Von links: Bauleiter Daniel Grossen, SCK-«Präsi» Werner Baumgartner, Architektin Doris Wyss und Hochbauzeichner Robin Hafner. (Bild: pze)
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Von links: Bauleiter Daniel Grossen, SCK-«Präsi» Werner Baumgartner, Architektin Doris Wyss und Hochbauzeichner Robin Hafner. (Bild: pze)

Das bescheidene Stadion für ambitionierte Ziele

9min Lesezeit

Der SC Kriens ist auf dem Weg in die Challenge League. Um dort zu bestehen, soll auch das neue Sportzentrum Kleinfeld helfen. Auf der Baustelle geht es vorwärts – der Klubpräsident Werner Baumgartner sagt, man sei im Fahrplan. Ob der SCK sein Stadion in der zweithöchsten Schweizer Liga einweihen darf, ist aber aus verschiedenen Gründen noch unklar.

Pascal Zeder

Es herrscht klirrende Kälte an diesem Februarmorgen in Kriens. Der Winter hält wieder Einzug. Trotz der widrigen Umstände erwacht die riesige Baustelle an der Horwerstrasse langsam zum Leben. Hier entsteht das über 20 Millionen Franken teure Sportzentrum Kleinfeld, das künftige Fussballstadion des SC Kriens.

Präsident Werner Baumgartner kommt trotz der winterlichen Temperaturen mit dem Velo zu «seiner» Baustätte. Er begrüsst die Arbeiter per Handschlag und mit Namen. Der «Präsi» kennt seine Leute. Mit dem Bauleiter spricht er kurz über die kommenden Tage. Sie werden eine Herausforderung, nicht nur wegen den Temperaturen: Die Fasnacht steht an, der Krienser Umzug vom Dienstag startet gleich vor den Toren der Baustelle. Die Arbeiten sollen deshalb während dieser Zeit eingestellt werden– als Vorsichtsmassnahme.

«Modernes Stadion im Kleinformat»

Werner Baumgartner ist guten Mutes: «Wir liegen im Fahrplan.» Bereits im August soll hier die Sportschule Kriens einziehen. Noch ragen Rohre aus dem Boden des Rohbaus. «In gut sechs Monaten wird hier unterrichtet», sagt Baumgartner. «Das Ziel ist ambitioniert, aber umsetzbar».

«Für den Verein bedeutet jedes Spiel, das die erste Mannschaft nicht im eigenen Stadion bestreitet, Zusatzaufwand, Mehrkosten und tiefere Einnahmen.»

Werner Baumgartner, Präsident SC Kriens

«Wir bauen hier ein modernes Stadion im Kleinformat». Gerade wird der obere Stock überdacht. «Es wäre gut, wenn die Arbeiten fertig wären, bevor der Schnee kommt», meint der Klubpräsident. Denn Schnee bedeutet auf dem Bau Verzögerungen. Doch es geht auch ohne Dach weiter mit dem Stadion: «Wir können inzwischen unabhängig vom Wetter im UG an den Kabinen arbeiten.»

Notfallplan Emmenbrücke

Ob hier im Herbst tatsächlich bereits gespielt werden kann, liegt nicht alleine in Baumgartners Händen. Für die Umgebung ist die Gemeinde Kriens zuständig. Dies beinhaltet auch unverzichtbare Dinge wie Beleuchtung und das Spielfeld. Ob der Bauplan der Gemeinde eingehalten werden kann, wird sich erst in den nächsten Tagen weisen.

So sieht es auf der Kleinfeld-Baustelle aus:

Doch was, wenn die Zeit nicht reicht? «Im absoluten Worst Case könnten wir mit der Gemeinde Emmen und dem FC Emmenbrücke sicherlich über eine Übergangslösung diskutieren», sagt Baumgartner. Momentan spielt der SC Kriens seine Heimspiele im Gersag-Stadion in Emmen.

Wünschenswert wäre eine Verlängerung aber ganz und gar nicht, so Baumgartner: «Für den Verein bedeutet jedes Spiel, das die erste Mannschaft nicht im eigenen Stadion bestreitet, Zusatzaufwand, Mehrkosten und tiefere Einnahmen.» 

Breitensport und Spitzensport unter einem Dach

Man sei abhängig von der Gemeinde, da das neue Sportzentrum auch öffentliche Interessen bedient, sagt Baumgartner. Das Sportzentrum ist in erster Linie auch für die Krienser gebaut worden und das sei gut so, meint er. Das Untergeschoss bietet Platz für den Breitensport, den Schulsport und sämtliche Mannschaften des Fussballvereins. Es gibt Materialräume und zahlreiche Duschen. 

«Wir nutzen eigentlich nur 75 Prozent des gesetzlich erlaubten Volumens aus.»

Werner Baumgartner

Doch auch das Wort von König Fussball hatte bei der Bauplanung seine Wichtigkeit: Gewisse Bereiche wie der Spielfeldaufgang sind strikt nach den Vorgaben der Swiss Football League (SFL) gebaut. Das Fernsehen muss mit seinen Kameras Platz haben, entsprechend grosszügig muss auch der Spielfeldaufgang sein. «Wenn wir mittelfristig Challenge League spielen wollen, müssen wir diese Vorgaben einhalten», sagt Baumgartner.

Zentrum könnte grösser sein

Das neue Kleinfeldstadion mit Mantelnutzung hätte noch grösser gebaut werden können. Zwar kann der Bau keine grössere Fläche besetzen, der sogenannte «Fussabdruck» ist ausgeschöpft. Jedoch könnte das Sportzentrum höher gebaut werden. «Wir nutzen nur 75 Prozent des gesetzlich erlaubten Volumens aus», so Baumgartner.

Das Sportzentrum in Kriens könnte sogar noch höher sein.
Das Sportzentrum in Kriens könnte sogar noch höher sein. (Bild: pze)

So ist das Gebäude nun dreistöckig. Dabei wäre eine zusätzliche Etage sehr lukrativ. «Am teuersten ist das Fundament – ein weiterer Stock wäre mit kleinerem Aufwand möglich.» Dadurch würde die Rendite verbessert, so der Klubpräsident.  Zusammen mit den Architekten habe man sich aber dennoch für die etwas kleinere Version entschieden. «Wir haben aus städtebaulichen Gründen entschieden, nicht grösser zu bauen.» Das Gebäude hätte ansonsten «wie eine Staumauer» ausgesehen, so Baumgartner.

Vier Mal mehr Juniorenteams als der FCL 

Vom Obergeschoss aus sieht man bereits jetzt perfekt auf das Spielfeld. Das wird zum Vorteil für die Fitness-Abo-Besitzer, denn im ersten Stock werden künftig die Laufbänder und Hometrainer des «One»-Fitnesscenters stehen. «Wir können den Betreibern nicht verbieten, eine Scheibe zu haben», so der Präsident schmunzelnd. Das Fitness-Abo wird so zum Krienser Saison-Abo.

SCK-Präsident Werner Baumgartner zeigt «seine» Baustelle.
SCK-Präsident Werner Baumgartner zeigt «seine» Baustelle. (Bild: pze)

Die Fläche im neuen Kleinfeld-Zentrum ist bis auf einen kleinen Rest von knapp 200 Quadratmeter vermietet. Im Obergeschoss gibt es trotz bester Sicht keine Zuschauerräume. Man hätte im Obergeschoss zwar Logen einbauen können für die VIPs, so Baumgartner, doch man habe sich bewusst dagegen entschieden. «Wir haben die Lounge für die Sponsoren und Gönner im Erdgeschoss. Beim SC Kriens stehen alle Zuschauer auf der gleichen Ebene.»

Innendekoration dank Crowdfunding

Baumgartner bewegt sich auch in seinem beruflichen Alltag oft auf Baustellen. Er fühlt sich auf dem rohen Beton «seines» Sportzentrums sichtlich wohl. Man merkt, der 55-jährige Immobilien-Entwickler sieht mehr als nur Rohre und Stahl. Er hat eine klare Vision des fertigen Baus:  Er läuft in grossen Schritten die Baustelle ab, weiss wo das Restaurant hinkommt, wo die sanitären Anlagen, wo die Klubbüros. «Es ist eine tolle Baustelle», sagt er, «es geht immer etwas.»

«Wir haben vier Mal mehr Juniorenmannschaften als der FC Luzern.»

Werner Baumgartner, Präsident SC Kriens

Tatsächlich wird an vielen Orten gewerkelt und gearbeitet. Das Dach wird unter lautem Getöse montiert, und auch aus dem UG klingt laute Musik und diskutierende Stimmen. Überall hängen Drähte, man muss aufpassen, nicht zu stolpern.

Im Untergeschoss ist es dunkel, nur einzelne Räume werden mit Scheinwerfern hell ausgeleuchtet. Wände und Böden sind karg und grau – noch sieht die Baustelle nicht besonders heimelig aus. Damit sich dies noch ändert, hat der SC Kriens im letzten Herbst die «grösste Crowdfunding-Aktion der Schweizer Sportgeschichte» gestartet. Dabei kamen rund 280'000 Franken für den Innenausbau zusammen (zentralplus berichtete).

Lokale Verankerung für Identität

Dabei hat sich gezeigt: Der SC Kriens hat eine breite Unterstützerschar. Der Verein gehört zu den grössten Fussballklubs der Schweiz. Man positioniert sich bewusst als Ausbildungsverein. «Wir haben vier Mal mehr Juniorenmannschaften als der FC Luzern», sagt der Präsident stolz. Der SC Kriens setzt auf Breiten- und Spitzensport gleichzeitig.

Auf der Baustelle wird gerade das Dach gebaut.
Auf der Baustelle wird gerade das Dach gebaut. (Bild: pze)

Dabei schafft man Identität durch lokale Verankerung. Es spielen viele Eigengewächse und Spieler aus der Gegend beim SC Kriens. So sind auch Leistungsträger der 1. Mannschaft wie Captain Daniel Fanger oder Ex-FCL-Stürmer Nico Siegrist aus der Region. Und langsam kehrt auch der Erfolg zurück. Das von Bruno Berner trainierte Team steht an der Spitze der 1. Liga Promotion. Die Rückkehr in die Challenge League scheint nur eine Frage der Zeit.

Doch zu früh freuen will man sich beim SC Kriens nicht. Denn bereits im letzten Jahr stand man an der Spitze der Liga – und verspielte den Vorsprung auf den Zielgeraden. Beim SC Kriens bezeichnet man die zweite Spielklasse als «mittelfristiges Ziel». Dennoch: Insgeheim hofft man sicher auch beim SC Kriens, das neue Stadion gegen ein Challenge-League-Team einweihen zu dürfen.

Mehr Impressionen vom Kleinfeld in der Bilderstrecke:

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