Caritas gibt Rabatt für Brocki-Einkauf

In Luzern kommen Flüchtlinge günstiger an Möbel

Armutsbetroffene Personen warten, bis der Laden öffnet und sie im Caritas-Markt in der Stadt Luzern Lebensmittel einkaufen können. (Bild: (Archiv, cha))

Seit der Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg sind deutlich mehr Menschen in der Zentralschweiz auf günstiges Essen, Möbel und Haushaltsartikel angewiesen. Die Caritas Luzern reagiert – und gewährt Armutsbetroffenen künftig einen festen Rabatt in den Secondhandläden.

Eine Frau reiht sich im Caritas-Brocki in die Schlange. Sie will sich ein paar Sachen für den Haushalt kaufen. Als sie an der Kasse sieht, wie teuer ein Bügeleisen ist, lässt sie dieses zurückgeben. Das könne sie sich nicht leisten, sagt sie noch. So schilderte uns eine Lesereporterin ein Gespräch an der Kasse des Secondhandladens Caritas Wohnen an der Bleicherstrasse in Luzern.

Die zentralplus-Leserin fragt sich: «Wie kann es sein, dass Gegenstände, die der Caritas gespendet werden, hier so teuer verkauft werden? Sodass diejenigen, für die sie eigentlich bestimmt sind, sie sich nicht leisten können?»

Caritas-Markt: Zu den Kunden gehören Hunderte ukrainische Flüchtlinge

Die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg sorgen dafür, dass mehr Menschen auf ihr Geld achten und jeden Franken umdrehen müssen. Deswegen sind auch mehr Menschen auf Angebote angewiesen wie den Caritas-Markt in Luzern: Hier können armutsbetroffene Menschen Essen, Hygieneprodukte und Ähnliches zu günstigen Preisen einkaufen. Dafür benötigen sie aber eine Karte, die sie dazu berechtigt.

Die Caritas Luzern hat 3000 solche Karten an ukrainische Flüchtlinge und deren Gastfamilien abgegeben. Seit dem Krieg in der Ukraine ist die Kundschaft im Caritas-Markt um 30 Prozent gewachsen. Um die zusätzlichen Kundinnen zu bedienen, hat die Caritas eine weitere Kasse aufgestellt und den Laden umgebaut. Und auch Orte, an denen Gratisessen abgegeben wird, erzählen von einer zunehmenden Nachfrage (zentralplus berichtete).

Armutsbetroffene kriegen zwar im Caritas-Markt vergünstigte Angebote – im Caritas-Brocki, wo alle einkaufen dürfen, gelten für sie prinzipiell dieselben Preise wie für andere. Der Erlös aus den Verkäufen fliesst in soziale Projekte der Caritas Luzern.

Seit dem Krieg in der Ukraine gibt's bei Caritas Wohnen 50 Prozent Rabatt

Doch wäre es nicht auch sinnvoll, wenn Armutsbetroffene eben auch Bügeleisen & Co. bereits günstiger einkaufen könnten? Ja, findet auch die Caritas.

«Seit der Pandemie sind deutlich mehr Menschen in der Zentralschweiz auf günstige Möbel, Haushaltsartikel und Kleider angewiesen.»

Reto Stalder, Marketingleiter Caritas Luzern

Reto Stalder, Marketingleiter der Caritas Luzern, schreibt auf Anfrage, dass die Caritas Luzern auf die momentane Situation bereits reagiert habe: Seit Kriegsbeginn in der Ukraine gebe man Flüchtlingen aus der Ukraine 50 Prozent Rabatt in den Secondhandläden. Auch Institutionen und Privatpersonen, die Wohnraum für Flüchtlinge zur Verfügung stellen, kriegen die Ware zum halben Preis.

Ab Herbst wird der Rabatt im Caritas-Brocki für Armutsbetroffene fix

«Dieser Rabatt war als Überbrückungshilfe gedacht», schreibt Reto Stalder. «Um Geflüchteten aus der Ukraine möglichst schnell und unbürokratisch Zugang zu Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Haushaltsartikeln zu ermöglichen und um vorübergehende Lücken im System zu schliessen.»

Armutsbetroffenen will man nun auf Dauer Rabatt gewähren. «Dies, weil seit der Pandemie deutlich mehr Menschen in der Zentralschweiz auf günstige Möbel, Haushaltsartikel und Kleider angewiesen sind», so Stalder. Deswegen werden die drei Secondhandläden Caritas Wohnen in Luzern, Sursee und Hochdorf ab Herbst Angebotspartner der KulturLegi Zentralschweiz.

KulturLegi Zentralschweiz stellt Karten aus

Damit kriegen alle Kunden mit einer KulturLegi ab September einen Rabatt von 30 Prozent auf das gesamte Angebot in den Secondhandläden der Caritas Luzern. «Jetzt, wo die Geflüchteten in die regulären Strukturen aufgenommen werden, können sie nämlich wie alle Armutsbetroffenen in der Schweiz eine KulturLegi beantragen», führt Stalder aus.

Die KulturLegi Zentralschweiz stellt die Berechtigungskarte aus, mit der Armutsbetroffene im Caritas-Markt oder künftig eben auch in den Caritas-Brockis einkaufen können. Sie will Menschen mit schmalem Budget Rabatte auf Angebote aus Kultur, Sport und Bildung bieten. So sollen möglichst alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Verwendete Quellen
  • Austausch mit Lesereporterin
  • Schriftlicher E-Mail-Kontakt mit Claudia Blaser und Reto Stalder von der Caritas Luzern
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