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US-Sanktionen

Auch Philipp Studhalter hatte Beziehungen zu den Kerimows

Nach seinem Bruder Alexander gerät jetzt auch Philipp Studhalter unter Druck. Er war jahrelang in einem von Kerimows Unternehmen aktiv. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Philipp Studhalter war zehn Jahre lang Vorstand in einer von Kerimows Firmen. Ausserdem tat er den Kindern des Oligarchen 2018 einen grossen Gefallen – und lobte sie in einem Referenzschreiben in höchsten Tönen.

Nicht nur der sanktionierte Luzerner Treuhänder Alexander Studhalter hatte enge Kontakte zur Familie Kerimow. Auch Philipp Studhalter, Luzerner Anwalt, ehemaliger Präsident des FC Luzern und amtierender Präsident der Swiss Football League, war in die Geschäfte seines Bruders involviert. Und unterhielt gute Beziehungen zur Familie Kerimow. Das zeigten Dokumente aus dem Datenleck Pandora Papers, wie die Tamedia-Zeitungen schreiben.

Von 2008 bis 2018 war Philipp Verwaltungsrat und temporär Präsident der Firma MG International AG, die früher Kerimow gehörte. Die Firma mit Sitz in Luzern wurde laut Tamedia unter anderem für Geldschiebereien innerhalb der Familie Kerimow genutzt.

Diesen Sommer wurde die Firma in Liquidation geschickt und diese Woche von den USA auf die Sanktionsliste zu Russlands Krieg gegen die Ukraine gesetzt. Auch in anderen Firmen, die mit einer Schweizer Stiftung um Suleiman Kerimow zu tun hatten, soll Philipp aktiv gewesen sein.

Die Kontakte mit den Kerimows waren so gut, dass er 2018 zwei Referenzschreiben für die Tochter und den Sohn des Oligarchen aufsetzte. Beide seien von ihm «höchst respektiert» und Personen mit «Integrität», schrieb Philipp Studhalter an ein Unternehmen in Zürich. Sowohl die Tochter Gulnara als auch der Sohn Said werden derzeit international sanktioniert.

Philipp Studhalter verteidigt sich

«In der heutigen Ausgangslage würde ich diese Referenzschreiben selbstverständlich nicht redigieren», antwortet Philipp Studhalter auf Anfrage von Tamedia. Er habe die Schreiben damals im Rahmen seiner anwaltlichen Tätigkeit verfasst und nicht geahnt, was einige Jahre später in der Ukraine passieren sollte. Er betont zudem, dass Kerimow nur bis 2013 Besitzer der MG International gewesen sei.

Alexander Studhalter und seine Firmen waren am Montag wegen ihrer Beziehungen zu Suleimanow Kerimow von den USA sanktioniert worden (zentralplus berichtete). Der Geschäftsmann soll jahrelang über ein Netz von Strohmännern und Firmen Geld für den russischen Oligarchen gewaschen haben (zentralplus berichtete).

Auch Teile von Studhalters Umfeld landeten auf der Sanktionsliste: seine zwei Söhne, eine Angestellte und ein Zuger Anwalt, der Firmen von Kerimows Tochter Gulnara betreut hatte. Alexander Studhalter hat am Dienstag bekannt gegeben, seine Verwaltungsratsmandate temporär niederzulegen (zentralplus berichtete). Gegen Philipp Studhalter wurden keine Sanktionen verhängt.

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