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Strohmänner verschoben Millionen zu Oligarchen
Russengeld: Spuren führen in dieses Luzerner Tattoostudio

  • Lesezeit: 3 min
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Ein Tätowierer des Living Color an der Pilatusstrasse soll laut Medienberichten rund 200 Millionen Dollar an Firmen eines Oligarchen verschoben haben.

Die Rede ist von einer ganzen Schar von Strohleuten aus Luzern: Sie sollen während Jahren dabei geholfen haben, Gelder an den Putin-nahen Oligarchen Suleiman Kerimow zu verschieben. Mittendrin: ein Tätowierer aus der Stadt Luzern.

Der Milliardär Suleiman Kerimow ist ein Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seit März dieses Jahres ist der Oligarch auch in der Schweiz sanktioniert. Jetzt zeigen neue Recherchen des «Tagesanzeiger»: Kerimow hat seine Geschäfte auch über Luzern abgewickelt.

Ein Tätowierer, der in der Stadt Luzern sein eigenes Studio führt, soll als Strohmann tätig gewesen sein. Er habe in den Jahren 2013 und 2014 insgesamt 200 Millionen Dollar an Firmen von Kerimow und dessen nahe Familienmitglieder verschoben. Dazu hat er gemäss Bericht eine Briefkastenfirma auf den britischen Jungferninseln und ein US-Dollar-Konto in Lettland benutzt. Laut einem Bericht von «BBC News» handelt es sich beim Tätowierer um Renato Cappo, den Inhaber des «Living Color» an der Pilatusstrasse.

Tätowierer will sich nicht äussern

Der «Tagesanzeiger» konnte in Dokumente einsehen, in denen der Tätowierer aus Luzern als einziger Berechtigter der Briefkastenfirma geführt wird. Der Tätowierer habe sich, darauf angesprochen, nicht äussern wollen und auf seinen Treuhänder Alexander Studhalter verwiesen haben. Auch gegenüber zentralplus wollte sich der Tätowierer nicht zu den Vorwürfen äussern. «Nichts für ungut», sagt einer seiner Mitarbeiter bei einem Besuch an der Theke des Tattoo-Studios.

Studhalter sagte gegenüber dem «Tagesanzeiger», dass die Briefkastenfirma des Tätowierers ihm selbst gehört habe. Bis 2013 habe er «in gemeinsame Projekte mit Kerimow investiert».

Zwei Dutzend Strohpersonen aus Luzern

Involviert waren indes weit mehr Leute als nur der Tätowierer. Gemäss Medienberichten wurden zwei Dutzend Menschen aus der Region Luzern als Strohleute eingesetzt. Darunter seien Mitarbeiterinnen und Kunden des Treuhänders und der Präsident der Mitte-Partei einer kleinen Luzerner Gemeinde.

Insgesamt sollen über diese Strohleute Geschäfte in der Höhe von vier Milliarden Dollar abgewickelt worden sein. Die meisten von ihnen gaben sich gegenüber den Journalisten wortkarg. Ein Strohmann sagte: «Ich habe einfach einmal unterschrieben und dann 4000 Franken pro Jahr erhalten.»

Studhalter und Kerimow: langjährige Freundschaft

Der russische Oligarch Kerimow und der Luzerner Treuhänder Studhalter pflegen eine langjährige Beziehung. Gemäss früheren Medienberichten hat Studhalter Kerimow 1995 «zufällig in Moskau kennengelernt», wie der Luzerner kürzlich gegenüber der «NZZ» sagte. Studhalter bezeichnet sich als langjährigen Geschäftspartner und persönlichen Freund von Kerimow.

Die beiden gerieten in den letzten Jahren immer wieder in die Schlagzeilen. Kerimow schlitterte 2006 mit einem schwarzen Ferrari auf der Promenade des Anglais in Nizza in eine Palme. Es zeigte sich: Der Ferrari gehörte niemand anderem als dem Luzerner Geschäftsmann Alexander Studhalter.

2018 wurde Studhalter in Südfrankreich in Untersuchungshaft genommen. Schon damals wurde ihm vorgeworfen, dass er als Strohmann des russischen Oligarchen Kerimow agierte und Schwarzgeld in der Höhe von 92 Millionen Euro bezahlt habe. Studhalter wies die Vorwürfe stets von sich. Im Juni 2018 wurden sämtliche Anklagepunkte gegen den Luzerner Treuhänder fallen gelassen.

Studhalter war auch Stiftungsratspräsident der seit 2007 in Luzern angesiedelten Suleiman Kerimow Foundation, die vor wenigen Wochen aufgelöst wurde. Wie er Ende März gegenüber der «NZZ» sagte, habe dies mit dem Krieg nichts zu tun gehabt. Die Stiftung habe ihren Zweck erfüllt.

Verwendete Quellen
  • Besuch in Luzerner Tattoostudio
  • Medienbericht vom «Tagesanzeiger»
  • Medienbericht von «BBC News»
  • Medienbericht von der «NZZ»
Weitere Quellen
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2 Kommentare
  1. Michel von der Schwand, 13.04.2022, 09:10 Uhr

    In einer Stiftung verschwindet Geld, dass dann wieder gewaschen auftaucht oder eben auch nicht. Gut, dass Herr Alpstaeg dem ganzen Nonsens einen Riegel geschoben hat. Suleiman Kerimow wäre heute wohl Besitzer des FC Luzern und dieser wohl definitiv irgendwo in Neuenburg angekommen.

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  2. oliver.heeb, 12.04.2022, 21:48 Uhr

    Dass sich die Schweiz gegenüber einschlägigen Praktiken ziemlich permissiv Verhält, ist an und für sich nicht neu. Bis vor Kurzem noch, haben Vertreter der Strafverfolgung auf Bundesebene in Abrede gestellt, dass unser Land ein Problem mit der Mafia haben könnte.
    Was bei diesem Fall auch interessant ist, sind diese unscheinbaren «Strohmänner» und ihre möglichen Netzwerke. Da könnte eventuell mehr dahinterstecken, als bloss ein paar Gefälligkeiten für Russische Oligarchen. Wie weit reichen ihre Tentakel allenfalls in die lokale Politik und in die Behörden? Gibt es noch andere «Geschäftsfelder»? Es darf vermutet werden, dass das Ganze bloss die Spitze des Eisberges darstellt.
    Ich bin gespannt, ob und welche Fragen im Kantonsparlament gestellt werden. Für viele Stimmbürger/innen könnte das bei den nächsten Wahlen matchentscheidend werden.

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