Kultur
Ersatzloser Rücktritt des Vorstands

B-Sides Festival: «Zurück zur Anfangszeit»

Das neue Team des B-Sides Festival, gemeinsam mit dem abtretenden Vorstand. Stehend rechts, mit schwarzem Hemd und Brille: Edina Kurjakovic, eine der Gründerinnen. (Bild: zvg)

Der vierköpfige Vorstand des langjährigen Musik-Festivals in Luzern tritt zurück. Edina Kurjakovic, Ex-Vorstandsmitglied und Gründerin, erklärt, was es damit auf sich hat.

Eines Tages im Jahr 2005 kam Marcel Bieri vom Joggen auf dem Sonnenberg zurück. Die weite Fläche mit Wäldern und Weinreben oberhalb der Stadt Luzern hatte es dem Kulturschaffenden aus dem Seetal angetan. Zu Hause drehte er sich zu seiner Freundin Edina und sagte: Ich habe den Ort gefunden, wo das Festival stattfindet.

Wenig später sassen vier Freunde zusammen und gründeten einen Verein. Das B-Sides Festival war geboren.

Seitdem lockt das mehrtägige Musikfestival jeden Sommer mehrere tausend Musikliebhaber auf den Hügel am Rande von Luzern. Jetzt, nach 18 Jahren, tritt der Vorstand und damit zwei der übriggebliebenen Gründerinnen zurück.

Verantwortung auf viele Schultern verteilen

«Uns ist immer wichtig gewesen, dass viele Leute am Festival beteiligt sind», erzählt Edina Kurjakovic, Gründerin und langjähriges Vorstandsmitglied des B-Sides. Doch als das Festival im Laufe der Jahre grösser wurde, mussten Strukturen aufgebaut werden. Eine Geschäftsstelle, ein Vorstand, ein Ressortleiter.

Edina Kurjakovic ist eine der vier Gründerinnen des Vereins, der das B-Sides Festival seit 2005 organisiert.
Edina Kurjakovic ist eine der vier Gründerinnen des Vereins, der das B-Sides Festival seit 2005 organisiert. (Bild: zvg)

«Das war super, um das Festival professionell zu machen. Doch irgendwann haben wir gemerkt, dass dieses Hierarchische nicht zum B-Sides passt», erinnert sich Kurjakovic. Gemeinsam mit dem Gesamtkoordinator Dominik Unternährer und einem externen Berater habe der Vorstand vor gut einem Jahr begonnen, nach zukunftsfähigen Lösungen zu suchen.

«Wir haben heute alle Kinder und Jobs.»

Edina Kurjakovic, Gründerin und langjähriges Vorstandsmitglied des B-Sides Festival

Das Ergebnis: Der Vorstand tritt zurück und die Verantwortung für Verein und Festival wird auf 14 Schultern verteilt. Alle Beteiligten der Festivalleitung haben jetzt mehr Entscheidungsmacht und Umsetzungsmöglichkeiten, schreibt das B-Sides auf seiner Website. Edina Kurjakovic freut sich auf das Kommende: «Wir kehren so ein wenig zurück zur Anfangszeit. Damals gab es auch keine Hierarchien.»

Es geht um die B-Seite einer Platte

Die ersten Sitzungen der vier Freunde seien von viel Bier, Rauchen und rauschenden Diskussionen geprägt gewesen, erinnert sie sich. Als erster Name sei «Schön Air» im Raum gestanden. Heute freut sich die Geschäftsleiterin eines Genossenschaftsverbands, dass es anders kam:

«Der Name B-Sides bezieht sich auf die B-Seite einer Platte. Auf das Unerwartete. Sie zeigt, was alles noch möglich ist. Was sonst als kommerziell untauglich abgetan wird. Die B-Seite einer Platte bietet mehr Interessantes und Spannendes als die A-Seite, davon waren wir immer überzeugt.»

Der alte Vorstand. Von links nach rechts: Jennifer Jans, Angela Meier, Reto Achermann und Edina Kurjakovic. (Bild: zvg)

Der Rücktritt ist für die Gründerin nicht leicht. «Das B-Sides war prägender Bestandteil meines Lebens.» Dasselbe gilt für die übrigen Mitglieder des abtretenden Vorstands Angela Meier, Jennifer Jans und Reto Achermann. Achermann hat das Festival gemeinsam mit ihr, Marcel Bieri und Patrick Müller aus der Wiege gehoben. Bieri ging letztes Jahr, Müller bereits 2012.

«Patrick, Marcel und Reto kannten sich aus der Musikszene in Seetal», erzählt Edina Kurjakovic. «Sie waren Musiker, Kreative und Veranstalter. Irgendwann brauchten die Jungs jemanden zum Organisieren, da bin ich als Marcels damalige Freundin reingerutscht.» Das Klischee, Männer seien der Organisation nicht mächtig, bringt die heute 42-Jährige zum Lachen.

Von einem Helfer-Event zur Institution

Besonders stolz ist die Gründerin auf die Unabhängigkeit des Festivals. Bis heute finanziert sich B-Sides zu 70 Prozent aus dem Verkauf von Tickets, Essen und Getränken. Das Verhältnis mit der Stadt sei stets gut gewesen, aber die Möglichkeiten der Kulturförderung begrenzt.

Nicht alles ist dem Team geglückt. Wie etwa 2014, als der Verein ein sechstägiges Indoor-Festival im Südpol veranstaltete. Alles war vorbereitet, doch die Besucherinnen kamen nicht. «Wir hatten unterschätzt, dass ein Sommerpublikum nicht dasselbe ist wie eines im Herbst oder Winter», sagt Edina Kurjakovic heute.

Abgesehen vom Schönheitsfleck ging die Entwicklung steil aufwärts. Beim ersten Festival im Sommer 2006 nahmen 300 Menschen teil. Die meisten waren Helferinnen, scherzt sie. Bei der letzten Ausgabe im Juni 2022 kamen fast viereinhalbtausend Besucher innerhalb der drei Tage (zentralplus berichtete).

Frischer Wind

Nun sei es Zeit, dass frische Energie reinkommt. «Wir haben heute alle Kinder und Jobs. Natürlich haben wir noch Ideen, aber es wäre nicht B-Sides, wenn wir anderen sagen, was sie zu tun haben.» Sie freut sich darauf, künftig als Helferin und Ideengeberin mitzuwirken. Auch ein Buchprojekt mit Ex-Vorstand Angela Meier ist in Planung.

Die neue Organisation speist sich ausschliesslich aus Menschen, die bereits seit Längerem beim Festival involviert waren. Ein Vorstandsmitglied, Jennifer Jans, bleibt zudem als Programm-Verantwortliche erhalten (zentralplus berichtete). Wie schon im letzten Sommer dürfen wir auch dieses Jahr ein diverses, neuartiges, internationales und schweizerisches Line-up erwarten (zentralplus berichtete).

Die 18. Ausgabe des B-Sides findet vom 15. bis am 17. Juni 2023 auf dem Sonnenberg statt. Das Programm wird im März bekannt gegeben.

Verwendete Quellen
  • B-Sides Medienmitteilung
  • Website des B-Sides
  • Telefonat mit Edina Kurjakovic, Gründerin und Ex-Vorstandsmitglied des B-Sides
  • LinkedIn von Edina Kurjakovic
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