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Die Umwelt retten? Unkomplizierte Krienser legen einfach los
  • Gesellschaft
Wenn's um den Umweltschutz geht hält sie nicht viel von Worten: Die Krienserin Astrid Reichmuth. (Bild: zvg)

Verein fördert konsequentes Plastikrecycling Die Umwelt retten? Unkomplizierte Krienser legen einfach los

6 min Lesezeit 27.01.2020, 16:45 Uhr

Der Krienser Verein «jetzthandeln.ch» engagiert sich für mehr Umweltschutz. Dabei setzt man konsequent auf Taten, statt auf Worte. Auf diese Weise konnte man schon einige Erfolge verbuchen. Beim wichtigsten Projekt geht es den Mitgliedern allerdings viel zu wenig schnell voran.

«Lefere statt lafere.» Diese Redewendung mag abgedroschen klingen. Doch die Frauen und Männer der Organisation «jetzthandeln.ch» aus Kriens haben sie sich dennoch auf die Fahne geschrieben. Ihr Ziel: Die Menschen im nahen Umfeld zu ökologischerem Handeln zu motivieren und es gleich selber vormachen und den Worten rasch Taten folgen lassen.

Gegründet wurde der Verein 2018. Aus den anfangs 13 Mitgliedern wurden mittlerweile mehr als 50. Präsidentin und Gründerin der Vereinigung ist die in Kriens wohnhafte Astrid Reichmuth. Und schon nach kurzer Zeit konnte man einen ersten Erfolg verbuchen.

«Vor knapp zwei Jahren konnten wir viele Geschäfte über Nacht dazu bewegen, abends das Licht in den Schaufenstern auszuschalten», erzählt Reichmuth stolz. Aber nicht um Strom zu sparen, sondern um der zunehmenden Lichtverschmutzung entgegenzutreten. «Viele Tiere aber auch Pflanzen leiden unter dem vielen Licht zu Uhrzeiten, zu welchen es eigentlich sehr dunkel sein sollte», erklärt sie. Geschäfte, die mitmachen, erhielten als Nachweis einen Kleber ans Schaufenster.

Bereits eine andere Gemeinde inspiriert

Mit der Licht-Aktion konnte «jetzthandeln.ch» sogar eine andere Gemeinde inspirieren. «Ein Bekannter, der als Energiebeauftragter der Gemeinde Weinfelden arbeitet, war bei uns in Kriens zu Besuch und war sichtlich angetan von unserer Idee», sagt Reichmuth. Deshalb habe er ein entsprechendes Projekt in Thurgau lanciert.

«Studien zeigen, dass jeder von uns pro Woche eine ganze Kreditkarte verspeist.»

«Wir sind in Kriens einfach auf die Läden zugegangen und haben unser Projekt vorgestellt, ohne lange darüber zu diskutieren. Und siehe da, es hat geklappt», so die 56-Jährige. Ganz nach dem Motto «machen statt reden» oder eben «jetzt handeln». Denjenigen Geschäfte, die man noch nicht überzeugen konnte, solle sich nun die Stadt annehmen. Ein entsprechender Antrag werde man bei den Behörden deponieren, ergänzt Reichmuth.

Kampfansage an den Plastik

Doch dies war erst der Anfang. Motiviert durch den Erfolg, hat sich die Organisation nun einer grösseren Herausforderung angenommen: dem kompromisslosen Recycling von Plastik und in letzter Konsequenz der massiven Senkung des Verbrauchs des Kunststoffs.

«Plastik wird zu einem immer grösseren Problem, da immer mehr winzige Partikel, so genannter Mikroplastik, in unsere Körper eindringen und sich dort ablagern», mahnt Reichmuth. Dies geschehe einerseits durch die Zersetzung von Plastikabfall zum Beispiel in den Gewässern und einerseits durch das viele Polyester, das heute in unseren Kleidern steckt, ganz zu Schweigen von Plastik in Kosmetika. «Die Partikel landen letztlich in unseren Gewässern und Lebensmitteln. Studien zeigen, dass jeder von uns pro Woche eine ganze Kreditkarte verspeist», sagt Reichmuth

Auch wenn sie sich bewusst ist, dass es grosse Anstrengungen braucht, um das Ziel zu erreichen, ist sie sehr zuversichtlich. Selber versuche sie jedenfalls schon seit Jahren, Plastik möglichst zu vermeiden. «Ich habe unsere Organisation ins Leben gerufen, da ich schon seit längerem spüre, dass bezüglich Umweltschutz überall auf der Welt, vor allem im Kleinen, sehr viel läuft. Leider erfährt die Öffentlichkeit viel zu selten davon, was auch mit den Medien zu tun hat», führt Reichmuth aus. Dabei kämen die meisten Initiativen nicht von der Politik oder der Wirtschaft, sondern aus der Bevölkerung.

Vielerorts ist Recycling möglich – in Luzerner Agglo aber nicht

«Folglich gibt es viele Leute, die heute schon konsequent sämtlichen Plastik sammeln und sich engagieren. Dafür haben sie Abos bei Fimen in Zürich und Basel gelöst, welche den Abfall mit Lastwagen abholen. Nicht sehr ökologisch, finden wir», erzählt Reichmuth. Das Problem dabei sei, dass es in der Region Luzern derzeit nicht möglich ist, Plastik an Sammelstellen abzugeben.

Dies mutet doch etwas speziell an. Denn ein Blick ins Internet zeigt, dass solche Projekte an verschiedensten Orten in der Schweiz seit Jahren am Laufen sind. Deshalb arbeitet «jetzthandeln.ch» daran, dass es auch in unserer Region künftig mehr private Ökihöfe gibt, die gesammelten Plastik aufnehmen. Erste Erfolge gibt es bereits: «Wir konnten bisher die Sammelstellen in Hochdorf, Sursee, Ruswil, Triengen und Mooslerau/Kirchleerau überzeugen. Sie verkaufen seit kurzem entsprechende Sammelsäcke und nehmen sie entgegen», sagt Reichmuth.

«Wir schliessen auch nicht aus, dass wir dereinst einen eigenen Unverpackt-Laden eröffnen»

Man habe die Sammelstellen ausserdem mit der Thurgauer Firma «InnoRecycling» bekannt gemacht. Seither organisiert diese den Transport des gesammelten Plastik und arbeitet dafür mit verschiedenen Logistikunternehmen zusammen, die so oder so durch die Schweiz fahren und den Abfall mitnehmen können. «So können wir neben dem Recycling auch Leerfahrten vermeiden»,  betont Reichmuth. Vorbilder existieren also in der Region. Der Zweckverbund «Real», der in der Luzerner Agglo für die Entsorgung zuständig ist, macht beim Plastikrecycling auf seinen Sammelstellen aktuell aber noch nicht mit. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis würde nicht stimmen, so die Begründung (zentralplus berichtete).

In Hochdorf ist das Abgeben von Plastik schon möglich.

«Man muss die Mentalität der Menschen kennen»

Um Plastik zu vermeiden, führt die Organisation im März einen eigenen Workshop durch, wo die Leute lernen, Dinge selber herzustellen. Vor allem Kosmetika und Putzmittel. So sollen aufwendige Verpackungen und «unnötige» Zusatzstoffe überflüssig werden. Neben der Menge an Plastik gebe es mittlerweile auch das Problem, dass die Industrie angefangen habe, verschiedene Stoffe miteinander zu vermischen, weshalb das Recycling nicht mehr möglich sei und der Abfall im Brennofen landet.

«Wir können uns vorstellen, uns diesbezüglich allenfalls an die Verpackungsindustrie zu wenden, um sie zu einer Änderung dieser Praxis zu überzeugen», blickt Reichmuth in die Zukunft. Zudem will man die Grossverteiler in die Pflicht nehmen. «Wir schliessen auch nicht aus, dass wir dereinst einen eigenen Unverpackt-Laden eröffnen», so Reichmuth.

Podiumsdiskussion: «Plastikrecycling – Sinn oder Unsinn?»

Diesen Dienstagabend findet im Schulhaus Grossfeld in Kriens eine Podiumsdiskussion zum Thema «Plastikrecycling – Sinn oder Unsinn?» statt. Referieren und diskutieren werden Martin Zumstein, Geschäftsführer von «Real» und Markus Tonner von der Firma «Innorecycling». Der von «jetzthandeln.ch» organisierte Anlass beginnt um 19.15 Uhr.

«Die Selfmade-Produkte haben wir anhand von Rezepten selber schon ausprobiert und an uns getestet. So können wir sie besten Gewissens an die Leute bringen», freut sich Reichmuth auf den Workshop. Gleichzeitig sei man sich aber bewusst, dass man vermutlich nicht sämtlichen Plastik vermeiden könne. Reichmuth denkt dabei an Autos oder Gegenstände aus dem Medizinalbereich, wo Hygiene oberste Priorität hat.

Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten

Obwohl die Ziele hoch gesteckt sind und auch vor den Landesgrenzen nicht Halt machen, will die Krienser Organisation ihre Energie hauptsächlich auf regionaler Ebene investieren. «Hier kennen wir die Mentalität der Menschen und wissen, was sie beschäftigt und für welche Massnahmen man sie begeistern kann. Lösungen sind dadurch einfacher und schneller zu erzielen», sagt Astrid Reichmuth. Ausserdem erreiche man so Menschen aus unterschiedlichsten Milieus und Bildungsschichten. Denn das Bewusstsein für die Umwelt sei überall vorhanden.

Das widerspiegelt sich auch in den Mitgliedern der Organisation. Neben der gelernten Kauffrau und heutigen Therapeutin Reichmuth sind Mitglieder allen möglichen Branchen vertreten. Für weitere Taten und Aktionen fühlt man sich jedenfalls gerüstet.

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