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Zwischen Ramba-Zamba und Familienidylle in Sempach
  • Regionales Leben
Der Camping am Sempachersee gehört zur europäischen Spitzenklasse. (Bild: bic)

Was Erfolg des zweitbesten Campingplatzes ausmacht Zwischen Ramba-Zamba und Familienidylle in Sempach

6 min Lesezeit 12.08.2018, 16:11 Uhr

Der Campingplatz am Sempachersee ist nicht nur der grösste im Kanton Luzern, er gehört auch zur europäischen Spitzenklasse. Trotz der internationalen Ausstrahlung sind hauptsächlich Leute aus der Region anzutreffen. Die Mischung aus Natur und Unterhaltung scheint das Erfolgsrezept zu sein.

An diesem frühen Donnerstagabend mitten in den Sommerferien stehen die Wohnwagen und Wohnmobile vor der Reception Schlange. Es herrscht Hochbetrieb auf dem Camping neben der Vogelwarte Sempach. Die gelben Nummernschilder an den Autos lassen auf niederländische Herkunft schliessen.

Wie von der Tarantel gestochen rennt Campingchef Beat Herzog von Kunde zu Kunde und von Mitarbeiter zu Mitarbeiter. Und dies, obwohl es eigentlich sein freier Tag wäre. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind ihm dennoch nicht abhandengekommen. Für alle hat er einen flotten Spruch auf Lager. Jeden einzelnen Gast scheint er persönlich begrüssen zu wollen. «Momentan sind wir sehr gut gebucht. Für Gäste, die nur für eine Nacht kommen, haben wir aber immer ein Plätzchen frei», so der Chef.

Die Nummer 2 in der Schweiz

Dass an diesem Abend derart viel los ist am Sempachersee, erstaunt nicht. Denn der Zeltplatz wurde dieses Frühjahr mit einem internationalen Award ausgezeichnet. Damit gehört er zu den Top 100 in Europa. Genau gesagt liegt er auf Rang 99. «Hier sieht man wieder einmal, dass wir am Sempachersee nicht ganz hundert sind», sagt Herzog lachend, bevor er wieder irgendwo im Trubel verschwindet.

Es ist eine unglaubliche Auszeichnung, wenn man bedenkt, dass es nur schon in Frankreich und Deutschland zusammen gegen 10’000 Campingplätze gibt. Die Nummer 1 in der Schweiz ist übrigens der Campingplatz Hüttenberg im thurgauischen Eschenz. Europaweit schnappten sich die Ostschweizer sogar den 28. Platz.

Der vorderste Teil der Autoschlange vor der Reception.

Der vorderste Teil der Autoschlange vor der Reception.

(Bild: bic)

Für Familien und Junggebliebene

Als wir das Camping betreten, treffen wir in erster Linie auf junge Menschen und viele Kinder, die sich rund um das Restaurant vergnügen. Von der Sunset-Bar am Ufer ist Discomusik zu vernehmen. Sämtliche Tische und Stühle sind von den Dutzenden Familien besetzt. Bei der Essensausgabe im Selbstbedienungsrestaurant herrscht ein riesiger Andrang. Die Leute lassen sich auch von den eher hohen Preisen von 7.70 Franken für eine Portion Pommes frites nicht abschrecken.

Die vielen Familien sind ganz in Herzogs Sinn: «Auf unserem Camping sind während der Hauptsaison im Sommer in erster Linie Familien anzutreffen.» Ältere Leute und Gäste ohne Kinder kämen vor allem vor und nach der Hauptsaison nach Sempach. Geöffnet ist der Campingplatz von April bis Anfang Oktober.

Grossandrang in der Campingbeiz.

Grossandrang in der Campingbeiz.

(Bild: bic)

Dass die Sempacher insbesondere die Familien im Visier haben, zeigt sich auch an den zahlreichen Animationsangeboten, die unter der Woche stattfinden. Fussball, Basteln und T-Shirts bemalen sind nur einige davon. Wenn die Eltern auch in den Familienferien einmal einen Abend zu zweit verbringen wollen, gibt es werktags am Abend den Geschichtebus, wo den Kleinen eine Gutenachtgeschichte erzählt wird. An den Wochenenden gibt es beim Restaurant regelmässig Live-Musik.

Das grösste Camping im Kanton Luzern hat insgesamt 430 Parzellen. 200 davon werden jeweils von Saisoncampern in Beschlag genommen, die den ganzen Sommer am Sempachersee verbringen. Die andere Hälfte ist für Touristen und Gäste reserviert, die eine eher kurze Zeit auf dem Zeltplatz verweilen. «Bei uns sind alle Besucher willkommen. Wohnwagen und Wohnmobile finden bei uns ebenso Platz wie einfache Zelte», erklärt Herzog.

Die Luzerner – ein Volk von Campern

Die Dauercamper haben sich entsprechend eingerichtet. Ganze Küchenkombinationen stehen in den Vorzelten der Wohnwagen. Darauf ein grosser Flachbildfernseher, auf dem gerade die «Tagesschau» läuft. Camper, die das ganze Jahr über auf dem Zeltplatz wohnen, findet man in Sempach indes keine. Denn im Winter ist das Camping für sämtliche Besucher geschlossen. Die Uferpromenade ist dann für die Öffentlichkeit zugänglich.

«Viele Urlauber machen bei uns einen Zwischenhalt, um sich von der Reise zu erholen und das Wohnmobil zu putzen.»

Beat Herzog, Campingchef

«Die grosse Mehrheit der Campingbesucher stammt aus der Schweiz», sagt Herzog. Zu den rund 70 Prozent der Gäste aus dem Inland gesellten sich vor allem Besucher aus Deutschland und den Niederlanden. Dass in Sempach gerade diese ausländischen Gäste absteigen, habe simple Gründe.

«Die Nord-Süd-Achse geht mitten durch die Region Sempachersee. Viele Urlauber, die Richtung Süden unterwegs sind, machen bei uns einen Zwischenhalt, um sich etwas von der Reise zu erholen und das Wohnmobil zu putzen und aufzuladen.» Ein paar Wochen später kämen sie jeweils wieder vorbei, wenn sie auf dem Heimweg seien, erzählt Herzog.  

Dutzende Stammgäste kommen aus der Region. «Wir haben am Sempachersee einen traumhaften Sonnenuntergang, der viele Leute aus der Umgebung zu uns führt», sagt Herzog schmunzelnd.

Tatsächlich: Sowohl auf dem Campingplatz als auch im Freizeitbereich mit dem Restaurant und den Bars hört man kaum ein ausländisches Wort. Sogar der Dialekt der Mehrheit der Besucher lässt auf deren regionale Herkunft schliessen. Die Autonummern der Camper zeigen das gleiche Bild: Zwischen zahlreichen Luzerner Nummernschildern findet sich hie und da ein Basler oder Aargauer. Die ausländischen Kennzeichen lassen sich an diesem Abend an einer Hand abzählen.

Der Sonnenuntergang als Publikumsmagnet

Und der Sonnenuntergang scheint die Massen wirklich anzuziehen. Bereits am Eingang werden stolz die Fotos des Naturspektakels präsentiert. Er ist mittlerweile in ganz Europa bekannt. Damit alles glatt über die Bühne geht, hat Herzog entsprechend vorgesorgt. Dutzende Liegestühle und Holzliegen stehen direkt am Ufer. Mit bestem Blick aufs Wasser und die untergehende Sonne. Doch leider wird das Schauspiel an diesem Abend durch Wolken getrübt, die sich über dem Jura aufgetürmt haben.

Den Gästen wird am kleinen See aber auch sonst einiges geboten. «In den letzten Jahren haben wir viel in unser Angebot investiert», sagt Herzog. So gebe es einen neuen Veloverleih mit Mountainbikes, E-Velos und Transportfahrrädern. Seit Kurzem kann man auch Autos mieten.

Die Zuschauer sind bereit für den Sonnenuntergang: Leider hat er nicht so geklappt, wie er vom Camping extra vorbereitet wurde.

Die Zuschauer sind bereit für den Sonnenuntergang: Leider hat er nicht so geklappt, wie er vom Camping extra vorbereitet wurde.

(Bild: bic)

Eingebettet in die Natur

Während es im Bereich der Beiz und der Badi laut und hektisch zu und her geht, ist die Stimmung im Campingbereich eher gelassen. Die Leute essen gemütlich vor ihren Wohnwagen, trinken ein Glas Rotwein oder spielen mit den Kindern Karten. Auch wirkt der Campingplatz trotz der vielen Hundert Besucher nicht überladen.

Hier zeigt sich auch, weshalb die Anlage eine der schönsten Europas sein soll. Nur schon die Einfahrt über eine alte, schmale Holzbrücke hat etwas Spezielles. Man hat das Gefühl, dass man in eine eigene Welt eintaucht. Abgeschottet vom Alltagsstress. Die Anlage fügt sich aber auch sonst gut in die Landschaft am Seeufer ein. Viele Bäume sorgen für angenehme Temperaturen und viel Grün.

Was besonders auffällt, ist, dass der Zeltplatz nicht bis zum Ufer reicht und sich die Natur am Wasser somit ungestört entfalten kann. Die Gäste müssen der Natur zuliebe also einen kleinen Umweg machen, wenn sie sich im See erfrischen wollen. Einen Strand gibt es ausser im Bereich der Badi nicht.

Auch wenn das ganze Drumherum wohl nicht jedermanns Sache ist. Wer sich abwechslungsreiche Campingferien wünscht, ist hier auf jeden Fall richtig. Denn auch die Region um den Sempachersee hat an sich einiges zu bieten. Dies sind die Gründe, weshalb sie immer wieder nach Sempach kommen, hört man von verschiedenen Besuchern. Ob alt oder jung. Verständlich also, dass eingefleischte Campingfans die Anlage der europäischen Elite zuordnen.

Idyllisch: Die Uferzone des Campings.

Idyllisch: Die Uferzone des Campings.

(Bild: bic)

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