Essen & Trinken
Als Mutprobe für Halloween

Hui oder Pfui? In Zug gibt’s jetzt die Mehlwurm-Pizza

Würdest du dich trauen? Daily Pizza verkauft eine Halloween-Edition mit Mehlwürmern. (Bild: zVg)

Der Oktober ist die Hochsaison für Schauerliches. Ob Halloween-Deko oder diverse Horrorfilme in den Kinos – Grusel ist allgegenwärtig. Jetzt auch bei einem Angebot des Pizzadiensts «Daily Pizza» in Zug und Luzern.

Für viele ist die Pizza Hawaii ein absolutes No-Go. Die süsse Ananas habe auf der salzigen Pizza nichts zu suchen, so die Meinung einiger Hawaii-Gegner. Das neuste Angebot des Pizza-Restaurants Daily Pizza, das in Zug, Luzern und in Bülach eine Filiale betreibt, ist zwar salzig, dürfte aber trotzdem für einiges Naserümpfen sorgen.

Im Rahmen einer Halloween-Woche bietet das Lokal nämlich die «Oh Schreck»-Pizza an. Das ist eine gewöhnliche Pizza Margherita mit einer ungewöhnlichen Beilage – eine Tüte gerösteter Mehlwürmer, die über die Pizza gestreut werden können. «Traust du dich?», fragt der aktuelle Newsletter des Lokals und animiert allfällige Gäste, sich mittels eines Hashtags sichtbar zu machen.

Wie die Mehlwürmer auf die Pizza kamen

«Auf die Idee mit den Mehlwürmern sind wir auf einer Gastromesse gekommen», erklärt Daily-Pizza-Mediensprecher Adrian Wieser auf Anfrage. Da habe das Team einen Stand gesehen, der Speise-Insekten angeboten habe, und dabei die Leute beobachtet, die sich daran verköstigt hätten. Das habe bei einigen etwas Mut gebraucht oder sei als «gruselig» empfunden worden, fasst Wieser die Eindrücke zusammen. «Da kam uns die Idee, für Halloween eine solche Pizza anzubieten.»

Die tierische Beilage für die «Oh Schreck»-Pizza stammt vom Schweizer Unternehmen Essento mit Sitz in Zürich. Seit 2013 bietet Essento in Europa Speise-Insekten in Form von Snacks, Burgern und Protein-Riegeln an. Was in vielen Ländern ein völlig normales Lebensmittel darstellt, ist hierzulande kaum in der Massentauglichkeit angekommen.

In der Schweiz dürfen seit 2017 Insekten gemampft werden

Gemäss «National Geographic» sind für den Menschen rund 2'100 Insektenarten essbar. In der Schweiz sind aktuell der Mehlwurm und zwei Insektenarten zum offiziellen Verzehr zugelassen: die Grille und die europäische Wanderheuschrecke. Weitere Insektenarten können nur zu Lebensmittelzwecken vermarktet werden, wenn sie zuvor vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bewilligt werden.

Der Verkauf von essbaren Insekten ist seit dem 1. Mai 2017 schweizweit erlaubt – eine Gesetzesänderung, die auch Essento mitangestossen hat. Schnell entstand ein Trend mit den Insekten-Produkten. Selbst Grosshändler wie Migros und Coop nahmen Produkte wie Insekten-Burger ins Sortiment auf. Zum Publikumshit wurden sie aber nicht. Nach anfänglichem Interesse flachte der Boom wieder ab.

Coop hält an der Insektenkost fest

Coop ist einer der wenigen Detaillisten, der Speise-Insekten aktuell noch in den Gestellen hat. Man wolle ein «aktuelles, innovatives und qualitativ hochwertiges» Sortiment anbieten, heisst es bei Coop auf Anfrage. Die Rückmeldungen der Kunden zu den Insekten-Produkten seien zudem positiv. «Es ist aber sicher so, dass diese Art von Produkten in einer Nische zu Hause ist», schreibt Mediensprecherin Melanie Grüter gegenüber zentralplus.

Die Nachfrage danach bleibe aber stabil. Im Sommer hat das Unternehmen das Angebot erweitert und mit den «Insect Balls» ein neues Produkt von Essento ins Sortiment genommen. Bei der Migros hingegen «flogen» die Insekten Ende 2021 ganz aus den Läden. Sie bietet sie nur noch im Online-Store an.

Die Nachfrage ist bescheiden

Auch die einst im luzernischen Grossdietwil angesiedelte Firma Entomos, die Produkte mit Speise-Insekten herstellt und verkauft, musste auf die sinkende Nachfrage reagieren. Sie schloss sich mit der Insekterei GmbH zusammen und produziert nun im schwyzerischen Freienbach (zentralplus berichtete).

Obwohl Insekten reich an Proteinen und Vitaminen sind – und damit eine an sich gute Alternative zu herkömmlichem Fleisch wären –, bleibt die Skepsis bei der allgemeinen Bevölkerung nach wie vor gross. Für viele ist der Konsum von Insekten weniger ein Genuss als vielmehr eine Mutprobe – wie Daily Pizza richtig erkannt hat. Nebst dem «Schreck»-Faktor will die Firma aber auch ihre Kundinnen informieren: «Wir bringen ihnen die Vorteile der Insekten als Nahrungsquelle näher», erklärt Adrian Wieser.

Wer sich der «Mutprobe» unterziehen will, hat nicht mehr viel Zeit. Die Aktion des Pizzadiensts läuft nur bis zum 31. Oktober. Danach kann wieder in aller Ruhe darüber diskutiert werden, ob Ananas auf die Pizza gehört oder nicht.

Bei der Mehlwurm-Pizza wird es allerdings nicht bleiben. «Auch in Zukunft darf man von Daily Pizza, je nach Anlass, ‹freakige› Pizzen erwarten, mit denen wir unseren Kunden zeigen wollen, was in Sachen Ernährung alles möglich ist.»

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Adrian Wieser, Mediensprecher Daily Pizza
  • Schriftlicher Austausch mit Melanie Grüter, Mediensprecherin Coop
  • Newsletter Daily Pizza
  • Website Daily Pizza
  • Website Essento
  • Beitrag im «National Geographic»
  • Beschluss BLV vom 1. Mai 2017
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.