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«Es brach mir das Herz, als der Kiosk nach 50 Jahren geschlossen wurde»
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Der Kiosk am Kreuzstutz ist für ihn eine Herzensangelegenheit: Der 34-jährige Darko Urosevic präsentiert stolz seinen kleinen Laden.  (Bild: bic)

Kiosk am Luzerner Kreuzstutz hat neuen Betreiber «Es brach mir das Herz, als der Kiosk nach 50 Jahren geschlossen wurde»

4 min Lesezeit 09.05.2018, 16:36 Uhr

Kürzlich hat Darko Urosevic den Kiosk am Kreuzstutz in Luzern übernommen, nachdem dieser monatelang geschlossen war. Den kleinen Laden betreibt er jedoch nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus rein emotionalen Gründen. Denn seine wahre berufliche Leidenschaft liegt in einer ganz anderen Branche.

Darko Urosevic macht an diesem Nachmittag einen etwas müden Eindruck. Kein Wunder, denn er hat soeben eine 20-stündige Autofahrt hinter sich. Die letzten drei Tage hat der 34-jährige Luzerner an der Hochzeit eines Verwandten irgendwo im serbischen Hinterland verbracht. 

Trotz der Umstände spürt man den Tatendrang des jungen Mannes, der den Kiosk am Kreuzstutz seit dem 1. Februar führt. Er hat das kleine Häuschen direkt beim Kreisel am Luzerner Stadtrand, der durch den Film «Rue de Blamage» schweizweit berühmt wurde, von seinem Vorgänger gekauft und dem Kiosk neues Leben eingehaucht. Zuvor war dieser während dreier Monate geschlossen. «Schuld an der Schliessung waren wirtschaftliche Gründe», sagt Urosevic in akzentfreiem Luzerner Dialekt. 

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Eine Herzensangelegenheit

Das Betreiben eines Kiosks sei natürlich ein hartes Los. Dies lasse sich nicht wegdiskutieren, sagt Urosevic. Das Geschäft ist für ihn jedoch nicht einfach ein Broterwerb, sondern eine Herzensangelegenheit, die mit viel Emotionen verbunden sei. Seit seiner frühesten Kindheit lebt er im Babel-Quartier. Als Baby kam er mit seinen Eltern aus dem damaligen Jugoslawien nach Luzern.

«So wie es im Moment läuft, mache ich den Kiosk sicher nicht mehr zu.»

Darko Urosevic

Im St.-Karli-Schulhaus auf der anderen Seite der Reuss hat er die Primarschule besucht. «Der Kiosk gehört irgendwie zu meiner Kindheit und meiner Jugend», sagt er lachend. Zuerst habe er hier jeweils nach der Schule Süssigkeiten gekauft. Später waren es dann Panini-Bildchen und Zigaretten.

Seit einigen Jahren lebt er mit seiner Frau und den drei kleinen Kindern an der Dammstrasse, ganz in der Nähe. «Ich komme jeden Tag hier vorbei. Es hat mir das Herz gebrochen, als der Kiosk nach 50 Jahren geschlossen wurde», so Urosevic. Er habe gespürt, dass er etwas unternehmen müsse, damit dies nicht so bleibt. Letztlich hat er sich gegen rund 30 Mitbewerber durchgesetzt. Das Grundstück gehört den SBB, denen er Miete zahlen muss.

Das Kiosk-Häuschen neben dem Eisenbahntrasse hat Darko Urosevic von seinem Vorgänger gekauft.

Das Kiosk-Häuschen neben dem Eisenbahntrasse hat Darko Urosevic von seinem Vorgänger gekauft.

(Bild: bic)

Süssgebäcke statt Zeitungen

«Die ersten drei Monate war es ein Knochenjob. Ich musste viel Zeit und Ressourcen investieren, um überhaupt starten zu können», blickt Urosevic zurück. «Die Margen seien enorm klein und lägen im Rappenbereich. «Ich habe keinen Artikel, an dem ich mindestens einen Franken verdiene», sagt er. Seit Kurzem schreibe er aber schwarze Zahlen.

«So wie es im Moment läuft, mache ich den Kiosk sicher nicht mehr zu», zeigt er sich zuversichtlich. Auch wenn er das eine oder andere Mal am Erfolg gezweifelt habe. Der Kiosk sei sein «Baby», sagt Urosevic immer wieder.

Mittlerweile konnte er sogar eine Praktikantin anstellen, die ihm unter die Arme greift. Und sogar eine zweite Stelle hat er aktuell ausgeschrieben. «Wenn es gut läuft, werde ich vielleicht noch eine zweite Filiale irgendwo in der Stadt eröffnen», blickt Urosevic in die Zukunft.

«Aus dem Nebenverdienst wurde Berufung und Leidenschaft.»

«Das Feedback der Kunden nach den ersten drei Monaten ist sehr positiv», so Urosevic. Dies habe auch damit zu tun, dass er das Sortiment vergrössert und vor allem angepasst hat. Er setzt auf gekühlte Getränke, Kaffee, Glaces, Sandwiches und selbst gemachte Süssgebäcke. Und natürlich Zigaretten.

Vor allem die Gebäcke würden mittlerweile sehr gut laufen, freut er sich. Zeitungen hingegen werde man an einem Kiosk heute kaum mehr los. Auch um die Weiterführung der Postagentur habe er sich ursprünglich bemüht. Da er sich mit der Post aber nicht einig wurde, liess er es schliesslich bleiben.

Ingenieur und Taxifahrer

Darko Urosevic hat schon einiges hinter sich, wie er erzählt. Nachdem er die Kanti abgebrochen hatte, arbeitete er während Jahren in der Industrie und besuchte verschiedene Weiterbildungsangebote im KV-Bereich.

«Ich habe dann aber gemerkt, dass eine richtige Ausbildung wohl doch nicht schlecht wäre», so Urosevic. Gesagt, getan: Mit knapp 30 absolvierte er ein Zulassungsstudium und studiert seither an der Hochschule Luzern Elektroingenieur. Weil das Einkommen als Familienvater nicht ausreichte, begann er nebenbei als Taxifahrer zu arbeiten. Diese Erfahrung sollten ihn für die nächsten Jahre prägen.

Unternehmer durch und durch

«Aus dem Nebenverdienst wurde Berufung und Leidenschaft», sagt Urosevic. Er gründete 2016 die «Kompass Transporte GmbH». Den Kiosk betreibt er über diese Firma, weshalb auch der kleine Laden «Kiosk Kompass» heisst. «Das Studium liegt seither mehr oder weniger auf Eis, auch wenn ich dieses Semester wieder immatrikuliert bin» bedauert Urosevic.

«Ich habe viel in mein Transportunternehmen investiert und möchte ab Juli richtig loslegen.» Er suche im Moment noch geeignete Chauffeure, so Urosevic. Den Kiosk wird später hauptsächlich seine Frau betreiben. Im Moment weilt sie noch im Mutterschaftsurlaub. 

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