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Neue Liga, neues Stadion – trotzdem üben sich die Krienser im Tiefstapeln
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Trainer Bruno Berner tritt mit dem SC Kriens die ersten Heimspiele in der Swissporarena an, wo er zuletzt vor knapp einem Jahr beim Cupderby gegen den FCL an der Seitenlinie stand. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

SC Kriens vor dem Start in der Challenge League Neue Liga, neues Stadion – trotzdem üben sich die Krienser im Tiefstapeln

5 min Lesezeit 20.07.2018, 16:06 Uhr

Der SC Kriens startet heute in die Saison – in einer höheren Liga, bald in einem glanzvollen Stadion. Die Euphorie schlägt sich aber noch kaum bei zusätzlichen Fans nieder: Der Saisonkartenverkauf harzt. Weil noch unklar ist, wann das Sportzentrum Kleinfeld parat steht, mutmasst man beim Verein – und dämpft zugleich die Erwartungen.

Beim SC Kriens steht diesen Freitag der Saisonbeginn an – nach sechs Jahren endlich wieder in der Challenge League. Der Start ist happig: Der Aufsteiger muss sich auswärts gleich im ersten Spiel mit Super-League-Absteiger Lausanne-Sport messen. Obwohl die Krienser auf der Pontaise einen schweren Stand haben dürften, machten die Verantwortlichen kürzlich klar: Sie hegen in dieser Saison klar höhere Ambitionen, als einfach nur Punktelieferant zu sein (zentralplus berichtete).

Kein Wunder: Dem Aufstiegsfest soll bald ein zweites Fest folgen, nämlich die Einweihung des neuen Stadions. Für über 20 Millionen Franken entsteht auf dem Kleinfeld ein Sportzentrum, auf das mancher Challenge-Ligist neidisch sein dürfte (zentralplus berichtete). Mit 3’200 Plätzen fällt es zwar vergleichsweise bescheiden aus, doch das passt zum SC Kriens, der zwar mit über 20 Juniorenteams zu den grössten Ausbildungsvereinen des Landes zählt, aber gerne tiefstapelt. 

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Saisonkarten verkaufen sich nur schleppend

Doch vorerst müssen die Krienser bekanntlich auf fremdes Terrain ausweichen. Denn wegen einer Schadstoffdeponie verzögert sich die Einweihung (zentralplus berichtete). Die Krienser werden ihre ersten Heimspiele deshalb in der Swissporarena austragen (siehe Box).

Und das bremst ganz offensichtlich die Euphorie – zumindest bei den Fans. «Der Saisonkartenverkauf ist noch nicht so gut angelaufen», sagt Sportchef und Geschäftsführer Bruno Galliker. Seit dem Verkaufsstart im Juli wurden rund 300 Saisonkarten bezogen, vor allem die treuen Fans der letzten Jahre hätten ihre Karten meist wieder bestellt oder abgeholt. «Es liegt wohl vor allem daran, dass noch nicht ganz klar ist, wann wir im neuen Stadion spielen werden.»

Stadion Kleinfeld

So soll das neue Stadion Kleinfeld bald aussehen.

(Bild: zVg)

Dass Krienser Fans mit dem Kauf zögern, weil sie für die «Heimspiele» nicht nach Luzern reisen wollen, wäre Bruno Galliker allerdings nicht zu Ohren gekommen. «Aber klar ist jeder froh, wenn wir dann wirklich ‹zu Hause› spielen können.»

Die ersten Spiele «auswärts»

Der SC Kriens spielt mindestens die ersten zwei nominellen Heimspiele in der Swissporarena. Die Saisonkarte des SC Kriens ist für diese Spiele in der Swissporarena gültig.

  • Samstag, 28. Juli, 17.30 Uhr: SCK – FC Rapperswil-Jona
  • Sonntag, 26. August, 14.30 Uhr: SCK – FC Wil

Voraussichtlich wird auch das dritte Heimspiel gegen Chiasso am 22. September noch in Luzern stattfinden. Das erste Spiel im neuen Stadion wird nach Absprache mit dem Verband Ende September oder Anfang Oktober ausgetragen. Das offizielle Eröffnungsfest geht am 13. Oktober über die Bühne. 

Auch am Preis dürfte es kaum liegen. Für ein Sitzplatz-Abo beim SC Kriens werden 350 Franken fällig, für eine Stehplatz-Saisonkarte in den ungedeckten Sektoren sind es 210 Franken, was vergleichbar ist mit anderen Challenge-League-Clubs. «Unser Ziel war es, die Einzeleintritte trotz höherer Liga und attraktiverer Gegner im neuen Stadion nicht gross zu steigern», sagt Galliker. Der Preis für Einzeleintritte wurde in der neuen Saison in der Challenge League um fünf Franken erhöht: 25 Franken für einen Sitz-, 15 Franken für einen Stehplatz. Das sei angesichts des Aufstiegs und der neuen Infrastruktur gerechtfertigt, sagt Bruno Galliker.

Was wäre möglich?

Tiefstapeln, das macht der Verein auch, wenn es um das Potenzial der neuen Liga und der neuen Spielstätte geht. Ein Blick auf andere Vereine zeigt, dass ein neues Stadion jeweils zu einem Anstieg der Zuschauerzahlen führt. Der FCL konnte nach der Eröffnung der Swissporarena fast doppelt so viele Eintritte vermelden (zentralplus berichtete). Dass dies nicht nur in der höchsten Liga zutrifft, zeigt sich beim FC Schaffhausen, der vor knapp anderthalb Jahren sein neues Stadion einweihte. Auch am Rhein strömten in der Eröffnungssaison mit durchschnittlich 2’329 Fans fast doppelt so viele Fans auf den Rasen wie vorher; in der abgelaufenen Saison pendelte sich die Zahl aber wieder bei gut 1’240 ein.

«Unser Ziel mit dem neuen Stadion ist es aber nicht nur, mehr Zuschauer anzulocken.»

Bruno Galliker, Sportchef und Geschäftsführer

Ob das auch für Kriens ein realistisches Szenario ist, dazu gibt es keine konkrete Antwort. Prognosen zu den Zuschauerzahlen mag Bruno Galliker keine abgeben. «Man muss sehen, dass wir im Herbst nicht nur in ein neues Stadion einziehen, sondern dass wir diese Saison auch eine Liga höher spielen. Deshalb ist es schwer zu sagen, wie sich die Zuschauerzahlen entwickeln.»

Im näheren Umfeld spüre man zwar das Interesse, das die Challenge League auslöst, sagt Galliker. Und natürlich hoffen die Krienser, zusätzliche Fans für die interessanten Spiele etwa gegen Servette, Lausanne oder Aarau zu gewinnen – und die Zuschauerzahlen anzukurbeln. «Unser Ziel mit dem neuen Stadion ist es aber nicht nur, mehr Zuschauer anzulocken, sondern vor allem auch generell mehr Menschen für den SCK und das Sportzentrum zu begeistern.»

Deutlich unter dem Durchschnitt

Einen Anhaltspunkt dafür, was möglich wäre, bietet die Statistik. In der Challenge League waren die Stadien der Clubs letztes Jahr durchschnittlich mit knapp 500 (Chiasso) bis knapp 3’500 Fans (Xamax) gefüllt. Der Durchschnitt über alle zehn Vereine hinweg lag bei 1’739 Zuschauern.

Die Verantwortlichen des SC Kriens. Von links: Präsident Werner Baumgartner, Sportchef Bruno Galliker und Trainer Bruno Berner.

Die Verantwortlichen des SC Kriens. Von links: Präsident Werner Baumgartner, Sportchef Bruno Galliker und Trainer Bruno Berner.

(Bild: les)

Kriens hat angesichts dessen noch ordentlich Luft nach oben. Detaillierte Zuschauerzahlen zur vergangenen Saison liegen zwar keine vor. Klar ist, dass im Vergleich zu früher weniger Zuschauer ins Gersagstadion nach Emmen pilgerten, wo der SCK zuletzt spielte. «Aber dank den beiden toll besuchten letzten Heimspielen werden es rund 600 Zuschauer im Schnitt gewesen sein», sagt Geschäftsführer Bruno Galliker. Damit reiht sich Kriens also eher am unteren Ende der Challenge League ein.

Und das weiss man beim kleinen Bruder des FCL. SCK-Präsident Werner Baumgartner sagte an der letzten Generalversammlung im Herbst 2017, dass hinsichtlich der Mitgliederbasis noch grosses Potenzial bestehe. Ein Sprung wäre in Kriens auch aus finanzieller Sicht willkommen. 500 Zuschauer mehr oder weniger, das macht über den Daumen gerechnet alleine bei den Ticketerträgen am Saisonende mindestens 130’000 Franken aus – ein Zehntel des Budgets der 1. Mannschaft, das dank TV-Geldern neu bei 1,3 Millionen Franken liegt. Zwar steht der Verein nach dem Beinahe-Konkurs vor einigen Jahren inzwischen finanziell wieder auf soliden Füssen, doch auf Rosen gebettet ist man trotzdem nicht. Zumal das Ausweichen auf die Swissporarena die Vereinskasse doppelt schmerzt – der SCK muss zahlen und ihm entgehen Einnahmen. 

Gleichzeitig betont der Verein gerne das Bodenständige, quasi als Teil der DNA des Vereins. «Wir spüren auch bei den Zuschauern, dass wir eine Familie sind, und freuen uns bereits heute, mit den SCK-Fans zusammen die neue Infrastruktur und Gastronomie zu geniessen», sagt Bruno Galliker folgerichtig. «Ich hoffe, das schweisst uns noch mehr zusammen. Selbstverständlich wird sich das auch finanziell positiv auswirken.»

Der SC Kriens liefert Eindrücke von der Baustelle des neuen Stadions:

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