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Die Staus in Zug werden länger und länger und länger
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Auf der Zuger Nordzufahrt nehmen die Pendlerkolonnen während der Rushhour immer grössere Ausmasse an. (Bild: woz)

Zuger Baudirektor bastelt an Entlastungsstrategie Die Staus in Zug werden länger und länger und länger

4 min Lesezeit 23.05.2017, 13:11 Uhr

Wer morgens nach Zug als Pendler mit dem Auto unterwegs ist, steht immer häufiger im Stau. Von den geplanten Entlastungstrassees wurde bislang einzig 2009 die Zuger Nordzufahrt realisiert. Doch gerade diese ist nicht weit vom Kollaps entfernt – morgens und abends. Der Zuger Baudirektor wird deshalb kreativ bei der Suche nach Lösungen.

Neulich reibt sich der Pendler Richtung Zug die Augen. Denn nicht nur auf der Zuger Nordzufahrt stauen sich wie gewohnt die Autos von der Autobahn her in die Zuger City. Mittlerweile zieht sich der Lindwurm an Autos ja schon vor der Ausfahrt Baar auf der Autobahn zurück und blockiert damit eine Fahrspur.

Auch wer als Pendler über die andere «Einfallsachse» sein Glück versucht und den Weg nach Zug über die Baarer Südstrasse nimmt, steht neuerdings im Stau. Genauer gesagt im Stop-and-go. Nur langsam tröpfelt dort der Strom an Autos zwischen sieben und acht Uhr in die Zuger Strasse. In die umgekehrte Richtung, also Richtung Luzern und Zürich, herrscht dagegen weit weniger Betrieb.

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Keine Frage. Der attraktive Boom-Kanton Zug kommt so langsam aber sicher an seine Grenzen in Sachen Individualverkehr – vor allem zu Berufsverkehrszeiten.

Denn der Pendlerstrom in die Wirtschaftsmetropole reisst nicht ab. Auf der Zuger Nordzufahrt sind inzwischen täglich mehr als 20’000 Autos unterwegs. 2011 waren es noch zwischen 14’000 und 16’000 Fahrzeuge.

Bei den Zupendelnden liegt der Prozentsatz der Autofahrer laut einer Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik von 2011 bis 2013 mit 66 Prozent noch stramm in Führung beim Verkehrsmix. Bei den Wegpendelnden aus Zug sind es ebenfalls noch über 50 Prozent. Und selbst bei jenen, die innerhalb des Kantons Zug zur Arbeit fahren, entscheiden sich jeden Morgen und Abend fast die Hälfte aller Personen ab 15 Jahren für den motorisierten Individualverkehr.

«Der Schweizer ist einfach autoaffin.»

Urs Hürlimann, Baudirektor des Kantons Zug

Kaum zu glauben. Und das obwohl der Kanton Zug sehr gut durch den öffentlichen Verkehr erschlossen ist. Zudem sind viele Distanzen realitiv gering und könnten ohne weiteres auch mit dem Velo zurückgelegt werden.

Zugs Baudirektor Urs Hürlimann hat dafür eine simple Erklärung. «Der Schweizer ist einfach autoaffin. Es ist der Stolz einer jeden Familie, ein eigenes Auto zu haben und sonntags ein Rundfährtli zu machen.» Die Zahl der Umsteiger vom Individualverkehr auf den öffentlichen Verkehr seien nach wie vor nicht so hoch wie gewünscht.

Bis 2030 über 15 Prozent mehr Autos

Was also tun, um zu verhindern, dass Zug in der Rush-Hour im Verkehr erstickt? Denn allein der Autoverkehr wird bis 2030 gemäss heutigen Prognosen um mehr als 15 Prozent zunehmen. Das bedeutet für das kleine Zug noch mehr Autos, die sich ihren Weg suchen.

Vor allem während der Rush-Hour, also zwischen sieben und acht Uhr sowie zwischen 17 und 18 Uhr. Auffallend ist ja auch, dass wegen der Autozunahme gerade immer mehr Pendler durch Wohnquartieren pirschen. Ohne diese Schleichwege würde das Zuger Strassensystem jetzt schon kollabieren.

Apropos. Dem Zuger FDP-Regierungsrat stehen nicht mehr allzu viele Optionen offen. Will heissen: Weitere neue Entlastungsstrassen wird es in den nächsten Jahren keine mehr geben. Zumal die geplanten und genehmigten noch gar nicht gebaut sind.

Viel Verkehr herrscht abends auf der Zuger Nordzufahrt Richtung Autobahn.

Viel Verkehr herrscht abends auf der Zuger Nordzufahrt Richtung Autobahn.

(Bild: woz)

«Die Tangente wird bis 2020 fertig», sagt Hürlimann. Wenigstens das. Was die Umfahrung Cham-Hünenberg (UCH) anbelangt, bedauert auch Hürlimann, dass zehn Jahre nach der Abstimmung die Bagger immer noch nicht auffahren können.

«Wir müssen die Tangente und die UCH endlich realisieren.»

Urs Hürlimann

Bis alle Einsprachen wirklich vom Tisch sind und die UCH endlich gebaut ist, werden wahrscheinlich nochmals zehn Jahre ins Land gehen. Und gerade eben hat sich neuer Widerstand in Hünenberg wegen der UCH geregt. Unglaublich. Hürlimann: «Wir müssen die Tangente und die UCH endlich realisieren.»

Mobility Pricing in Zug?

Bleibt die Möglichkeit, durch clevere Ampelschaltungen, den Verkehr besser zu verflüssigen. «Dadurch kann man sicher einiges noch optimaler steuern», meint Hürlimann. Wegweisend wird es nicht sein können, dafür wächst das Verkehrsaufkommen zu schnell.

Dann gibt es noch das Mobility-Pricing. Das heisst konkret: Die Fahrt fürs Auto ins Zentrum wird gebührenpflichtig. So eine «congestion charge» (Verstopfungsgebühr) gibt es in London seit 2003.

Ein Mobility Pricing für Zug muss aber erst vom Bund genehmigt werden. Ausserdem verbannt so eine City-Maut Autos nur zum Teil von der Strasse, weil es immer viele Ausnahmeregelungen gibt. Nicht nur für Polizei und Feuerwehr. Sondern auch für Handwerker, Ärzte und Geschäftsinhaber beispielsweise. Und Wegezölle sind generell nicht besonders populär.

Velo-Autobahnen und neue Nahverkehrs-Hubs

Da Hürlimann die begrenzte Wirkung dieser Massnahmen bewusst ist, denkt er inzwischen auch über andere Möglichkeiten nach.

Zum Beispiel über schnellere und direktere Veloverbindungen in Zug. Sprich: Veloautobahnen. In skandinavischen Ländern gehören solche Veloschnellbahnen längst zum Alltag. «Auf solchen Trassees können beispielsweise Banker mit E-Bikes, ohne zu schwitzen, morgens zügig ins Büro fahren», erklärt der Zuger Baudirektor. Auf diese Weise könne man noch mehr Personen davon überzeugen, aufs Velo umzusteigen. Wo die Veloautobahnen konkret verlaufen könnten, soll noch ausgearbeitet werden.

Ein weiterer Coup, der Zug künftig weniger Staus bescheren soll, ist Hürlimanns Idee, neue S-Bahn-Hubs ausserhalb des Kantons Zug anzulegen. Zum Beispiel in Gisikon für Pendler aus dem Kanton Luzern. In Arth für Pendler aus Schwyz. Und in Sins für Pendler aus dem Freiamt.

An diesen Orten sollen die autofahrenden Pendler «abgeholt» werden, indem man ihnen entsprechende Park&Ride-Möglichkeiten anbietet. «Damit diese dann gar nicht mehr mit dem Auto nach Zug kommen, sondern den öffentlichen Nahverkehr benützen.»

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