FCL braucht mehr Zuschauer – und hofft auf den Kanton
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Ein Kampf um die Erhöhung der bisher geltenden Obergrenze von 1'000 Zuschauern ist entbrannt: Am Ende entscheiden die Behörden, wie viele Zuschauer der FCL nächste Saison in der Swissporarena zulassen darf. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Profi-Klubs kämpfen gegen Obergrenze FCL braucht mehr Zuschauer – und hofft auf den Kanton

4 min Lesezeit 6 Kommentare 29.07.2020, 16:18 Uhr

Steht der Schweiz das Ende des Profi-Sports bevor? Das Gerücht, wonach die Obergrenze von 1’000 Zuschauern an Grossveranstaltungen zur Bekämpfung des Corona-Virus bis Ende März 2021 beibehalten werden soll, hält die Fussballverantwortlichen auf Trab. Jetzt halten auch sie dagegen.

Am 12. August entscheidet der Bundesrat, wie es mit den Grossveranstaltungen weitergehen soll. Bis zum Ende des nächsten Monats gilt nach wie vor eine Obergrenze von 1’000 Zuschauern – und am 12./13. September beginnt die neue Fussball-Meisterschaft.

Nun hat der «Tagesanzeiger» drei Szenarien ins Spiel gebracht, wie es ab September mit Publikumsanlässen weitergehen kann. Diese lauten:

  • Die Brutalo-Variante: Bis zum 31. März 2021 wird die bisherige Obergrenze von 1’000 Zuschauern beibehalten.
  • Die Mittelweg-Variante: Bis zum genau gleichen Zeitpunkt werden Anlässe mit über 1’000 Zuschauern bewilligungspflichtig gemacht. Der Entscheid liegt dabei auf kantonaler Ebene.
  • Die Utopie-Variante: Ab September werden alle Begrenzungen aufgehoben. Bei den landesweit steigenden Infektionszahlen gilt sie als unwahrscheinlich.

Die drei Varianten befinden sich derzeit bei den Kantonen und Verbänden in der Vernehmlassung. Der FC Luzern hat sich schon letzte Woche dafür stark gemacht, ab nächster Saison zumindest allen Saisonabo-Besitzern wieder Einlass ins Stadion gewähren zu können. Der Richtwert für ihr Vorhaben liegt bei rund 6’000 Abocard-Inhabern (zentralplus berichtete).

FCL mit rund 7’500 Zuschauern

Die Super League hat nun mit einem neuen Schutzkonzept einen Gegenvorschlag lanciert. Dieses sieht folgende Grundpfeiler vor:

  • Generelle Maskenpflicht in allen Stadionbereichen.
  • Verzicht auf Gästefans in der Super und der Challenge League.
  • Ausschliesslich Sitzplätze in der Super League.

Mit diesem Schutzkonzept, so schreibt die Liga in einer Medienmitteilung, können in jedem Stadion mindestens 50 Prozent der jeweiligen Sitzplatzkapazität ausgelastet werden.

Auf die Swissporarena umgemünzt heisst das: Zu jedem FCL-Heimspiel wären ab nächster Saison um die 7’500 Zuschauer zugelassen.

Dringend auf Einnahmen angewiesen

Klar ist: Der FC Luzern ist dringend auf Einnahmen angewiesen. Die Wiederaufnahme der Super-League-Saison, die am nächsten Montag ihren Abschluss finden wird, hat bloss Kosten verursacht.

Und genauso klar ist auch: Der FCL unterstützt den Vorschlag der Liga, mit einem neuen Schutzkonzept die Zuschauerzahl in den Stadien erhöhen zu können. «Solange Massnahmen gegen das Corona-Virus ergriffen werden müssen, ist das die bestmögliche Variante», heisst es bei den Luzernern.

Es geht laut FCL um Tausende von Jobs

Die FCL-Macher haben die Hoffnung, dass «das Bewusstsein bei den Behörden dafür gewachsen ist, die Rahmenbedingungen jedes Veranstalters individuell zu prüfen, um eine flexible Zuschauer-Obergrenze festzulegen». Es brauche jetzt individuelle Lösungen, schliesslich stünden in der gesamten Schweiz Tausende Jobs auf dem Spiel.

Damit befinden sie sich auf gleicher Linie wie Luzerns Gesundheitsdirektor Guido Graf. Auf Anfrage von zentralplus sagt er: «Wir begrüssen die Variante, dass der Kanton Veranstaltungen mit über 1’000 Zuschauern bewilligen kann.»

Neue Bedingungen für Kredite?

Wie lange der finanzielle Schnauf beim FC Luzern ausreicht, falls sich die Brutalo-Variante mit einer Beibehaltung von maximal 1’000 Zuschauern bis Ende März 2021 durchsetzen wird, ist gemäss offizieller Klub-Stellungnahme nicht abschätzbar: «Das können wir aktuell nicht sagen, weil sich die finanziellen Rahmenbedingungen stetig ändern.»

Mit den «finanziellen Rahmenbedingungen» zielt der FCL auf die Kreditvergabe des Bundes an die Profi-Vereine im Fussball und Eishockey ab. Weil daran geknüpfte Bedingungen (zum Beispiel Solidarhaftung und Reduzierung des Lohnvolumens der Spieler um 20 Prozent) schlicht nicht annehmbar sind, sind bislang weder die Fussball- noch die Eishockey-Liga auf den Deal eingegangen. Darum gibt es mittlerweile politische Akteure, die eine Überarbeitung der aktuellen Bedingungen fordern.

FCL: Liquidität reicht bis Anfang 2021

Inoffiziell gibt es beim FC Luzern aber durchaus eine Schätzung, wann die Liquidität zur Neige geht. Der umsichtige Finanzchef Richard Furrer errechnet dauernd verschiedene Szenarien zuhanden der FCL-Verantwortlichen.

Laut einem Gewährsmann sind die Luzerner spätestens ab dem neuen Jahr auf Einnahmen angewiesen. «Eine Obergrenze von 1’000 Zuschauern bis Ende März 2021 wäre der Killer.»

Beim EV Zug will man zu den drei Varianten keine Stellung beziehen. Die Eishockey-Liga hat ein Schutzkonzept, das sich «60-Prozent-Formel» nennt, im Hinblick auf die neue Saison schon vor Wochen ausgearbeitet. Der Saisonstart ist vorerst auf das dritte September-Wochenende terminiert, wird aber bei einer Beibehaltung der aktuellen Zuschauer-Obergrenze auf später verschoben.

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6 Kommentare
  1. mebinger, 30.07.2020, 11:39 Uhr

    Hört auf Euch anzupassen sonder macht einfach keine Anlässe mehr irgendeinmal werden die 7 in Bern merken, was sie anrichten, mit Anpassen schafft ihr nur eine barbarische unmenschliche und total unnötige neue Realität

  2. Old Rabbit Ii, 29.07.2020, 21:16 Uhr

    SFL mit seinen Clubs sind wieder am Jammern statt sich zu hinterfragen.
    Apparat nur aufs notwendigste für Saison 20/21 beschränken,
    wäre ein Lösungsansatz.
    Heißt: konsequent runterfahren/anpassen wie es jedes KMU in solchen Situationen auch machen muss.
    Hier ein paar Ideen für die SFL/Club Jammeries:
    Vorgaben von der UEFA/SFL bzgl. Anspielzeiten überarbeiten und PayTV Gebühren als Solidaritätsbeitrag COvID 19 für Clubs einführen
    VAR (Fussball wurde nicht gerechter aber nochmals teurer) hat in der Schweiz nichts zu suchen und schon hätte jeder SFL Club CHF 300‘000 mehr.
    Salarycap für jeden SFL Club für Spieler und Staff sofort einführen.
    Solidarität von diesen einverlangen und nicht nur von den Fans.
    Wer in der CH ,Gurkenliga mehr als CHF 12‘5000 während Corona verdienen will, soll sofort ins Ausland wechseln. Es gibt genug kunge Spieler, welche in der SFL für eimen Bruchteil davon alles geben.
    Präsidenten arbeiten ehrenamtlich
    SFL Kommitte Mitglieder arbeiten ehrenamtlich oder geben die Einnahmen Ihrem Club und nicht ins eigene Portemonnaie (für die FCL Familie würde das bei Dr. RA Studhalter heissen)
    FCL Spezifisch: Investoren spielen endlich mit offenen Karten und Alpstaeg schenkt das Stadion dem FCL..
    Dies so kleine Beispiele wie der Fussball in der Schweiz und Luzern zu retten wäre.

  3. Präsident, 29.07.2020, 17:17 Uhr

    Fussball ist NICHT systemrelevant! Der FCL schon gar nicht!

    1. strapsibabsi, 29.07.2020, 19:13 Uhr

      find ich auch. sollen doch die herren bieri, alpstaeg und co von ihrem reisigen privattresor was locker machen!!!

  4. Peter Lehmann, 29.07.2020, 16:37 Uhr

    Diese Annahmen mögen alle stimmen, wenn man den Status Quo um jeden Preis halten möchte und davon ausgeht, dass die FC Luzern Innerschweiz AG unabhängig von der FC Luzern Holding bzw. den „Investoren“ wirtschaftet. Der aktuellen Führung der FCL-I AG kann also kein Vorwurf gemacht werden, die machen ihren Job.
    In der Realität ist der FCL im Besitz der zerstrittenen und eitlen Investorengruppe, die gemeinsam ein Vermögen von jenseits der 2 Mia. Fr. Marke besitzt. Dass dem FCL das Geld ausgehen wird, kann also mit Fug und Recht negiert werden. Die wahrscheinlich benötigten 10 Mio. Fr. können die aus der Portokasse bezahlen. Oder zumindest sind die angenommenen 10 Mio. Fr. nur ein Bruchteil dessen, was ein durchschnittlicher Saisonkartenbesitzer jährlich im Verhältnis zu seinem Einkommen/Vermögen ausgibt.
    Wenn diese eitlen Herren die FCL Innerschweiz AG tatsächlich in Konkurs gehen lassen würden, wäre dies wohl ein längst überfälliger Schritt, denn dann offenbarten sie ihre echte Verbundenheit mit den Fans und dem Umfeld.
    Dann würde man eben mit dem Verein in der 1. Liga weitermachen und wie alle Anderen zuvor von dort den Weg zurück in den Profifussball in Angriff nehmen. Dannzumal dann hoffentlich mit demokratischeren und wirklich solidarischen Strukturen.

    Es ist endlich einmal Zeit für andere Strukturen bei unserem FCL und dem viel zu korrupten und auf Geld getrimmten Fussball im Allgemeinen. Zurück zu den Wurzeln! Zurück zu den (Stadion-)Fans!

    1. CScherrer, 29.07.2020, 18:07 Uhr

      Einverstanden.

      Doch die Finanzierung eines Profibetrieb haben Sie so nicht finanziert. Dazu benötigen Sie Einnahmen aus Werbung, Hospitality, Fernsehen etc.
      Auch werden Sie um diese so genannten Inverstoren nicht herumkommen. Schlussendlich sind wir dann wieder gleich weit.

      @Präsident: Richtig, der FC Luzern ist sicherlich nicht systemrelevant. Dennoch arbeiten beim FC Luzern Menschen, die ihren Job verlieren würden. Auch wenn dies nicht viele sind, stehen dahinter immer wieder Schicksale. Bin jedoch der gleichen Meinung wie Peter Lehmann. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn die milliardenschweren Investoren diese Mitarbeiter hängen liessen.

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Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.