Das alte Tramhüsli im Umbau: Ab April wird man hier sitzen und etwas trinken können. (Bild: jwy)
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Das alte Tramhüsli im Umbau: Ab April wird man hier sitzen und etwas trinken können. (Bild: jwy)

Hier entsteht der neue Gastro-Treffpunkt in Emmen

6min Lesezeit

Nun wird das alte Tramhüsli ausgehöhlt, so dass es ab nächstem Frühling in neuem Gewand eröffnen kann. Zusammen mit dem Nebengebäude und Vorplatz gibt es ein neues Zentrum. Mit Gastrobetrieb, eigener Kaffeerösterei, Emmer Bier und einem Kulturraum. Ob man im alten Unterstand auch bequem sitzen kann?

Der 10.10. – 10 Uhr: Dem alten Tramhüsli in Emmen geht's an den Kragen. Böden werden herausgerissen, neue Leitungen verlegt. Später folgen die Innenwände und der Aussenbereich. Die Erleichterung bei der Stiftung Tramhüsli ist gross, dass es endlich losgeht.

Allen voran hat sich Präsident Urs Rudolf in den letzten Jahren dafür ins Zeug gelegt, das «ikonische Häuschen», wie es der Architekt später nennt, vor dem Abriss zu retten. «Was lange währt, wird endlich gut», sagt er zufrieden. Im Hintergrund hämmern Maschinen.

Bereits im nächsten April wird hier ein neuer kultureller und gastronomischer Treffpunkt eröffnen, betrieben von der IG Arbeit Luzern, die bereits das Restaurant «Nylon 7» in nächster Nähe führt. Im Tramhüsli wird es eine Kaffee-Bar mit einfacher Verpflegung geben, zudem einen gedeckten Vorplatz mit Tischen. Aber das ist nicht alles: Zusammen mit dem Centralplatz und dem benachbarten Gebäude «702A» entsteht hier ein ganzes Ensemble, ein neuer Treffpunkt am Rande der boomenden Viscosistadt.

Das alte Tramhüsli wurde zur Rettung verschoben und steht zwischen Gerliswilstrasse und der Viscosistadt.
Das alte Tramhüsli wurde zur Rettung verschoben und steht zwischen Gerliswilstrasse und der Viscosistadt. (Bild: jwy)

Willkommene Arbeitsplätze

Schafft sich die IG Arbeit nicht eine eigene Konkurrenz zum «Nylon 7»? Gabie Burkhard winkt ab, die Leiterin der Gastronomie bei der IG Arbeit sieht das Tramhüsli als Ergänzung: «Hier kann man den Arbeitstag bei einem Glas Wein oder einem Bier ausklingen lassen.» Das «Nylon 7» ist auf die Verpflegung am Mittag ausgerichtet und hat am Abend nicht geöffnet, das Tramhüsli hingegen eignet sich mit den Aussenplätzen gut als Apéro-Bar.

Die IG Arbeit wollte nicht einfach einen zusätzlichen Gastrobetrieb eröffnen, im Vordergrund stehen sinnvolle Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung. Deshalb auch die Kaffeerösterei: «Das ist eine gute Arbeit für unsere Mitarbeiter», sagt Burkhard. Zudem könne die IG Arbeit mit ihren diversen Betrieben die Abnahme des Kaffees gewährleisten.

Gabie Burkhard über das künftige Tramhüsli:

 

Eigener Kaffee

Im Tramhüsli selbst ist es eng. «Aber gemütlich», wie Burkhard anfügt. Doch die Planung für die Gastronomie war eine Herausforderung. Die Kleinheit des Projekts sei zwar spannend, «aber das macht es auch extrem aufwendig», sagt Architekt und Stiftungsrat Hardi Bisig.

Gebäudetechnik wie Boiler und Heizung kommen im Turm unter, der früher von der CKW genutzt wurde. Mehr Platz gibt es im rosa Industriebau nebenan, dem «702A» (ob's bei diesem Namen bleibt, ist noch offen). Platz für private und öffentliche Anlässe, für Kultur oder Vereinsabende mit rund 30 Personen. Zudem wird die IG Arbeit in den charmanten Räumen eine eigene Kaffeerösterei betreiben und die lokale Bierbrauerei «MN Brew» einen Degustationsraum und Rampenverkauf.

Was hier kulturell alles stattfinden kann und soll, ist noch nicht in Stein gemeisselt. Die Stiftung wolle kein Konzept vorgeben. «Die Kultur soll sich selber entwickeln», sagt Urs Rudolf. Das Gebäude wird im Innern ebenfalls umgebaut und isoliert, erhält also «eine Grundausstattung, so dass sich die Kultur entwickeln kann», fügt Architekt Hardi Bisig an.

Stiftungsratspräsident Urs Rudolf schaut mit Genugtuung auf die Baustelle beim Tramhüsli.
Stiftungsratspräsident Urs Rudolf schaut mit Genugtuung auf die Baustelle beim Tramhüsli. (Bild: jwy)

Ursprünglicher Zustand, einfach moderner

Dass der Umbau jetzt tatsächlich starten konnte, ist alles andere als selbstverständlich: Zuerst war das 1927 gebaute Tramhüsli durch einen Abriss gefährdet, dann wurden die 250 Tonnen verschoben und somit gerettet. Eine Stiftung wurde gegründet und schliesslich brachte ein Crowdfunding fast 100'000 Franken ein. Mit der Baubewilligung im Frühling stand dem Projekt nichts mehr im Weg. Insgesamt kostet das Projekt rund 1,6 Millionen Franken.

Das alte Tramhüsli soll seine Vergangenheit als Unterstand für Tram- und Busfahrer, als WC-Häuschen und CKW-Gebäude nicht leugnen, im Gegenteil: Es wird wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. Statt grün wird es wieder weiss strahlen wie beim Bau vor 90 Jahren – und die Aussenwände werden zur Strassenseite wieder an den ursprünglichen Grundriss versetzt. «Wir modernisieren und vervollständigen das Häuschen wieder», sagt Architekt Bisig.

Ort soll wieder wachsen

Dem Architekten ist nicht nur das unverwechselbare Tramhüsli ein Anliegen, sondern das ganze Ensemble. Der Platz erhält eine Begrünung sowie eine Boccia-Bahn. «Das wird einmalig, wir geben der Öffentlichkeit einen neuen Raum», sagt Bisig. Das Areal grenzt gleich an die boomende Viscosistadt mit der Hochschule für Design und Kunst an. Und auch an die künftigen VBL-Passagiere wurde gedacht, sie erhalten ein neues Vordach, das mit dem WC-Trakt verbunden ist.

Die Stiftung will den Platz zusammen mit den Besuchern kontinuierlich entwickeln. «Wir wollen all jenen, die diesen Platz beleben, eine Chance geben, ihre Ideen zu verwirklichen», so Stiftungspräsident Urs Rudolf. «Lassen wir diesen geschichtsträchtigen Ort wieder wachsen.»

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