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Die wichtigsten Streithähne lassen sich vertreten
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Muss Aktionär Marco Sieber (links) aussteigen, damit die Reise für den FCL mit Josef Bieri (rechts) und Co. weitergehen kann? (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wer sitzt am runden Tisch der FCL-Aktionäre? Die wichtigsten Streithähne lassen sich vertreten

5 min Lesezeit 3 Kommentare 30.11.2019, 12:00 Uhr

Seit dieser Woche wissen wir: Der FC Luzern wird sicher noch bis und mit nächster Saison existieren. Für Präsident Philipp Studhalter ist die Sicherstellung der Finanzierung bis Ende September 2021 ein Erfolg. Das bedeutet aber nicht, dass eine Lösung im Hahnenkampf der FCL-Aktionäre naht.

Kennen Sie die deutsche Band «Geier Sturzflug»? Sie brachte 1983 den Titel «Besuchen Sie Europa» raus. Komplett heisst die Liedzeile: «Besuchen Sie Europa, solange es noch steht».

Auf den sich im sportlichen Sturzflug befindlichen FC Luzern und die am Montag verschickte Medienmitteilung der FCL-Eigner angewandt, müsste die Songzeile dieser Tage wohl so lauten: «Besuchen Sie den FCL, solange es ihn noch gibt».

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Für Philipp Studhalter, Verwaltungsratspräsident und Geschäftsführer des FC Luzern, ist ein solcher Gedankengang «Zeugnis von schlechtem schwarzem Humor».

Was, wenn der Gipfelsturm scheitert?

Bleiben wir also bei den Fakten: Die unversöhnlich zerstrittenen FCL-Aktionäre haben die Öffentlichkeit wissen lassen, dass sie bis spätestens Ende September 2020 eine Lösung herbeiführen und die Finanzierung des Profibetriebs bis zum gleichen Stichtag im folgenden Jahr aufrecht erhalten wollen. Dafür haben sie einen runden Tisch eingerichtet, an dem Aktionäre und Adlaten von Aktionären teilnehmen.

«Ich hoffe darauf, dass die Aktionäre den September 2021 nicht im Sinne einer definitiven Deadline für die Finanzierung des FCL festgehalten haben.»

FCL-Präsident und -Geschäftsführer Philipp Studhalter

Grund genug für harmoniebedürftige Schreiberlinge, auf ihren Medienkanälen davon zu fabulieren, dass eine Lösung im Hahnenkampf zwischen den «Sieberianern», der Gruppe um FCL-Aktionär Marco Sieber, und den «Zeugen Alpstaegs» um Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg in Griffweite läge. Selbst Studhalter hält das für eine viel zu optimistische Einschätzung der aktuellen Situation im FC Luzern. Er sagt: «Die Aktionäre haben sich dazu entschlossen, zum Wohle und im Sinne einer Lösungsfindung für den FCL eine Seilschaft zu bilden. Aber jetzt müssen sie noch den Berg erklimmen.»

Was aber, wenn der Gipfelsturm scheitert? «Ich hoffe darauf, dass die Aktionäre den September 2021 nicht im Sinne einer definitiven Deadline für die Finanzierung des FCL festgehalten haben, werte diesen Schritt der mittelfristigen Finanzierung aber als sehr positives Signal», so Studhalter.

Die vier Köpfe am runden Tisch

Der am Dienstag von den Aktionären einstimmig als Verwaltungsratspräsident wiedergewählte Studhalter kann die aktuelle Entwicklung für sich als Erfolg verbuchen. Auf die Minimallösung einer weiterführenden Finanzierung des FCL hat er in den vergangenen Tagen mit Hochdruck hingearbeitet (zentralplus berichtete). «Als Arbeitgeber von über 100 Festangestellten bin ich froh und dankbar um diese mittelfristige Planungssicherheit», sagt Studhalter.

Philipp Studhalter, VR-Präsident und Geschäftsführer des FCL, hat mit der Sicherstellung der Finanzierung durch die Aktionäre bis Ende nächster Saison ein Minimalziel erreicht.

Aber dass dem FCL noch längst kein Befreiungsschlag im Hahnenkampf unter den FCL-Aktionären gelungen ist, zeigt sich exemplarisch daran, wer am runden Tisch Platz nimmt. Laut Auskunft von Bruno Affentranger sind dies «Josef Bieri, Hans Schmid, Franz Egle und ich selber». Affentranger ist der Mediensprecher und Vertreter von Bernhard Alpstaeg.

Zur Verdeutlichung: Egle ist – wie Affentranger – ein Dienstbote seines Herrn, des wohlbestallten Ägypters Samih Sawiris. Aktionär Hans Schmid gehört zu den «Sieberianern». Marco Sieber selbst wird durch das Zweiergespann Schmid und Egle vertreten. Mit Josef Bieri ist der zweite von insgesamt fünf FCL-Aktionären an diesem runden Tisch vornehmlich darauf bedacht, sich neutral zu verhalten.

Stellvertretertum funktioniert beim FCL nicht

Es gilt festzuhalten: Mit Alpstaeg, Sawiris und Sieber lassen sich die drei wichtigsten Protagonisten in dem mit harten Bandagen geführten Aktionärsstreit am Krisengipfel vertreten. Ohne Rücksprache mit ihren Dienstherren werden die Adlaten nichts in die Wege leiten können.

«Für die Fristsetzung gibt es keinen eigentlichen Grund.»

Bruno Affentranger, Vertreter von Bernhard Alpstaeg

Dabei hat gerade die jüngere Vergangenheit im FC Luzern deutlich gemacht: Das «Stellvertretertum» auf höchster Führungsebene ist nicht zielführend für den sportlich in eine Krise geratenen Superligisten (zentralplus berichtete). Die Kapitäne werden sich persönlich auf die Kommandobrücke begeben müssen, um das Schiff auf Kurs zu bringen.

Das Fehlen von Alpstaeg und Sieber am runden Tisch mag als Indiz dafür gewertet werden, dass der Konflikt auf höchster FCL-Führungsebene nur mit dem gleichzeitigen Rücktritt der beiden unversöhnlich gestimmten Aktionäre gelöst werden kann.

Darum ist der September FCL-Deadline

Ein Mysterium ist die Fristsetzung in der Medienmitteilung des FCL-Aktionariats: Warum soll eine Lösung im Hahnenkampf bis im nächsten September her? Warum hört genau ein Jahr später die Finanzierung des Klubs durch die Aktionäre auf? Warum nicht im Dezember oder sonst einem Monat im Kalender?

Das seien Fragen, die er sich auch gestellt habe, gibt FCL-Präsident Philipp Studhalter unumwunden zu. «Für die Fristsetzung gibt es keinen eigentlichen Grund», erläutert Bruno Affentranger. «Aber es ist eine Bedingung im Lizenzierungsverfahren der Super League, dass die Finanzierung bis drei Monate nach Abschluss eines Geschäftsjahres sichergestellt sein muss. Ein Geschäftsjahr endet per 30. Juni. Deshalb haben wir unsere Fristen auf Ende September ausgerichtet.»

Runder Tisch ohne Mediator

Bleiben die Fragen nach einem Moderator des runden Tischs. Und dem Rhythmus der gemeinsamen Treffen, um eine nachhaltige und für die Zukunft tragfähige Lösung zwischen den Konfliktparteien zum Wohle des FC Luzern zu finden.

Affentranger lässt durchblicken, dass die Gesprächsthemen gemeinsam angepackt werden. Also ohne Unterstützung eines Mediators.

Zum Rhythmus der gemeinsamen Treffen mag er sich nicht äussern. Nur so viel: «Es haben schon mehrere stattgefunden. Das wichtigste Meeting fand am letzten Montag statt, als wir eine gemeinsame Vereinbarung erzielten.» Danach erging die «Sturzflug-Medienmitteilung».

Vielsagend bat Affentranger um Nachsicht dafür, dass die Konfliktparteien künftig nur noch gemeinsam Auskunft geben würden. Dies vor dem Hintergrund, dass die «Sieberianer» die «Luzerner Zeitung» zum Sprachrohr ihres Standpunktes gemacht hatten und dergestalt ihren Gegenspieler Alpstaeg in der Öffentlichkeit schlecht aussehen lassen wollten (zentralplus berichtete).

Aber was, wenn im nächsten September keine fristgerechte Lösung auf dem runden Tisch liegen wird? Alpstaegs Adlat Affentranger: «Ich kann nicht beurteilen, was dann sein wird. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir bis dahin eine Lösung realisiert haben.»

Wer dazu rät, den FC Luzern in der Swissporarena zu besuchen, solange es ihn noch gibt, muss also nicht zwingend schwarzem Humor verfallen sein.

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3 Kommentare
  1. Dolfino, 01.12.2019, 17:26 Uhr

    Es ist doch schlechthin unehrlich, wenn die Herren Sieber und Schmid nicht soviel Charakter haben und persönlich am runden Tisch erscheinen. Trauen sich die Herren nicht einander direkt in die Augen zu schauen. Das zeigt, dass Leute im VR nicht immer ehrlich waren. Aber bei dem Chaos braucht es halt Courage im Hintern um zusammen zu sitzen und ehrlich eine Aussprache führen.

  2. Beat Keiser, 01.12.2019, 00:54 Uhr

    Zentral+ trägt wesentlich zu den momentan schlechten sportlichen Leistungen des FC Luzern bei. Seit mehreren Jahren wird alles was der FC Luzern entscheidet und leistet in den Dreck gezogen. Solcher Journalismus hat der FCL nicht verdient. Man versucht bei Zentral+ mit dauernd negativen Meldungen und Berichten dem FCL die Zuschauer aus dem Stadion zu vertreiben. Alles was beim FCL passiert wird, zum Teil massiv, ins lächerliche gezogen. Ineichen und Co. sollten sich schämen den FCL so in den Dreck zu ziehen.
    Ein langjähriger FCL-Fan

    1. Martin Huber, 02.12.2019, 22:58 Uhr

      Dass die Medien an den teilweise miesen sportlichen Leistungen der Mannschaft schuld sein sollen, finde ich doch etwas gar weit her geholt… man sollte den Fehler auch mal bei sich selbst suchen.