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Jetzt müssen die zerstrittenen Aktionäre für den FCL einspringen
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Wohin führt die Reise des FCL in finanzieller Hinsicht? Auf dem Bild verlässt FCL-Aktionär Marco Sieber den Flieger in Osijek im Juli 2017. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Super League vor dem Abbruch der Saison Jetzt müssen die zerstrittenen Aktionäre für den FCL einspringen

5 min Lesezeit 2 Kommentare 13.03.2020, 05:00 Uhr

Nach dem Eishockey steht auch der nationale Fussball vor dem Meisterschaftsabbruch. Im besten Fall könnte der Spielbetrieb am ersten April-Wochenende wieder aufgenommen werden. Die FCL-Geldgeber stehen vor einer delikaten Kraftübung.

An diesem Freitagmorgen wird der Bundesrat darüber entscheiden, wie es mit den Massnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus weitergeht. Der Kanton Tessin ist mit seiner Anordnung des Notstandes bis zum 29. März vorgeprescht, und selbst im Bundesamt für Gesundheit scheint klar, dass weitere Kantone diesem Beispiel folgen werden.

Die entscheidende Frage ist: Wird die Welle der Corona-Pandemie bis zum Monatsende über die Schweiz hinweggelaufen sein? Oder werden die Restriktionen im öffentlichen Leben den Beginn des nächsten Monats überdauern?

Nach dem Meisterschaftsabbruch im Eishockey am Donnerstag steht auch der nationale Fussball vor dem Stillstand (zentralplus berichtete). Die Fussballverantwortlichen werden sich am Montagmittag zur Beratung treffen. Und dies vor dem Hintergrund, dass nationale und internationale Bewerber wegen der Ausbreitung des Corona-Virus bis dahin kaum um einen Abbruch herumkommen werden.

Es mag geradezu absurd anmuten, dass der Aufgalopp zur Liga-Sitzung den Entscheid über den Liga-Modus ab 2021 bilden wird. Denn die Aufstockung der Super League mit der gleichzeitigen Einführung des «schottischen Modus» ist in diesen Tagen erst recht irrelevant und zum Scheitern verurteilt (zentralplus berichtete).

Die übergeordnete Bedeutung

Die ungleich grössere Bedeutung für die meisten Fussballvereine der ersten und zweiten Spielklasse hat das Aufrechterhalten des Spielbetriebs in Zeiten des Corona-Virus und die bestmögliche Lösung, den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten.

Beim FC Luzern haben sie es in weiser Voraussicht für illusorisch gehalten, dass das schweizweit veranschlagte Veranstaltungsverbot mit 1’000 Teilnehmern nicht über den 15. März aufrecht erhalten werden kann. Sonst hätten die Luzerner das Auswärtsspiel am 21. März im Wallis auf der klubeigenen Homepage nicht schon seit Tagen als verschoben deklariert.

Spätestens am ersten April-Wochenende muss es eine Fortsetzung der vor einem Monat ausgesetzten Meisterschaft in der Super und Challenge League geben. Diesem Zeitfenster sind wegen der am 12. Juni beginnenden Fussball-EM enge Grenzen gesetzt.

Ein weiterer Aufschub erscheint illusorisch. Darum steht der nationale TV-Partner Teleclub, der bis 2021 für die jährlichen Übertragungsrechte 35 Millionen Franken hinblättert, vor einem unternehmerisch ähnlichen Scherbenhaufen wie mysports im Eishockey.

FCL hat finanziell keinen langen Schnauf

Im Terminplan der Super League geht es folglich um die neun ursprünglich terminierten Spieltage, die vier verschobenen Meisterschaftsrunden im März und die Cup-Viertelfinals (mit Luzern gegen YB), die hineingepackt werden müssen.

Was bedeutet diese Ausgangslage für den FC Luzern und all die weiteren Vereine in den beiden höchsten Spielklassen der Schweiz, die nicht erst seit dieser Pandemie um ihre Existenz kämpfen?

FCL-Präsident Philipp Studhalter liess sich jüngst im «Tages-Anzeiger» so zitieren: «Ohne zusätzliche Unterstützung von Dritten (z.B. Aktionären des Clubs oder der Liga) wäre dies für den FC Luzern aufgrund seines Eigenkapitals sehr schwierig.»

Für ein nach wie vor mögliches Geisterspiel kalkuliert der FCL mit 100’000 Franken für Organisation, Sicherheit, Licht und weiteres. Dazu 150’000 Franken für fehlende Zuschauereinnahmen. Total also mindestens eine Viertelmillion pro Auftritt.

Zur Einordnung: Per 30. Juni 2019 wies der FCL zum Abschluss des letzten Geschäftsjahrs ein Eigenkapital von gut 1,2 Millionen Franken aus.

Und bis Ende Saison sind für den FCL getreu der aktuellen Saison sieben Heimspiele in der Meisterschaft ausstehend und zumindest eines im Cup-Viertelfinal gegen YB.

Wie hoch wird der finanzielle Schaden für den FCL?

Bleibt die ungewisse Frage: Kehren die Zuschauer gleich wieder in die Swissporarena zurück, sobald das von den Behörden verhängte Veranstaltungsverbot aufgehoben werden sollte?

Die Vorsicht wird aus vielen Köpfen vieler FCL-Kunden nicht so schnell zu vertreiben sein. Darüber hinaus hat der eine oder andere vielleicht schon festgestellt, dass es ein Leben ohne den FCL gibt – selbst wenn die Mannschaft unter Fabio Celestinis Leitung in diesem Jahr gut in Schuss und noch ungeschlagen ist.

Geradezu beunruhigend: Wie schädlich ist die im In- und Ausland auf unbestimmte Zeit fortzusetzende Bekämpfung des Corona-Virus auf die Marktwerte der Spieler? Diese sind auch im FCL budgetrelevant. Und darüber hinaus: Können im nächsten Sommer Spielertransfers uneingeschränkt vollzogen werden?

Das Szenario, dass auch der nationale Fussball stillgelegt werden muss, wird immer wahrscheinlicher. Es wäre für die Geldgeber des FC Luzern so oder so das Schlimmste. Selbst vor dem Hintergrund, dass sich die FCL-Verantwortlichen gegenüber allen Forderungen von aussen auf höhere Gewalt beziehen könnten.

Blechen – aber für was alles?

Und jetzt? Die nach wie vor zerstrittenen FCL-Aktionäre, die sich bislang auf keinen gemeinsamen Nenner zusammenbringen liessen, werden so oder so blechen müssen. Durch die Zusicherung, bis zum September 2021 die Finanzierung des FC Luzern sicherzustellen, wird die Erteilung der Lizenz für nächste Saison zur Formsache werden.

Aber müssen die Aktionäre mit diesem Bekenntnis nicht auch für ungeahnte finanzielle Engpässe aufkommen, die einem mittleren KMU wie dem FCL mit seinen über 100 Festangestellten nun blühen könnten?

Schliesslich haben sich die seit Monaten unheilvoll zerstrittenen Aktionäre zu dieser Lösung durchgerungen, ohne dass einer von ihnen das Heraufziehen einer nahenden Epidemie hätte erahnen können.

Die aktuellen FCL-Eigner könnten sich im Notfall dazu entschliessen, eine Erhöhung des Aktienkapitals durchzuziehen. Zwar wäre keiner der Bisherigen dazu verpflichtet, sich daran zu beteiligen. Allerdings würde genau das die Öffentlichkeit in Luzern und über die angrenzenden Kantone hinaus erwarten – zumal die Herren Alpstaeg, Bieri, Sawiris, Schmid und Sieber im Ruf stehen, über ein dickes Portemonnaie zu verfügen.

Eine mögliche Ironie der FCL-Geschichte

Will aber einer der bisherigen Aktionäre nicht mitziehen, steht es ihm frei, sein bisheriges Aktienkapital zur freien Verfügung zu stellen, damit es an einen aussenstehenden Interessenten zu Gunsten des FC Luzern verkauft werden kann. Es ist die andere Option eines freigiebigen und zuletzt in der Öffentlichkeit unvorteilhaft aussehenden Aktionärs.

Die Ironie der Corona-Pandemie für den FCL: Vielleicht bietet das Virus die ungeahnte Chance, das zerstrittene Aktionariat neu aufzustellen und zu befrieden. Es wäre ein Befreiungsschlag sondergleichen.

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2 Kommentare
  1. Kaufmann, 13.03.2020, 12:29 Uhr

    Ideenlos
    Kommt niemand auf die Idee die Spiele auszutragen und diese live zu übertragen. Das Angebot besteht ja heute schon im teleclub. Statt CHF 5 könnte etwas mehr verlangt werden. So hätten die Fussballer Arbeit, die Mäzene keine zusätzlichen Ausgaben und wir den Spass, echt schade!

  2. allyourbasearebelongtous, 13.03.2020, 11:23 Uhr

    Ich kann den Tag kaum erwarten an dem der Fussball den Gladiatorenkämpfen auf dem Weg in die ewigen Jagdgründe folgen wird. In historischen Museen in dargestellt als Relikt aus einer primitiveren Phase der Menschheitsgeschichte.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.