Nudeln für den Leib und Jazz für die Seele
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Gastgeber in Zugs erster klassicher Ramen-Beiz: Kevin Tarō Bicker. (Bild: mam)

«Raijin»: Kulinarischer Geheimtipp in Zug Nudeln für den Leib und Jazz für die Seele

4 min Lesezeit 09.10.2020, 17:30 Uhr

Ramen sind en vogue, oft als zeitgeistiges Gericht und angepasst an den europäischen Geschmack. Nicht so in einem neuen Zuger Restaurant, wo man japanische Traditionen ehrt – und sie mit einer lockeren Atmosphäre kombiniert.

Wer ins «Raijin» am Bundesplatz in Zug will, der muss zuerst durch einen Schrank schreiten. Ein solcher ist hinter der Eingangstür aufgebaut. Nach dem Durchgang führt eine gewundene Stiege ins Kellergeschoss des Gotthardhofs. Hier hat vor sieben Wochen ein Ramen-Restaurant eröffnet. «Es ist genauso gut wie in Tokio», hat uns ein Bekannter versichert. Also nichts wie hin.

Im Lokal erwartet uns Gastgeber Kevin Tarō Bicker. Der Mittagsservice ist soeben vorbei. Das Restaurant war ausgebucht – nicht zum ersten Mal. «Es läuft sehr gut», sagt Bicker, der zuletzt im Marketing eines österreichischen Brauseherstellers in Tokio gearbeitet hat.

Traum fürs Alter

Sein Vater stammt aus Zug, seine Mutter aus Kyoto. Dort ist er aufgewachsen. Er ist beruflich in der Welt herumgekommen und hat die Ausbildung an der Schweizerischen Hotelfachschule in Luzern abgeschlossen.

«Ich wollte immer schon eine Sake-Bar mit Jazz betreiben», sagt Bicker. Aber eigentlich erst als 50-Jähriger. Nun hat er aber etwas ganz Eigenes erschaffen. «Auch Dank Claudio Savi vom Restaurant Gotthardhof, der an mein Konzept geglaubt hat und mir ermöglicht hat, die Lokalität zu mieten.»

Fenster aus der Papieri

In der Tat taucht man nach Passieren der Schranktür in eine andere Welt ein. Wo früher eine geschniegelte Bar war, hat Bicker einen Hangout mit ausgesprochener Wohlfühlathmosphäre geschaffen. Die Bilder hat der Enkel eines japanischen Kalligraphen gleich selber gemalt. Das Mobiliar hat er aus einem Chamer Antiquitätenladen geholt oder mit Freunden zusammengezimmert. Mitverbaut wurden etwa Fenster aus der Papierfabrik Cham, die abgerissen wird.

«Ohne Marisa, Samuel, Zeno, Roberto, Michele, Luca und die beiden Daniels hätte ich das nie geschafft», sagt Bicker. «Ich werde ihnen ewig dankbar sein.» Der Umbau erfolgte im Frühjahr, während des Corona-Lockdowns. Das brachte spezielle Herausforderungen mit sich. «Uns gingen die Nägel aus, aber die Baumärkte waren geschlossen», erzählt Bicker. Also organisierte man Ersatz bei Landwirten.

Schluss mit Hektik

Das entstandene Wohnzimmerambiente erfüllt einen Zweck: «Wir wollen unsere Gäste nicht einfach reihenweise verpflegen», sagt Bicker. Man wolle sie aus der Hektik des Berufs- und Geschäftslebens reissen und ihnen ermöglichen, den Moment zu geniessen. Natürlich sollen sie sich auch Speis und Trank schmecken lassen.

Für die Küche verantwortlich zeichnet Mitinhaber Akira Saito. Eigentlich ist er Anwalt. Aber im «Raijin» sorgt er dafür, dass gut gehütete Familienrezepte aus Tokio für die Nudelgerichte verwendet werden. Kulinarische Zugeständnisse an den Zeitgeist gibt es im «Raijin» nicht – Bicker und Saito setzen einiges daran, im Untergeschoss des Gotthardhofs ein authentisches Stück Japan auferstehen zu lassen.

Kostprobe aus dem «Raijin».

Whiskey, aber japanisch

Dies spiegelt sich auch im Getränkeangebot wieder. Das Bier ist japanisch und neben verschiedenen Sake gibt’s für Feierabendgäste auch Whiskey und Gin – japanischen natürlich.

Womit wir bei Bickers Traum von der Sake-Bar angelangt wären. Neben dem Mittagsgeschäft hat das «Raijn» auch am Mittwochabend offen. Nach dem Ramen-Dinner legt ein DJ Platten auf.

Jazz am Donnerstag

Bicker plant, bald auch am Donnerstagabend zu öffnen. Dann wird Jazz angesagt sein – «eine grosse Leidenschaft von mir», wie Bicker sagt. Er freut sich auf Live-Auftritte von Musikern. «Wir arbeiten dazu mit der Jazzakademie der Hochschule Luzern zusammen.»

Werbung macht das «Raijin» übrigens keine – verlässt sich nur auf Mund-zu-Mund-Propaganda und ein Instagram-Konto. Dass das Restaurant dennoch nach kurzer Zeit regelmässig ausgebucht ist, führt Bicker auf die Internationalität des Platzes zurück, zu der man natürlich beitrage. «Aber wir wollen auch neuen Wind nach Zug bringen», so Bicker.

Künftig wird dieser Wind vielleicht auch in Luzern und Zürich wehen. Bicker wäre einer Expansion nicht abgeneigt, falls sich geeignete Locations fänden. «Aber wir gehen Schritt für Schritt vorwärts, und bauen hier in Zug erstmal unsere Heimbasis auf.»

Ramen-Gerichte gibt es auch ohne Suppe.

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