Das sagen die «Lozärner Määs»-Urgesteine zur Absage
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Kein Riesenrad, kein Magenbrot: Die Lozärner Määs fällt auch dieses Jahr ins Wasser.

Frust bei Schaustellerinnen und Standbetreibern Das sagen die «Lozärner Määs»-Urgesteine zur Absage

4 min Lesezeit 31.08.2021, 15:30 Uhr

Die «Lozärner Määs» findet wie bereits im Vorjahr nicht statt. Das ist für jene ein besonders herber Schlag, die seit Jahrzehnten zum Inventar der Määs gehören. zentralplus hat mit zwei Urgesteinen der Määs gesprochen und stiess auf grosse Enttäuschung – und Unverständnis.

Riesenrad, Magenbrot und «Putschi-Auto» – für viele Luzernerinnen ein unverzichtbarer Bestandteil des Herbsts. Doch aus logistischen Gründen sah sich die Stadt Luzern als Organisatorin der Herbstmesse wie bereits im Vorjahr dazu gezwungen, die Määs 2021 abzusagen (zentralplus berichtete).

Besonders schmerzhaft ist dieser Entscheid für jene, die als Standbetreiberinnen und Schausteller jedes Jahr während zwei Wochen an der Määs im Einsatz stehen. So zum Beispiel für Urs Doggwiler, den bekannten Luzerner Metzger, der an jeder Määs im Inseli einen Grillstand betreibt. Oder für Lisa Zanolla, Mitbetreiberin der Zanolla Vergnügungsanlagen AG, die jeweils im Lunapark verschiedene Attraktionen betreibt.

Beide Unternehmen sind seit Jahrzehnten an der Lozärner Määs dabei. Entsprechend gross ist ihre Enttäuschung über die Absage, wie sie gegenüber zentralplus sagen.

Wie ein «Chlapf»

«Als ich von der Absage erfuhr, war ich wie lahmgelegt. Mein Körper und Kopf waren den ganzen Nachmittag völlig energielos», erzählt Lisa Zanolla. Für Urs Doggwiler fühlte sich die Nachricht an «wie ein Chlapf an den Grind».

Denn beide hatten trotz der steigenden Corona-Fallzahlen die Hoffnung, dass die Määs in diesem Jahr durchgeführt werden kann. Insbesondere mit Blick nach Basel, wo die ebenso traditionelle Basler Herbstmesse heuer trotz Pandemie stattfindet.

«Wenn in Basel die grösste Herbstmesse der Schweiz durchführbar ist, sollte es bei uns doch bestimmt auch machbar sein», erklärt Doggwiler, der damit rechnete, dass die Herbstmesse in Luzern stattfindet. «Ich dachte, man würde bei den Baslern abschauen und ein Konzept erarbeiten, um die Määs auch in Luzern durchzuführen», ergänzt der Metzger.

Urs Doggwiler und sein Team gehören zum Inventar der Lozärner Määs.

Auch Lisa Zanolla hätte sich von der Stadt mehr Kreativität gewünscht, um die Määs trotz Pandemie durchzuführen. Besonders ärgert sie sich über den fehlenden Mut der Organisatoren, über die traditionelle Form des Anlasses hinauszudenken und ein neues Konzept auf die Beine zu stellen: «Ich bin sehr enttäuscht über die Haltung der Stadt, die Määs entweder nur in traditioneller Weise oder gar nicht durchzuführen. Als Bürgerin glaube ich, die Mehrheit der Bevölkerung hätte auch mit einer kleineren Ausgabe oder einem angepassten Konzept gut leben können.»

Situation für Schausteller spitzt sich zu

Für Zanolla und viele andere Schaustellerinnen bedroht die Absage der Lozärner Määs und vielen weiteren Messen die aufgebauten Existenzen. «Die ganze Corona-Pandemie trifft uns sehr hart. Nach 18 Monaten Pandemie sind unsere Reserven aufgebraucht und Aussichten auf Besserung gibt es nicht. Wir befinden uns derzeit in einem luftleeren Raum», sagt Zanolla.

Hinzu kommt, dass an den Anlagen und Fahrzeugen der Schausteller Standschäden entstehen, weil diese nicht gebraucht werden. Das kostet extra – ohne dass gleichzeitig Einnahmen generiert werden können.

«Mein Herz blutet.»

Urs Doggwiler, Metzger und Grillstandbetreiber

Etwas entspannter präsentiert sich die Situation hingegen für Metzger Urs Doggwiler, der wirtschaftlich weniger stark auf die Durchführung der Määs angewiesen ist. Für ihn ist die erneute Absage darum in erster Linie eine emotionale Angelegenheit: «Mein Herz blutet. Seit über 50 Jahren stehe ich an jeder Määs hinter dem Grill. Für diese zwei Wochen habe ich jeden noch so wichtigen Termin und jede Reise verschoben.»

Im Vorjahr organisierte das Hotel Schweizerhof als Alternative zur abgesagten Määs eine kleinere «Schweizerhof Chilbi» rund um das Hotel. Quasi als Trostpflaster für alle Freunde von Magenbrot und Vergnügungsbahnen (zentralplus berichtete). Eine solche Alternative werde nun wieder geprüft, bestätigte Lisa Zanolla, die letztes Jahr die Koordination der Schweizerhof Chilbi übernahm. Noch sei aber unklar, ob und in welcher Form eine alternative Lozärner Määs dieses Jahr stattfinden wird.

Klar ist für Urs Doggwiler nur eins: «Wir sind die ersten, die bei einer alternativen Määs mit dabei sind.»

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