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Pilatusplatz: Wer aufs Auto verzichten kann – und wer nicht
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Wo heute noch etliche Parkplätze «schräg» platziert sind, könne es künftig nur noch zehn Längsparkplätze geben. (Bild: jal)

Umfrage greift Sorge des Luzerner Gewerbes auf Pilatusplatz: Wer aufs Auto verzichten kann – und wer nicht

6 min Lesezeit 5 Kommentare 15.02.2020, 05:01 Uhr

Zwei kürzlich publizierte Umfragen zeigen: Die Unternehmen rund um den Pilatusplatz beharren auf ihren Parkplätzen. Auch viele Kunden haben sich daran gewöhnt, ihr Auto direkt vor der Tür abstellen zu können. Gleichwohl hat die Stadt Luzern gute Gründe, die Zahl der Parkplätze zu reduzieren.

Parkplätze sind ein politischer Dauerbrenner, nicht nur in Luzern. In der Stadt geben derzeit diejenigen rund um den Inselbau am Pilatusplatz zu reden. Weil die Autos rückwärts in den Hallwilerweg fahren, seien sie «unbestritten eine Gefahrenstelle». Das sagte Stefan Huonder, Gesamtprojektleiter Pilatusplatz, am Freitagmorgen an einer Medienkonferenz.

Aus Sicherheitsgründen müssen deshalb 26 bis 34 der heute 46 Parkplätze gestrichen werden. Auf ein unterirdisches Parkhaus möchte das städtische Tiefbauamt lieber verzichten, dafür soll eine neue Verkehrsführung geprüft werden (zentralplus berichtete).

Doch wer nutzt die Parkplätze dort überhaupt? Dieser Frage ging eine Umfrage nach, die ein externes Büro letzten Sommer durchführte und die als Grundlage für die am Freitag publizierte städtebauliche Studie diente. Befragt wurden 58 Autofahrer an unterschiedlichen Tagen. Knapp die Hälfte davon kam aus der Agglomeration, ein Drittel aus der Stadt und rund ein Viertel vom Land.

Restaurants und Läden dürften Einbussen erleiden

Dabei zeigte sich: Ein grosser Teil der Autofahrer besuchte das Passbüro oder das Restaurant Melissas Kitchen. Andere mussten zum Arzt, hatten einen Termin, gingen essen oder am Wochenmarkt einkaufen. Entsprechend variiert die Zeit, während der deren Autos den Parkplatz beanspruchten: Manche benötigten nur wenige Minuten, um ihre Sachen zu erledigen, andere nahmen sich über eine Stunde Zeit.

Interessant ist, wieso die Befragten mit dem Auto anreisten. Rund ein Drittel tat dies einfach aus Gewohnheit. Für einen Viertel war die Gelegenheit günstig: Sei es, weil der öffentliche Verkehr teurer wäre, sie anschliessend weiter zu einem anderen Termin mussten oder schlicht, «weil es zu heiss war», wie ein Autofahrer angab. Für andere wiederum stand der Zeitgewinn im Vordergrund, weil ihre ÖV-Verbindungen schlecht waren. Auch der Transport schwerer Gegenstände wie zum Beispiel einer Nähmaschine oder gesundheitliche Gründe wurden genannt.

«Die Antworten zeigen, dass das Auto von den meisten aus pragmatischen Gründen genutzt wird, und nicht aus Prinzip.»

Das Fazit der Autoren der Umfrage: «Die Antworten zeigen, dass das Auto von den meisten aus pragmatischen Gründen genutzt wird, und nicht aus Prinzip. Autoparkplätze schaffen also Möglichkeiten für bestimmte Tätigkeiten oder Situationen.»

Impliziert dies, dass die Besucher das Auto stehen lassen würden, wenn es weniger Parkplätze gäbe? Die Antworten auf diese Frage fielen unterschiedlich aus. Wer einen Termin bei der Verwaltung oder im Passbüro hatte, wäre auch mit dem ÖV gekommen. Denn diese Menschen wissen im Vorfeld, wann sie ihre Verpflichtungen haben und können die Anreise entsprechend planen, so die Studie.

Kunden teilweise flexibel, Unternehmen eher weniger

Mit Einbussen rechnen müssten aber Geschäfte und Restaurants. Ein Drittel der befragten Kunden hätte auf den Einkauf verzichtet, mehr als zwei Drittel wäre woanders essen gegangen. Wenig Flexibilität zeigten auch jene, die geschäftlich ohnehin mit dem Auto unterwegs sind. Ohne Parkplätze würden sie die Angebote am Pilatusplatz nicht nutzen und halt woanders essen oder einkaufen gehen.

So würde die neue Verkehrsführung aussehen: Der Verkehr würde nicht mehr über die Obergrundstrasse (gelb markiert), sondern über den Hallwilerweg (grüne Pfeile) führen.

Die Autoren halten fest: «Die Kunden des Passbüros geben alle an, den Termin auch mit dem ÖV wahrzunehmen, während viele Kunden von «Melissa’s Kitchen» ohne Parkplatz nicht gekommen wären.» 

Die Ergebnisse bestärken streckenweise die Sorgen der IG Pilatusplatz. Diese wehrt sich gegen die neue Verkehrsführung, sie fürchtet Schleichverkehr in den Quartieren und insbesondere den Abbau von Parkplätzen. Co-Präsident Bastian Eltschinger sagte kürzlich gegenüber zentralplus zur Y-Lösung für die Verkehrsführung: «Läden und Dienstleister müssten schliessen, Arbeitsplätze wären in Gefahr.» 

Auch viele der rund um den Pilatusplatz beheimateten Unternehmen schätzen die Situation skeptisch ein, wie eine zweite Umfrage zeigt. 27 Befragte – von Detailhändlern über Verwaltungsstellen, Beratungsfirmen und Gastrolokalen – gaben ihre Meinung ab. Was das Potenzial der geplanten Aufwertung betrifft, zeichnen sie ein «ernüchterndes Bild». Die meisten Angefragten sehen kaum Nutzen für ihre Kunden. Am ehesten noch positiv finden sie, dass die Geschäfte dank der übersichtlicheren Gestaltung besser auffindbar wären. Die neuen Aufenthaltsmöglichkeiten bringen aus ihrer Sicht wenig Mehrwert für ihr Geschäft.

So könnte die neue verkehrsberuhigte Obergrundstrasse aussehen.

Stattdessen erachten viele die Parkplätze für ihre Unternehmen als essenziell – entsprechend wollen sie am Status quo festhalten. Den Mehrwert einer neuen Tiefgarage schätzen sie indes als gering ein.

Oberirdische Parkplätze soll es weiter geben – aber weniger

Die Autoren der Umfrage halten fest, dass manche Unternehmen ganz ohne Parkplätze «den Geschäftsgang nicht mehr oder nur mit deutlichem Verlust aufrechterhalten» könnten. Sie betonen aber auch, dass die Resultate zwar einen Einblick in die Beweggründe der Autofahrer geben, aber nicht repräsentativ seien. Nicht zu vergessen, dass sie die Sicht derjenigen Kunden, die bereits heute mit dem Velo, zu Fuss oder im Bus anreisen, vollständig ausser Acht lassen.

Das Fazit der Studie ist denn auch nicht einfach schwarz oder weiss. Insgesamt seien die Geschäfte und Anbieter rund um den Pilatusplatz unterschiedlich stark auf Parkplätze angewiesen, schreiben die Autoren. Wer einen planbaren Termin habe, könne sein Auto gut etwas weiter entfernt in einem Parkhaus abstellen. Die Studie empfiehlt der Stadt aber, für die Umgestaltung des Pilatusplatzes ein Angebot an oberirdischen Kurzzeitparkplätzen zu realisieren. «So haben die Anbieter, die strukturell auf Parkplätze angewiesen sind, die Möglichkeit, ihr Geschäft weiterhin zu betreiben.» Diese Plätze müssten nahe an den Geschäften angeordnet sein – wie viele es sein sollten, wird nicht beziffert.

Die Gewohnheitsfahrer bieten Spielraum

Das städtische Tiefbauamt ist gewillt, dem zumindest ein Stück weit nachzukommen, wie am Freitag klar wurde. Vorgesehen sind in Zukunft zehn oberirdische Parkplätze an der Obergrundstrasse – vor «Melissa’s Kitchen» Richtung Pilatusplatz. Laut Gesamtprojektleiter Stefan Huonder besteht nämlich Spielraum bei den «Gewohnheitsfahrern». Der Kundenrückgang dürfte gemäss Umfrage bei jenen, die aus lauter Gewohnheit oder Gelegenheit mit dem Auto anreisen, am geringsten ausfallen.

Stadtrat Adrian Borgula betonte an der Medienkonferenz zudem, dass es sich beim Areal um öffentlichen Grund handle und dort kein Anspruch auf Parkplätze bestehe. Zudem wolle die Stadt nicht nur die Interessen der direktbetroffenen Geschäfte berücksichtigen, sondern jene der gesamten Stadtbevölkerung.

Eines ist klar: Die Parkplatzdiskussion dürfte auch die Stadt Luzern weiterhin beschäftigen. Im vorliegenden Projekt können sich Betroffene bis Ende März äussern, danach entscheidet der Stadtrat und letztlich der Kanton Luzern über die Zukunft des Gebiets um den Pilatusplatz.

Beim Pilatusplatz wird über eine neue Verkehrsführung diskutiert.

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5 Kommentare
  1. David L, 15.02.2020, 22:21 Uhr

    Bei all der Parkplatz-Abbauerei und den Verkehrsschikanen geht wie immer eines vergessen:

    Die grössten Opfer dieser Massnahmen sind nicht die „Sonntagsfahrer“ die genau so gut den ÖV benutzen oder zu Hause bleiben könnten. Die grössten Opfer sind jene, die tatsächlich auf den MIV angewiesen sind: Handwerker, Servicetechniker, Aussendienstler, …

    Die verschwenden jetzt einfach noch mehr ihrer Arbeitszeit mit Parkplatzsuche und im Stau stehen.

    Die shoppende Hausfrau, der ins Café gehende Rentner oder andere Plausch-Fahrer hingegen juckt das weniger. Die haben ja Zeit.

    Anstatt also einmal mehr der arbeitenden Bevölkerung das Leben schwer zu machen, sollte man sich besser mal überlegen, wie man jene Leute von der Strasse wegbringt, die da tatsächlich nichts zu suchen haben!

    1. CScherrer, 16.02.2020, 08:56 Uhr

      Alles eine Frage der Organisation. Auch Sie jammern nur und bringen keine Lösungen. Läppisches Argument. Gerade Handwerker, Servicetechniker und andere Lieferanten sollten sich selbst mal an die Kandare nehmen und ihre sinnlose rum Fahrerei hinterfragen. Wenn ich sehe, dass der gleiche Lieferant x-mal in die Stadt fährt um irgend ein Paket zu liefern, dann kommt mir aber schon die Galle hoch. Ziemlich überheblich von Ihnen, Rentner für das Verkehrschaos in der Stadt verantwortlich zu machen. Ich vermute mal, dass Sie Mitglied des Wirtschaftsverbandes der Stadt Luzern und der FDP sind.

  2. CScherrer, 15.02.2020, 14:19 Uhr

    Diese ewig gestrigen Parkplatz-Fetischisten sollen endlich zur Kenntnis nehmen, dass der motorisierte Individualverkehr in den Städten keine Zukunft mehr hat. Seit Jahren jammert das Gewerbe, aber auch der Wirtschaftsverband seinen immer gleichen Nonsens von wegen Verlust. Schlage vor, dass man das Gewerbe nach Verursacherprinzip belastet. Nimmt mich dann wunder, ob dann noch alle Kunden mit dem Auto kommen.
    Schon lustig, dass es anscheinend Automobilisten gibt, die die Parkhausgebühr nicht vermögen, aber dann in einem der Hotels oder Restaurants essen und sich eine Flasche Rotwein gönnen. Aber lieber 30 Minuten in den Quartieren der Stadt nach einem Parkplatz suchen. Peinliche Kundschaft hat das Gewerbe.

  3. Silas, 15.02.2020, 11:32 Uhr

    Typisch Schweizer Bünzlitum.
    Es ist echt Interessant, wenn es in der Stadt Luzern oder Agglo ein Verkehrsprojekt oder eine Überbauung gibt, wie schnell irgendwelche IG’s auftauchen und von Kündigungen, Gewinn einbusen usw. sprechen. Projekte die anstehen, werden unnötig in die länge gezogen. Das Problem ist aber immer noch da. Die Umfrage zeigt klar auf, wir sind einfach zu Bequem um ÖV zu fahren. Gibt es dort in Zukunft eine Begegnungszone mit ÖV, öffnen sich auch grosse Chancen, die Restaurants könnten da, ihre Gartenterasse eröffnen und für den ÖV gibt es eine bessere Eingliederung wieder in den Verkehr. Und bei den Fussgänger gibt es in Zukunft keine Gefährliche Überquerungen über mehrere Spuren mehr. Und wer betreffend Parkplätze ,,mötzlet“ das Parkhaus Kesselturm ist in wenigen Schritten erreichbar. Ich fahre selbst Auto und eine bessere Lösung als diese, gibt es wirklich nicht. Hört endlich auf, immer gegen alles neue zusein.

  4. Kasimir Pfyffer, 15.02.2020, 10:07 Uhr

    Meine Güte, was diese IG immer gleich in die Hosen macht. Gleich um die Ecke sind das Kesselturm- und das Altstadt-Parking, ganz bestimmt sterben die automobilen Kunden nicht wegen ein paar Minuten Fussweg.
    Zudem frage ich mich, was das für „Geschäftsleute“ sein sollen, wenn sie offenbar nur wegen ein paar Parkplätzen vor der Hütte überleben können. Es gäbe da auch noch die Punkte Servicequalität, Sortiment, Preis/Leistung, Innovation etc. Sehe ich z. B. bei Vonarburg/Federer alles erfüllt, aber die jammern auch nicht.