Das FCL-Mosaik nimmt Gestalt an
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FCL-Trainer Fabio Celestini lässt die jungen Spieler nicht nur dann laufen, wenn er in Zeiten personeller Not nicht anders kann – sondern weil er von ihrem Mehrwert fürs Team überzeugt ist. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Obwohl Corona-Krise Investitionslust hemmt Das FCL-Mosaik nimmt Gestalt an

5 min Lesezeit 02.08.2020, 17:00 Uhr

Selbst in Abstiegsgefahr liess er sich nicht von seinem Plan abbringen: Sportchef Remo Meyer will den FCL attraktiven und erfolgreichen Fussball spielen lassen. Mit Fabio Celestini hat er Anfang 2020 den Trainer gefunden, der das umsetzen kann. Aber jetzt stoppt die Corona-Krise den Aufbruch.

Die eine Hälfte der Meisterschaft flop, die andere top. Die sportliche Sprunghaftigkeit ist dem FC Luzern im abgelaufenen Jahrzehnt ein paar Mal widerfahren, und meist konnte kein Verantwortlicher einordnen, wie der Mannschaft geschah. Es ist einfach passiert, im Guten wie im Bösen.

Es sind Zeiten, die der FCL zu seinem Glück hinter sich gelassen hat. Nachdem Sportchef Remo Meyer vor der Nationalmannschaftspause im November erkannt hatte, dass Thomas Häberli das Potenzial der Luzerner nicht ausschöpfen kann (zentralplus berichtete) und sich das Team dergestalt am unteren Ende der Tabelle einnistete, handelte er in der Winterpause. Auch wenn Meyer dafür mediale Prügel bezog.

Mit Celestini funktioniert es auf Anhieb

Schon wenige Wochen nach dem Jobantritt von Fabio Celestini war zweifelsfrei erwiesen: Meyer hatte Verantwortung für das sportliche Wohl des FCL übernommen und mit dem Trainerwechsel alles richtig gemacht.

Fabio Celestini, bislang noch nie in der deutschsprachigen Schweiz engagiert, packte die Mannschaft beim Ehrgeiz und gab ihr ein taktisch modernes Konzept auf den Weg. Und es funktionierte auf Anhieb.

Mit vier aufeinanderfolgenden Siegen – darunter jenen gegen den alten und neuen Meister sowie dessen Herausforderer St. Gallen – und einem Remis war das Abstiegsgespenst schnell aus der Swissporarena gescheucht.

Celestini braucht Zeit zwischen den Spielen

In der täglichen Arbeit kann Fabio Celestini jeden Einzelspieler und die Luzerner als Mannschaft besser machen. Selbst wenn diese Mannschaft Fussball zu arbeiten statt zu spielen pflegt und dabei unweigerlich mehr Energie liegen lassen muss.

Der 44-jährige Romand braucht für die Entfaltung seines Coachings zwischen den Spieltagen ausreichend Zeit. Zeit für Trainings, taktische Schulung und Videoanalysen. Dass es ohne Zeit zusehends schwieriger wird, haben die englischen Wochen seit Wiederaufnahme der Meisterschaft verdeutlicht.

Bis zum zweiten Juli-Wochenende war der FCL mit elf Punkten aus sieben Spielen (drei Siege und je zwei Remis und Niederlagen) noch immer die beste Mannschaft der Super-League-Rückrunde in der am Montag zu Ende gehenden Meisterschaft.

Am Freitag haben die Luzerner mit einem 2:1-Sieg über den FC Zürich (zentralplus berichtete) einen Kriechgang beendet, der leeren Energietanks und argem Verletzungspech geschuldet war und sechs Spiele dauerte (bloss ein Punkt).

Gute Führung befehligt guten Nachwuchs

Letzten Endes haben in der Corona-Meisterschaft zwei Dinge für den FCL einen übergeordneten Wert: die frühzeitige Sicherung des Ligaerhalts und die sportliche Perspektive, die sich so verlockend darstellt wie lange nicht mehr.

Wir wissen: Der FCL hat mit Remo Meyer einen umsichtigen Sportchef, zuständig für die sportliche Entwicklung des Vereins über die nächsten Jahre. Und er hat mit Fabio Celestini den aktuell vielleicht spannendsten und fähigsten Trainer der Super League, zuständig für den kurzfristigen sportlichen Erfolg und die Weiterentwicklung der Spieler.

Er ist die Nachwuchsentdeckung in dieser Rückrunde beim FC Luzern: der 20-jährige Mittelfeldspieler Lorik Emini. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Und vor allem: Der FCL hat grosse Talente, die den Konkurrenzkampf in der ersten Mannschaft anheizen. Darian Males, Lorik Emini und Marco Burch haben ihr grosses Potenzial angedeutet – und mit Fabio Celestini haben sie einen Trainer, der bei entsprechender Mentalität und Leistungsbereitschaft kompromisslos auf sie setzt. Und diese Namen stehen bloss an der Spitze einer Vielzahl von Talenten, die ihre Karriere-Chance im FCL nutzen wollen (zentralplus berichtete).

Drohend wie ein übellauniges Gewitter

Aber die Corona-Krise scheint den Ambitionen der Luzerner, qualitativ einen Schritt vorwärts machen zu können, vorerst Einhalt zu gebieten. Wie ein übellauniges Gewitter hängt sie über dem Schweizer Profi-Sport.

Der Bundesrat wird am 12. August darüber entscheiden, ob die Profi-Klubs im Fussball und Eishockey ab September wieder mehr als 1’000 Zuschauer in ihr Stadion lassen dürfen (zentralplus berichtete). Sie sind dringend auf Einnahmen angewiesen. Doch die in den letzten Tagen und Wochen gestiegenen Infektionsraten lassen wenig Spielraum für Optimismus zu.

Der Finanzbedarf beim FC Luzern, den die Corona-Krise in der zu Ende gehenden Saison verursacht hat, liegt laut Finanzchef Richard Furrer bei «drei bis fünf Millionen Franken» (zentralplus berichtete). Vor diesem Hintergrund ist Remo Meyer schon seit Mitte Juni klar, dass seine Sportabteilung vor grösseren Einsparungen steht (zentralplus berichtete).

Was bedeutet das für die sportliche FCL-Zukunft?

Aber was bedeutet das im Hinblick auf die kommende Spielzeit? Man muss wohl davon ausgehen, dass der FCL nur dann in gezielte Verstärkungen investieren kann (zentralplus berichtete), wenn es gelingt, Spieler aus dem aktuellen Kader zu verkaufen.

Gerade im Mittelfeld besteht im Kader der Luzerner ein Überangebot (zentralplus berichtete). Aber wer weckt Interesse und generiert einen annehmbaren Preis in dem durch Corona arg geschrumpften Spielermarkt?

Dass die zerstrittenen Aktionäre abermals etwas Gutes leisten für den im Aufschwung befindlichen FCL, scheint in der aktuellen Situation ausgeschlossen. Zumindest haben sie aber die Finanzierung des Vereins bis September 2021 mit Bankgarantien abgesichert. Mehr zu erwarten, wäre wohl nicht fair.

Oberste Führung passt nicht ins FCL-Mosaik

In diesen Tagen ist ja Bewegung ins FCL-Aktionariat gekommen. Die Mehrheitsaktionär Bernhard Alpstaeg feindlich gesinnte Gruppierung um Marco Sieber bietet ihren Aktienanteil von total 34,1 Prozent an der Holding zum Verkauf an (zentralplus berichtete).

Die «Sieberianer» werden kaum Lust darauf verspüren, ihre Schatulle zu öffnen vor dem Hintergrund, dass sie beim FC Luzern schon bald Geschichte sein wollen und zudem eine Verlustgarantie bis zum Ende der nächsten Saison hinterlegt haben.

Die Führung auf höchster Klubebene ist das grösste Teil im FCL-Mosaik, das sich in den sonst positiven Eindruck nicht einfügen mag. Aber auch die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Profi-Sport, die Wirtschaft und die Gesellschaft lassen sich noch nicht abschätzen.

Es sind Faktoren, die Luzerns sportliche Abteilung am nächsten Schritt wohl hindern werden. Aber sie kann den Fortgang der Dinge ohnehin nicht beeinflussen.

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