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Geht es ab dem nächsten Heimspiel um Häberlis Job?
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Er hat den FC Luzern nicht weiterentwickelt und seine Zwischenbilanz ist nicht besser als die seines Vorgängers: Trainer Thomas Häberli. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FCL findet nicht aus dem Gröbsten raus Geht es ab dem nächsten Heimspiel um Häberlis Job?

4 min Lesezeit 03.11.2019, 21:32 Uhr

Der FCL war nicht die schlechtere Mannschaft, aber Ungenauigkeiten in der Abwehrarbeit und im Abschluss kosteten ihn einen dringend benötigten Punktezuwachs. Die ketzerische Frage nach dem 1:2 gegen Lugano lautet: Wie lange ist Thomas Häberli noch FCL-Trainer?

Eine Heimniederlage gegen die Tessiner hatte in diesem Jahr schon ein sportliches Erdbeben auf der Allmend ausgelöst: Am 17. Februar, einen Tag nach dem 0:3 gegen Lugano, wurde der mit einem Dreijahresvertrag ausgestattete René Weiler aus Amt und Würden entlassen.

Passiert jetzt unmittelbar das Gleiche mit seinem Nachfolger Thomas Häberli? Nein, davon ist (noch) nicht auszugehen. Der Leidensdruck im FCL ist in den peinlichen Tagen des Investoren-Krachs nicht ähnlich hoch wie vor knapp neun Monaten. Und im Gegensatz zum gnadenlosen Kommunikator Weiler traut man Häberli zu, sein Team noch zu erreichen.

Was geschieht mit dem FCL auf dem Platz?

Vor allem: FCL-Sportchef Remo Meyer wird nur im äussersten Notfall beantragen, seinen Trainer abermals auszuwechseln. Denn mit der kostspieligen Entlassung von Weiler hat er auch seinen eigenen Job aufs Spiel gesetzt.

Allerdings ist die sportliche Zwischenbilanz Häberlis keine erbauliche: Er hat eine qualitativ leicht bessere Mannschaft als im Vorjahr – Ruben Vargas drehte erst gegen Ende dieses Frühjahrs richtig auf – nicht weiterentwickeln können. Es scheint fast so, als ob der FC Luzern nicht viel Einfluss darauf hat, was mit ihm auf dem Platz geschieht.

«Wir haben die richtige Mentalität und Einstellung vermissen lassen.»

FCL-Goalie Marius Müller

Es geht unvermindert auf- und abwärts mit dem FCL. In beliebiger Reihenfolge. Nach 13 Meisterschaftsspielen hält Häberli bei 15 Punkten. Genau gleich viele wies auch Weiler nach genau gleich vielen Spielen im letzten Herbst auf (zentralplus berichtete).

Noch besorgniserregender ist, dass dem FCL die wichtigste Währung wegbricht: Die Besucher in der Swissporarena werden immer weniger. 8141 wollten den FCL an diesem Sonntag sehen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass Lugano kein Zuschauermagnet ist. Aber der Zuschauer-Durchschnitt liegt bis anhin noch um mindestens 100 Nasen tiefer als in der letzten Saison. Und der ist erst mit dem weiteren Saisonverlauf in den Keller gesunken. (zentralplus berichtete).

Die kritischen Worte des FCL-Goalies

Der FCL hätte sich einen Weg aus dem Gröbsten gebahnt, hätte er die drei Punkte gegen Lugano zu Hause behalten. Aber er scheiterte an den bestimmt nicht übermächtigen Tessinern, die vor wenigen Tagen Trainer Fabio Celestini durch den früheren Kriens-Coach Maurizio Jacobacci ersetzt hatten.

Lugano war nicht besser als der FCL. Aber hinten weniger fehleranfällig und vorne effizienter. Und auf der Goalieposition vermochte Lugano-Goalie Noam Baumann, seinerzeit bei den Luzernern als zu leicht gewogen, dem einmal mehr überzeugenden deutschen FCL-Torhüter Marius Müller das Wasser zu reichen.

Müller, seit seinem Jobantritt beim FCL ein Mann der klaren Worte, befand hinterher: «Die zwei Zuordnungsprobleme in der eigenen Abwehr brachen uns letztlich das Genick.» Und er kritisierte: «Wir haben die richtige Mentalität und Einstellung vermissen lassen. Wir haben nicht 100 Prozent gegeben.»

Eine Profi-Einstellung darf man erwarten

Nun kann man sich subito auf den Standpunkt stellen, dass die richtige Einstellung der Mannschaft eine zentrale Aufgabe des Trainers sei. Das stimmt zwar zu einem grossen Teil, aber von einem FCL-Profi darf man auch eine tadellose Einstellung gegenüber seiner Arbeit erwarten. Eine andere Anforderung wird kaum an jene Berufsleute gestellt, die dem FCL gegen Lugano zugeschaut haben.

Wie hatte doch Remo Meyer vor gut zwei Wochen gegenüber zentralplus sportlich die Schraube angezogen? In den nächsten vier Spielen gegen Sion (h), Neuchâtel Xamax (a), Lugano (h) und Servette (h) sowie beim Cup-Achtelfinal gegen GC (a) dürfe man auch etwas erwarten, sagte er.

Häberlis Zwischenbilanz seit Meyers Aussage ergibt: In bislang drei Meisterschaftsspielen gegen Sion, Xamax und Lugano hat er drei Punkte geholt und den FCL bei den unterklassigen Grasshoppers in den Cup-Viertelfinal geführt. Das kann weder den eigenen Ansprüchen genügen noch ein Gegenmittel für die schwindenden Zuschauerzahlen in der Swissporarena sein.

Wer macht dem FCL Beine?

Erlangt damit der Ausgang des nächsten FCL-Heimspiels gegen Servette, das den Meister YB an diesem Sonntag 3:0 besiegte, eine grössere Bedeutung für die Jobsicherheit von Trainer Thomas Häberli? Erst recht, weil der aktuelle Vorsprung der Luzerner auf Barrage-Platz 9 und Xamax bloss drei Punkte beträgt und danach bis zur Winterpause noch der FC Zürich, der FC St.Gallen, die Young Boys und der FC Basel warten?

Im professionellen Mannschaftssport kann der Lauf der sportlichen Dinge eine unerbittliche Dynamik annehmen. Allerdings muss man im Fall des FC Luzern auch sagen: Die FCL-Investoren können den Begriff Verantwortung gegenüber einer der grössten sportlichen Institutionen in der Zentralschweiz auch nicht fehlerfrei buchstabieren. Wie wollen die verfeindeten Parteien in diesen Tagen guten Gewissens Leistung von Häberlis Mannschaft einfordern?

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