Gesellschaft

Wasserratten haben ihren Spass
Kloster Menzingen: So sieht die Flüchtlings-Unterkunft aus

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Riesig sind die Zimmer für vier Personen nicht. Doch für eine beschränkte Zeit durchaus zumutbar. Ausserdem gibt es im Kloster einige Gemeinschaftsräume und Terrassen. (Bild: wia)

In einem Teil des Klosters , in dem vor zwei Jahren noch Klosterfrauen lebten, werden bald 200 ukrainische einquartiert. Ein Augenschein zeigt: Die Räumlichkeiten sind ideal. Vor allem, wenn man gerne badet.

Das Piepsen, das aus dem alten Speisesaal des Kloster dringt, ist ohrenbetäubend. Das muss so sein, stellen wir bald fest. Zwei Monteure stehen vor einem Berg von Rauchmeldern. Sie alle werden getestet, bevor sie in den Zimmern und Gängen der baldigen Flüchtlingsunterkunft angebracht werden.

In diesem – gemessen an der Grösse des Dorfes – gewaltigen Kloster, werden ab dem 11. April rund 200 aus der Ukraine auf vier Etagen unterkommen (zentralplus berichtete). Denn Platz ist genug, wie wir bald erfahren werden. Mittlerweile seien es nur noch 14 Schwestern, die hier leben würden, erklärt eine Nonne, der wir auf dem Rundgang durch die Gemäuer begegnen.

«Damals, als ich hier eingetreten bin, waren wir noch über 100 Schwestern. Heute sind wir 14.»

Eine Ordensfrau des

Im Speisesaal esse man schon länger nicht mehr. «Er wurde mehr und mehr zum Abstellraum», so die ältere Frau. «Damals, als ich hier eingetreten bin, waren wir noch über 100 Schwestern.»

Wo einst über 100 Nonnen ihre Mahlzeiten einnahmen, stapeln sich heute die Tische. Jedoch nicht mehr lange.

Nicht modisch, aber durchaus funktionstüchtig

Wir blicken uns um. Eine hohe Massivholzdecke hängt über dem Esssaal, grüner Spannteppich bedeckt den Boden. Aus einer der Wände ragt eine Kanzel, von der früher während der Mahlzeiten aus der Bibel gelesen wurde. Es mag zwar alles aus der Mode geraten sein, die Qualität der Schränke, Tische und verwendeten Baumaterialien ist aber hervorragend.

Nur die grosse Küche ist veraltet und nicht geeignet, um in ihr zu kochen. Ivan Piccinonno, der beim kantonalen Sozialamt für die Liegenschaften zuständig ist, sagt: «Darum wird das Essen hierher geliefert. Die vorhandene Küche wird einzig zum Abwaschen gebraucht.»

Kisten mit Material, aber auch Stühle und Tische stapeln sich im grossen Esssaal. «Gerade sind wir daran, alles nötige Material zu beschaffen. Vieles, gerade etwa das Mobiliar, stammt vom Kloster selbst oder aber aus dem Inventar des Kantons. Anderes wurde gespendet oder vom Kanton gekauft», so Piccinonno. Um seine Aussage zu untermalen, zeigt er auf eine Wand, an der sich kartonweise IKEA-Geschirr türmt.

Das Ikea-Geschirr wartet bereits auf seine Nutzung.

Kloster wird auf Vordermann gebracht

Noch sei viel zu tun, erklärt Piccinonno. Nicht nur müssen die Schlaf- und Wohnräume fertig eingerichtet werden, auch die sanitären Anlagen werden aktuell wieder zum Laufen gebracht. «Da die Anlagen in diesem Trakt seit mehreren Jahren nicht gebraucht wurden, hat man das Wasser abgestellt und die Hahnen abgeschraubt.»

Während Piccinonno erzählt, wandeln wir durch lange Gänge, von denen dorf- und talseitig kleinere Zimmer wegführen. Auf deren Türen kleben Post-its. «3 Pers.», «2 Pers.» oder «Mitarbeiter, kein Bett» steht auf diesen. In jedem der Zimmer gibt es ein Lavabo, das durch eine Wand abgetrennt ist vom Schlafraum.

Eines der Viererzimmer ist bereits fertig eingerichtet. Will heissen: Es gibt zwei Kajütenbetten, ein kleines Pult mit zwei Stühlen sowie einen Einbauschrank. Der helle Raum misst rund 15 Quadratmeter. Vom Fenster aus sieht man in Richtung Gubel und Gottschalkenberg. Die Aussicht könnte schlechter sein.

Duschbrausen werden erst jetzt montiert

Auf jeder Etage stehen WCs und Duschen zur Verfügung, teilweise auch Badewannen. Tatsächlich reihen sich im UG, jeweils durch Wände abgetrennt, mehrere Wannen. Weil das nicht mehr ganz zeitgemäss ist, montieren die Arbeitskräfte gerade Duschbrausen.

Zu Baden statt zu duschen war früher üblich. Im Spiegel zu sehen: eine voyeuristische Journalistin.

Neben den Schlafzimmern liegen grössere, teils sehr schöne Gemeinschaftsräume. Im Untergeschoss stehen ausserdem kleinere, etwas finstere Zimmer zur Verfügung. «Diese sind zu dunkel, als dass wir sie als Schlafräume nutzen würden. Doch kann man aus diesen beispielsweise Bastel- oder Spielzimmer machen», erklärt Piccinonno. Was die genauen Bedürfnisse der Bewohner seien, würde die Unterkunftsleitung im Verlauf der Zeit eruieren. Was jedoch bereits klar ist: Im ganzen Wohnbereich wird WLAN zur Verfügung gestellt.

«Aus Sicherheitsgründen müssen wir hier einen Zaun von 2 Metern Höhe errichten.»

Ivan Piccinonno, Leiter Abteilung Liegenschaften beim kantonalen Sozialamt

«Auch steht beispielsweise ein grosser Raum zur Verfügung, der den Schwestern einst als Kapelle diente. Als solche könnte er auch weiterhin verwendet werden, sollte ein Bedürfnis danach bestehen», führt Piccinonno aus. Er ergänzt: «Nachdem man den Saal ‹zwäggmacht› hat, versteht sich.»

Was er damit meint, wird beim Anblick des Raums schnell klar. Im Teppich eingestanzt sind die Abdrücke der Bänke, die jahrzehntelang hier gestanden sein dürften. Die Wände sind teils geschwärzt von den Kerzen, die hier während der Messen brannten. Wo das grosse Kreuz einst hing, ist noch immer sichtbar. Es riecht etwas staubig.

Etwas gammelig ist sie noch, die alte Kapelle des Klosters. Das lässt sich jedoch beheben.

Kloster braucht noch einen Zaun

Freudig führt Piccinonno uns hinaus auf eine grosse, südlich gelegene Terrasse, welche gleichzeitig den Eingangsbereich der Flüchtlingsunterkunft markiert. Bereits stehen einige Balkontische an der Hauswand. «Was wir noch anpassen müssen, ist das Geländer. Aus Sicherheitsgründen müssen wir hier einen Zaun von 2 Metern Höhe errichten. Die Gefahr, dass sonst ein Kind über die Abschankung klettert und herunterfällt, ist zu gross», erklärt der Verantwortliche.

Die Terrasse bildet gleichzeitig den Eingangsbereich der Flüchtlingsunterkunft.

Dasselbe gilt für die Dachterrasse, welche wir ebenfalls begutachten und die eine prima Aussicht auf Klosterhof und Gubel-Landschaft offenbart.

Auf der Westseite des Gebäudes steht ein kleinerer, dafür hübsch verschnörkelter Balkon für Raucherinnen zur Verfügung. Die Spaghettistühle – sie sehen aus, als handle es sich um Originalmodelle aus den 80ern – stehen schon bereit.

Der lauschige Raucherbalkon geizt nicht mit Retro-Charme.

Fertig mit der Totenstille nach 19 Uhr

Auch feuerschutztechnisch muss noch einiges gemacht werden. So werden derzeit die Löschschläuche in den Gängen wieder angebracht. Neben den Brandschutzmeldern sorgt eine Brandwache künftig dafür, dass nichts passiert. Diese stehe dauernd im Einsatz und patrouilliere durch die Gänge.

Wir fragen die ältere Ordensschwester, wie es ihr damit gehe, dass im Kloster bald 200 Menschen mehr leben. Sie sagt: «Wir haben so viel Platz. Es ist gut, wenn wir diesen zur Verfügung stellen können.»

«Wir sind uns gewohnt, dass ab 19 Uhr Totenstille herrscht, abgesehen von der Tagesschau.»

Eine Ordensschwester

Zwar würde man sich im Alltag vermutlich kaum in die Quere kommen, da die Bewohner des Klosters und jene der Flüchtlingsunterkunft zwei verschiedene Eingänge nützen. «Doch wird der Lärmpegel bestimmt steigen, gerade wenn hier Kinder wohnen. Wir sind uns gewohnt, dass ab 19 Uhr Totenstille herrscht, abgesehen von der Tagesschau, die läuft.» Kummer macht das der Dame nicht. Sie zuckt mit den Schultern, und sagt: «Das ist alles eine Frage der Einstellung.»

Das Kloster Menzingen: Hinter diesen Mauern leben noch 14 Nonnen. Bald kommt Leben in die Bude.

Am Mittwochabend, um 19.30 Uhr, findet im Zentrum Schützenmatt in Menzingen eine Informationsveranstaltung zum Thema statt. zentralplus wird zeitnah darüber berichten.

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