damit, was Dachdecker in Zug derzeit aushalten müssen. Das erfahren wir am eigenen Leibe. Mit jeder Stufe des Gerüsts, die wir erklimmen, wird es spürbar wärmer. Vier Stockwerke sind es, bis wir auf dem Dach eines Altstadthauses stehen. Gemeinsam mit einer Handvoll sonnengegerbter Männer.

Die Hitze haut einen um. Jedenfalls, wenn man sich diese Temperaturen nicht gewohnt ist. Unser Thermometer wirft der Dachdecker Ralph Weber geschickt einem Kollegen zu, der zuoberst auf dem Giebel arbeitet.

Auf dieses Dach werden wir bald steigen.

Auf dieses Dach werden wir bald steigen.

(Bild: wia)

Weber ist auf der Seeseite des Satteldaches zugange. Ohne Kopfbedeckung notabene. «Ich arbeite nie mit Hut», erklärt er. «Das macht mir nichts aus.» Einen Sonnenstich habe er jedoch noch nie gehabt. Und relativiert sogleich: «Doch, im Hitzesommer 2003, da bin ich gerade aus der Lehre gekommen, da hatte ich einmal einen Sonnenstich.»

Überhaupt hat er den Sommer damals viel heftiger in Erinnerung als den aktuellen. «In diesem Sommer sind die Temperaturen langsam angestiegen. Wir konnten uns nach und nach daran gewöhnen. 2003 war die Hitze plötzlich da. Das war härter», so Weber.

«Auf Flachdächern ist es brutal heiss. Viel schlimmer als auf jedem Giebeldach.»

Ralph Weber, Dachdecker

Trotzdem, die Sonne brennt unbarmherzig auf die Plastikplane, alle Deos dieser Welt könnten gegen dieses Schwitzen nichts ausrichten. «Auf der Hinterseite des Dachs ist’s schlimmer. Dort staut sich die Luft», sagt Weber sehr unbeeindruckt. «Und auf Flachdächern sowieso. Da ist es brutal heiss. Viel schlimmer als auf jedem Giebeldach.»

Alle halbe Stunde machen die Dachdecker zehn Minuten lang Pause. Weber sagt: «Denn es ist wichtig, viel zu trinken. Wasser, versteht sich. Süssgetränke nützen überhaupt nichts.»

Bis das Thermometer vom Giebel wieder bei uns ist, hat es einige Grad Celsius eingebüsst. Hier zeigt es nur noch gut 41 Grad an.

Bis das Thermometer vom Giebel wieder bei uns ist, hat es einige Grad Celsius eingebüsst. Hier zeigt es nur noch gut 41 Grad an.

Obwohl es temperaturtechnisch sinnvoll wäre, frühmorgens zu beginnen und dafür früh Feierabend zu machen, ist dies für die Dachdecker nicht möglich. «Wegen der Bewohner», so Weber. «Darum beginnen wir um 8 Uhr und arbeiten bis kurz vor 17 Uhr.» Wobei, so gibt er zu bedenken: «Kurz vor Feierabend beginnen wir schon ein wenig zu spinnen wegen der Wärme.»

«Es wird schon ziemlich warm, wenn die Hitze sowohl von oben als auch von unten kommt.»

Kevin Freimann, Strassenbauer

Das erstaunt nicht. Schon nach fünf Minuten in der Höhe haben wir das Gefühl, dass unsere Konzentration nachlässt. Und was sagt das Thermometer? Sage und schreibe 47 Grad zuoberst auf dem Dach! Nichts wie weg hier.

Eine neue Bahnhofstrasse entsteht

Doch unsere nächste Destination ist kaum angenehmer. Wir besuchen nämlich die Strassenbauer von Büwe, die in brütender Hitze dafür sorgen, dass in einer Woche wieder Autos ungehindert über die Steinhauser Bahnhofstrasse fahren können. Wir erwischen die Strassenbauer jedoch an einem kühleren Tag. Will heissen: Aktuell werden keine Belagsarbeiten gemacht. Polier Kevin Freimann erklärt: «Der Belag wird jeweils zirka 160 Grad heiss geliefert, wird er verarbeitet, ist er etwa 120 Grad warm.» Und dann werde es schon ziemlich warm, «wenn die Hitze sowohl von oben als auch von unten kommt».

Kevin Freimann macht die Sonne kaum was aus. Schlimmer findet er die Wärme bei Belagsarbeiten.

Kevin Freimann macht die Sonne kaum was aus. Schlimmer findet er die Wärme bei Belagsarbeiten.

(Bild: wia)

Doch auch wenn er die Arbeit in der Hitze als «schlimm» betitelt, ist ihm die Wärme lieber als die Kälte. «Es ist Gewöhnungssache. Trotzdem sage ich meinen Leuten immer wieder, sie sollen genügend trinken.» Vor Hitze sei in seiner Anwesenheit noch nie jemand zusammengeklappt, sagt Freimann, der seit 11 Jahren auf dem Strassenbau arbeitet.

Wie auch die Dachdecker sei es auch auf dem Strassenbau nicht möglich, allzu früh mit dem Arbeiten zu beginnen. «Wir beginnen um viertel vor 7 Uhr, warten jedoch bis um 7 Uhr, bis wir die lauten Maschinen einschalten.» Und auch so, erklärt Freimann, gäbe es immer wieder Lärmreklamationen.

Das Thermometer, das wir fünf Minuten zuvor auf den Randstein gelegt haben, zeigt mittlerweile rund 41 Grad an. Freimann nimmt es unbeeindruckt zur Kenntnis und begibt sich wieder zur Arbeit.

41 Grad zeigt das Thermometer an. Bei Belagsarbeiten dürfte das Quecksilber markant ansteigen.

41 Grad zeigt das Thermometer an. Bei Belagsarbeiten dürfte das Quecksilber markant ansteigen.

(Bild: wia)

 

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