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Machthaber Alpstaeg ist und bleibt FCL-Hoffnungsträger
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Der ehemalige FCL-Präsident Walter Stierli baute die Swissporarena, sein Kumpel Bernhard Alpstaeg (rechts) überbrückte dabei als Hausbank die finanziellen Engpässe. (Bild: Daniel Good/freshfocus)

Der FC Luzern hat Kapitalbedarf Machthaber Alpstaeg ist und bleibt FCL-Hoffnungsträger

5 min Lesezeit 2 Kommentare 25.03.2020, 05:00 Uhr

Wie hart trifft die Corona-Krise den FC Luzern und seine zerstrittenen Geldgeber im Aktionariat? Zwar federt der Bund die finanzielle Not für Profi-Betriebe mit ein paar Massnahmen ab. Aber das wird nicht reichen.

Das Corona-Virus fordert Tausende Menschenleben weltweit; es kostet Jobs und bedroht kleinere und mittlere Unternehmen in ihrer Existenz. An den Börsen ist schon eine unvorstellbar grosse Summe Geld vernichtet worden. Und Finanzexperten in der Schweiz halten für die Zeit nach der Pandemie eine Rezession für unausweichlich.

Kurzum: Das Corona-Virus trifft jede und jeden. Wenn nicht gesundheitlich, dann zumindest finanziell. Aber was heisst das für die Existenzsicherung des FC Luzern?

Was machen die besser verdienenden FCL-Spieler?

Der FCL trägt finanziell enge Hosen. Daraus hat Präsident Philipp Studhalter nie ein Geheimnis gemacht. Im April seien die Löhne für die mehr als 100 Angestellten gesichert, sagte er kürzlich (zentralplus berichtete).

Etwas Linderung in der finanziellen Not wird die Kurzarbeit schaffen, die der Bund auf zeitlich befristete Angestellte ausgedehnt hat. Der FCL wird die Kurzarbeit aller Voraussicht nach ab Anfang April in Anspruch nehmen.

Das wird für die überwiegende Mehrheit der Betreuer und des Büropersonals gelten – aber auch für einen Teil der FCL-Kaderspieler. Nämlich für all jene, die das von der Arbeitslosenversicherung veranschlagte Lohnmaximum von 12’350 Franken nicht erreichen.

Die Frage ist: Was passiert mit den besser verdienenden FCL-Spielern? Akzeptieren sie die vorübergehende Lohneinbusse grossmütig? Oder verlangen sie vom Arbeitgeber, dass er die Differenz zwischen den 12’350 Franken und dem vertraglich vereinbarten Salär übernehmen muss?

Offiziell gibt es dazu keine Auskunft vom FCL und seinen Besserverdienern. Pascal Schürpf sagte kürzlich, dass es sich um einen laufenden Prozess handle und er dazu nicht mehr sagen könne (zentralplus berichtete). Angesprochen auf einen möglichen Lohnverzicht, machte er dicht: «Das ist keine Frage, die wir öffentlich diskutieren werden.»

Zuschauer-Erlöse beatmen den FCL

Man muss dazu aber auch sagen: Mindestens so wichtig für das Überleben des FCL im finanziellen Existenzkampf ist die Frage, wann die Luzerner wieder Heimspiele in der Meisterschaft austragen können. Denn die Zuschauer-Einnahmen beatmen das Konstrukt FCL. Rund ein Drittel der Erlöse wird über den Ticketverkauf generiert.

Mit dem Bekenntnis, im Mai die aktuelle Meisterschaft mit 13 ausbleibenden Spieltagen und drei Cup-Runden austragen zu wollen, sichern sich die Klubs zumindest gegen Forderungen von TV-Partner Teleclub wegen Nichteinhaltung der Vertragsinhalte ab.

Wird die Wiederaufnahme der Meisterschaft wegen der Corona-Krise erst im nächsten Jahr möglich sein, wie das düsterste Szenario aussieht, können sich die Klubs zumindest auf höhere Gewalt berufen, um Rückzahlungen an Teleclub zu umgehen.

Wie steht es um die Solidarität für den FCL?

Eine andere entscheidende Frage ist: Wie sieht es beim FCL auf der Sponsoring-Seite aus? Halten die durch die Corona-Krise selber unter finanziellen Druck geratenen Unternehmen den Luzernern die Stange? Können und wollen sie sich das Engagement vor dem Hintergrund einer aufziehenden Rezession überhaupt noch leisten?

Auf Anfrage sieht man sich beim FC Luzern noch nicht in der Lage, die Situation im Verkauf konkret abschätzen zu können. Aus dem Umfeld der Geschäftsleitung ist aber zu vernehmen, dass eine gewisse Solidarität gegenüber dem Klub vorhanden sei.

Wer kann sich weiteren Zustupf leisten?

Ohne grosszügige Unterstützung seiner zerstrittenen Aktionäre wird der FCL den Existenzkampf kaum gewinnen können (zentralplus berichtete). Schliesslich ist auch der weltweite Spielermarkt eingebrochen und mit ihm die in der Buchhaltung festgeschriebenen Spielerwerte.

Die Aktionäre haben zugesichert, den FCL bis mindestens September 2021 finanziell über Wasser zu halten. Ob sie dafür tief in die Tasche greifen oder eine Aktienkapitalerhöhung ins Auge fassen, ist nicht der springende Punkt. Vielmehr aber: Können sich alle Aktionäre einen weiteren millionenschweren Zustupf zugunsten des FCL überhaupt leisten?

Hausbank während weltweiter Finanzkrise

Am längsten dabei ist Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg. Er stand dem FCL schon als Hausbank zur Seite, als dem Klub beim Bau des im September 2011 neu eröffneten Stadions auf der Allmend bisweilen das Geld knapp wurde.

Alpstaeg erhielt im Gegenzug ein Aktienpaket von 26 Prozent in der vom damaligen FCL-Präsidenten Walter Stierli neu geschaffenen FCL-Holding. Dabei war im Jahr 2009 gerade eine weltweite Finanzkrise ausgebrochen.

Als die Schweizer Nationalbank Mitte Januar 2015 den Euro-Mindestkurs aufhob, wurde das Vermögen der damaligen Aktionäre, die sich rund einen Monat davor an einer gemeinsamen Sitzung unversöhnlich zerstritten hatten, in Mitleidenschaft gezogen. Aber jeder ist gemäss seines Aktienanteils für die kommenden drei Verlustjahre im FCL finanziell hingestanden.

Sawiris trifft es wohl härter als Alpstaeg

Aber das aktuelle Erdbeben, das die Sport- und Geschäftswelt erschüttert, ist wahrscheinlich das heftigste, seit ein Aktionariat die Geschicke des FCL verantwortet und finanziert.

Der grösste Hoffnungsträger des FCL über all die Jahre war, ist und wird wohl weiterhin Bernhard Alpstaeg bleiben. Er hat der ihm feindlich gesinnten Gruppe um Aktionär Marco Sieber deren Unwichtigkeit vorgeführt, als die «Sieberianer» im letzten Oktober ihr Klagelied in der Öffentlichkeit anstimmten (zentralplus berichtete).

Die Entwicklung in der aktuellen Corona-Krise zwingt zur Vermutung, dass Alpstaeg finanziell weiterhin den längsten Atem hat. Er hat sein mehrere hundert Millionen grosses Vermögen mit einem Unternehmen gemacht, das im krisenresistenten Energie-Sektor unterwegs ist.

Samih Sawiris, sein mächtigster Gegenspieler im FCL-Aktionariat, hat hingegen im Tourismus investiert. Und da geht seit Wochen gar nichts mehr auf dem Erdball. Vorerst ist keine Besserung in Sicht.

Sorgt Pandemie für den FCL-Befreiungsschlag?

Die Pandemie hat das Potenzial, für einen Befreiungsschlag im Streit der FCL-Aktionäre zu sorgen. Diese sind seit November daran, eine tragfähige Lösung zum finanziellen Wohl des FC Luzern zu suchen (zentralplus berichtete).

Wer sich in nächster Zeit nicht mehr an der finanziellen Rettung des FCL beteiligen mag, von dem wird insgeheim erwartet, dass er sein Aktienkapital unentgeltlich zum Weiterverkauf zur Verfügung stellen wird. Zur Einordnung: Ein Aktienanteil von zehn Prozent entsprach seinerzeit einer Investition von drei Millionen Franken.

Im Umfeld des verschwiegenen Aktionariats gilt derzeit die Einschätzung: Alle Aktionäre haben die Mittel, um weiterhin Gutes zu tun für den FCL.

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2 Kommentare
  1. Peter Lehmann, 25.03.2020, 12:48 Uhr

    @den Gamer vor mir:
    Leben und leben lassen, so können alle ihr eigenes Leben gestalten, wie sie wollen..
    Ich für meinen Teil habe für Ihre möchtegern-eloquenten Ausführungen mindestens ebensowenig übrig, wie Sie für Fussball. Toleranz Andersdenkenden gegenüber scheint nicht vorhanden, wenn man Ihren Denunzierungsversuch betrachtet. Ein wahrlich uninteressanter Kommentar, gratuliere!

  2. allyourbasearebelongtous, 25.03.2020, 09:56 Uhr

    Fussball könnte man von mir aus auch gleich ganz abschaffen. Habe dafür etwa so viel Toleranz wie für eine Dornwarze am Fussballen. Lederball-Amateurkrieg als Lokaltribalistische Vorstufe zum Nationalismus.

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