Regionales Leben

Brenzlige Fussgängersituation in Baar und Zug
Wenn der Spazierweg über eine gefährliche Strasse führt

  • Lesezeit: 5 min
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Hier, zwischen Baar und Zug, müssen Spaziergänger eine 60er-Strecke überqueren, um ihren Weg fortzusetzen. (Bild: wia)

Zwischen Baar und Zug gibt es einen hübschen Weg dem Bach entlang. Die Krux: Damit der Weg nicht zur Sackgasse wird, musst du eine vielbefahrene 60er-Strecke überqueren. Ohne Passerelle, Unterführung oder Fussgängerstreifen. Die Baudirektion findets halb so wild.

Beim Bau der Tangente wurde ein schönes Detail ausgearbeitet. Von der Veloüberführung bei Inwil führt nun ein wunderbarer Fussweg dem renaturierten Grossacherbach entlang. Obwohl unweit der Tangentenverkehr vorbeibraust, wähnt man sich mitten im Grünen. Der Weg wird oft von Spaziergängerinnen, Familien und Hundehaltern begangen. Dies, obwohl es da eine Schwierigkeit gibt.

Denn eigentlich gibt es, wenn man von ebendieser Veloüberführung her kommt, eine tolle Möglichkeit, in Richtung Zug zu gelangen. Wenn da nicht die gefährliche Strasse wäre, die es zu überwinden gilt, bevor man auf den Neufeldweg kommt. Dieser ist explizit als Spazierweg deklariert. Während der Bach im Osten elegant unter der Strasse durchgeführt wird, müssen Spaziergängerinnen die Tangente queren. Dies notabene ohne Fussgängerstreifen. Ein Szenario, dass einigen Zugern bekannt vorkommen könnte (zentralplus berichtete).

Gefährlich wirds dann, wenn Spaziergänger die Strasse überqueren

Eine zentralplus-Leserin, die gerne dort mit ihren Kindern spazieren geht, hat kein Verständnis für die bauliche Situation. Sie sagt dazu: «Keine Ahnung, wie man beim schönen Pfad von Baar her die Strasse quert, um zum Tennisclub Zug zu gelangen.»

«Keine Ahnung, wie man beim schönen Pfad von Baar her die Strasse quert, um zum Tennisclub Zug zu gelangen.»

Eine zentralplus-Leserin

Sie ergänzt: «Ich liebe den Spazierweg – nur habe ich bis heute habe ich keine ungefährliche Querung der Strasse gefunden. Mit den Kids ist das immer etwas kriminell.»

Eine 60er-Strecke durchkreuzt den Fussgängerweg.

Niemand nimmt den Umweg in Kauf

Der Augenschein zeigt: Tatsächlich steht man als Fussgängerin etwas blöde am Strassenrand, bis man sich ein Herz fasst und die 60er-Strecke schnellen Schrittes überquert, wie dies alle anderen Flanierenden auch tun. Immerhin ist der Grünstreifen, der die Strasse vom Trottoir trennt, an dieser Stelle gekiest. Man geht also davon aus, dass hier Menschen die Strasse überqueren.

«Lose, luege, nomal luege und denn nomal luege, zögere, luege, und denn laufe!» Aber schnell!

Eine Anfrage, ob an dieser Stelle noch ein Fussgängerstreifen folgen soll, wird von Baudirektor Florian Weber wie folgt beantwortet: «An dieser Stelle ist gemäss aufgelegtem Projekt keine Fussgängerquerung vorgesehen. Die Sichtweiten für eine sichere Querung sind aufgrund des Damms, der die Strasse und den renaturierten Grossacherbach trennt, nicht gegeben.»

«Die sichere Fahrbahnquerung ist am Kreisel Industriestrasse vorgesehen.»

Florian Weber, Zuger Baudirektor

Was heisst das für die Spaziergänger? Weber antwortet: «Die sichere Fahrbahnquerung ist am Kreisel Industriestrasse vorgesehen. Der Wanderweg führt deshalb bis zu diesem Kreisel, wo die Strasse via Insel als Querungshilfe zwischen den zwei Fahrspuren in zwei Etappen je Fahrspur überquert werden kann.» Zwar gibt es auch dort keinen Fussgängerstreifen, doch würden an dieser Stelle alle Sichtweiten eingehalten. Ausserdem sei die Geschwindigkeit der Fahrzeuge im Bereich des Kreisels niedriger als auf der offenen Strecke.

Der Experte würde Querungsmassnahmen begrüssen

Ob die Fussgänger die rund 220 Meter Umweg in Kauf nehmen, um quasi zurück an den Anfangspunkt zu gelangen, ist jedoch mehr als fraglich.

Gemäss Lukas Fischer, dem Geschäftsleiter der Metron Verkehrsplanung, würden Querungsmassnahmen vor Ort Sinn machen, welche auf den direkten Ganglinien liegen. «Diese müssen jedoch im Kontext zur Situation vor Ort betrachtet werden, gerade, was Fragen der Querungssicherheit, also etwa die Sichtweiten, anbelangt.» Um eine gründliche Einschätzung zu machen, kenne man jedoch die Geschichte des Ortes wie des Projekts zu wenig.

Der Bach hats deutlich feudaler als die Spaziergängerinnen. Für ihn wurde eine Menge Platz gemacht, direkt unter der Strasse durch.

Auffällig: Der Grossacherbach wird an besagter Stelle durch eine Unterführung in Richtung Zug gelotst. Diese ist mehrere Meter breit und nicht ganz mannshoch. Der Gedanke liegt, nah, dass man dort ja auch gleich die Spazierenden durch schicken könnte.

Darauf sagt Weber: «Eine Fussgängerunterführung benötigt mehr Durchgangshöhe als der Bachdurchlass und läge somit tiefer als der Bach. Es müssten Massnahmen gegen das Überfluten der Unterführung getroffen werden.» Er gibt ausserdem zu bedenken: «Technisch wäre eine Unterführung zwar lösbar. Doch der Bereich liegt in der Grundwasserschutzzone S3, in der eine nachträgliche Verminderung der schützenden Überdeckung der Strasse nicht zulässig ist.»

«Nebst der nicht gegebenen Wirtschaftlichkeit hätte die Ästhetik der gesamten Strasse gelitten.»

Florian Weber, Zuger Baudirektor

Auf die Frage, ob der Kanton eine adäquate Lösung für den Spazierweg bei der Planung der gefährlichen Strasse verschlafen habe, sagt der Baudirektor: «Nein, der Kanton hat nichts verschlafen», und er verweist erneut auf die Grundwasserschutzzonen. «Dies hätte eine wesentliche Anhebung der Strasse erfordert. Anstelle des Bachdurchlasses hätte eine Brücke inklusive Rampen gebaut werden müssen.»

Tunnelidee kommt auch beim Experten schlecht an

Florian Weber fährt fort: «Die Rampen hätten zu einem höheren Flächenverbrauch geführt.» Ebenfalls hätten zusätzliche beziehungsweise höhere Lärmschutzwände auf den Dämmen und der Brücke erstellt werden müssen. «Nebst der nicht gegebenen Wirtschaftlichkeit hätte insbesondere die Ästhetik der gesamten Strasse gelitten.»

Auch Verkehrsexperte Lukas Fischer ist nicht begeistert von der Tunnelidee. Dies jedoch aus anderen Gründen: «Eine Fussgängerführung mit dem Bach unter der Strasse wird meist eher unattraktiv und ist nur zu empfehlen, wenn andere oberirdische Lösungen nicht möglich sind.»

Verwendete Quellen
  • Mail-Austausch Anwohnerin
  • Medienanfragen Baudirektion
  • Medienanfragen Fachexperten
  • Augenschein
Weitere Quellen
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