EVZ-Finale: Wie feiert man, wenn man nicht so richtig feiern darf?
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: EVZ-Fans im Stadion. (Bild: Martin Meienberger)

Zuger Polizei setzt auf Verhältnismässigkeit EVZ-Finale: Wie feiert man, wenn man nicht so richtig feiern darf?

4 min Lesezeit 3 Kommentare 04.05.2021, 05:00 Uhr

Es ist eine «verzwickte Situation», findet sogar der Zuger Sicherheitschef. Der EVZ hat den Pokal in Reichweite, allein wegen des Finaleinzugs gibt es Grund zum Feiern. Gleichzeitig herrscht Pandemie, und weder stürmische Umarmungen noch lauthalses Fan-Geschrei sind gute Ideen. Verhältnismässigkeit heisst das Zauberwort der Zuger Polizei.

Olé, olé, der EVZ steht im Final, hat die Chance, nach 23 Jahren endlich wieder den Pokal einzuheimsen und das heimische Publikum glückselig zu machen. Dass sich nun diese Chance gleich in einem Corona-Jahr offenbart, ist mehr als nur ein Wermutstropfen. Offizielle Public Viewings wie in den Vorjahren gibt es heuer sinnigerweise nicht, auch grössere Feiern sind nicht denkbar.

Der Zuger Sicherheitschef Urs Raschle sagt dazu: «In der aktuellen Lage liegen die BAG-Richtlinien bei maximal 100 Personen. Entsprechend können wir eine Feier natürlich nicht bewilligen. Vielmehr ist es Sache der Polizei, Menschenansammlungen, die sich dennoch bilden, unter Kontrolle zu halten.»

Diese nämlich gab es bereits vergangenen Samstag beim Finaleinzug der Zuger. Rund 300 Fans, die sich auf dem Arenaplatz versammelt hatten, zeigten, wie schwierig bis unmöglich es für hartgesottene Fans ist, während solch euphorischer Momente in den eigenen vier Wänden zu bleiben.

Zu viele Fans auf einem Platz: Polizei reagierte kulant

So versammelten sich die Fans auf dem Arenaplatz. Auf Videos, die auf den sozialen Medien kursieren, ist klar zu erkennen, dass die Fans in der Hitze des Gefechts Abstand von den Abstandsregeln nahmen. Immerhin ist ebenfalls erkennbar, dass die meisten Feiernden eine Maske trugen. Die Polizei liess denn offenbar auch Kulanz walten. Eigenen Angaben zufolge war die Zuger Polizei mit uniformierten und zivilen Einsatzkräften vor Ort. «Nach einer Lagebeurteilung vor Ort wurde eine kurzzeitige Menschenansammlung toleriert. Die anwesenden Personen haben friedlich gefeiert und es wurden keine Sachbeschädigungen begangen», so Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Polizei. Weiter habe sich die Ansammlung nach dem Empfang der Mannschaft rasch wieder aufgelöst.

«Unser Ziel war es, den Empfang der Mannschaft in geordneten Bahnen über die Bühne zu bringen. Dieses Ziel haben wir erreicht», sagt Kleiner weiter.

Es ist davon auszugehen, dass sich ähnliche Situationen bei den kommenden Spielen wiederholen. Insbesondere, wenn der EV Zug den Gegner Genf-Servette bodigt und sich den Sieg holt, dürfte sich das Problem grosser Menschenansammlungen verschärfen.

«Es ist wirklich eine vertrackte Sache.»

Urs Raschle, Zuger Stadtrat

Raschle sagt dazu: «Der Stadtrat ist sich dieser Situation bewusst. Auch wissen wir, dass man nicht blauäugig sein darf.» So könne davon ausgegangen werden, dass die Fans ihre Mannschaft bei einem Sieg auf dem Arenaplatz empfangen würden.

Für die Fans hat Raschle zwar ein gewisses Verständnis, denn «es ist wirklich eine vertrackte Sache», doch betont er, dass es in der Verantwortung der Polizei sei, die Lage im Griff zu haben.

Die Polizei plant die möglichen Einsätze

Die Einsatzplanung für die kommenden Finalspiele sei derzeit im Gange, erklärt man seitens der Zuger Polizei. Auf die Frage, wie die Polizei bei zu grossen Versammlungen in den kommenden Wochen vorgehen will, sagt Kleiner: «Bei jedem Polizeieinsatz steht das rechtsstaatliche Prinzip der Verhältnismässigkeit im Vordergrund.» So müsse man sich immer und jederzeit überlegen, wie der Einsatz der Polizei vor Ort aussehe und welche Mittel man zur Verfügung habe.

«Im Vordergrund stehen dabei ganz klar Dialog und Deeskalation.»

Frank Kleiner, Zuger Polizeisprecher

«Unsere Mitarbeitenden gehen dabei immer nach der bekannten 3-D-Strategie vor. Im Vordergrund stehen dabei ganz klar Dialog und Deeskalation, das Durchsetzen kommt ganz zum Schluss zum Einsatz», erklärt Kleiner. «Wenn Personen oder unsere eigenen Mitarbeitenden angegriffen, Sachbeschädigungen begangen werden oder eine Gefahr für Unbeteiligte entsteht, sieht die Situation selbstverständlich anders aus.» In einer solchen Situation werde die Polizei unverzüglich intervenieren.

Und in welcher Form ist denn das Feiern überhaupt möglich? Dazu sagt Frank Kleiner: «Wir appellieren an die Vernunft und die Eigenverantwortung der Fans sowie die Solidarität gegenüber dem Rest der Bevölkerung.» Der Polizeisprecher weiter: «Es ist uns absolut bewusst, dass ein möglicher Meistertitel enorme Emotionen auslöst. Trotzdem gilt es die geltenden Schutzbestimmungen einzuhalten.»

«Wenn gefeiert wird, dann bitte in Kleingruppen.»

Frank Kleiner, Zuger Polizeisprecher

Heisst konkret: Schutzmasken tragen und Mindestabstände einhalten. «Wenn gefeiert wird, dann bitte in Kleingruppen», so der Appell der Zuger Polizei an die Bevölkerung.

Einige Beizen übertragen die Spiele

Apropos Feiermöglichkeiten: Mit der Öffnung der Terrassen in der Stadt Zug ist es für einzelne Gastrobetriebe möglich geworden, die Finalspiele zu übertragen. So unter anderem beim «Grandcafé» oder im «Pier 41» beim Bahnhof. Unter Einhaltung der geltenden Corona-Massnahmen könne dort eine begrenzte Anzahl an Gästen die Partien auf zwei Screens verfolgen. «Bei Regen haben wir Platz für maximal 40 Personen, bei Sonnenschein für 60. Wer sich das Spiel bei uns anschauen möchte, muss zwingend einen unserer Vierer-Tische reservieren», erklärt Lukas Marcinowski von der zuständigen EVZ Gastro AG auf Anfrage.

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3 Kommentare
  1. Alex Haslimann, 04.05.2021, 11:56 Uhr

    Sollte der EVZ tatsächlich den Kübel nach Zug holen denke ich nicht, dass sich die Fans das nehmen lassen würden. Der Arenaplatz würde prall gefüllt sein. Was will die Polizei schon machen, bei tausenden von Fans.

  2. EVZ Loverin, 04.05.2021, 09:31 Uhr

    es isch so schad chömer ned alli zäme fiire!! 😿

  3. Danizug, 04.05.2021, 09:28 Uhr

    Wenn der EVZ am Mittwoch in Genf gewinnt, wäre am Freitag wohl die Meisterfeier in Zug…

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