So wenig CO₂ wie möglich

Lego-Erben planen ein besonderes Bürogebäude in Baar

Am Veloweg von Zug nach Baar entsteht dieses Haus. (Bild: zvg Martin Lenz AG)

Die Kirkbi AG, die Mehrheitsaktionärin der Lego, hat im Baarer Unterfeld Grosses vor. Sie plant ein Bürogebäude, das nicht nur aufgrund seiner Materialien besonders ist.

Die Wiese im Baarer Unterfeld schrumpft weiter. Denn die dänische Investmentfirma Kirkbi baut darauf ein neues Geschäftsgebäude. Geplant ist ein sechsstöckiges Haus, direkt neben dem neuen Headquarter der Partners Group, dessen Bau sich dem Ende zuneigt. Kirkbi hält die Markenrechte an Lego und 75 Prozent des Unternehmens Lego A/S.

Auf der grünen Wiese im Unterfeld planen die Lego-Erben keinen Bau aus bunten Plastikchlötzli, sondern nur aus Holz. Das sei zwar aus Sicht aller Junggebliebenen bedauerlich, umwelttechnisch jedoch durchaus sinnvoll, erklärt Martin Lenz. Er ist Geschäftsleiter eines Baarer Immobilienunternehmens, das als Gesamtprojektleiter für die Lego-Erben arbeitet.

Lenz erklärt: «Tatsächlich handelt es sich hierbei um ein aussergewöhnliches Bauprojekt. Die Kirkbi AG legt grundsätzlich bei ihren Bauten grossen Wert auf Nachhaltigkeit.» In diesem Fall habe das Unternehmen seinen Fokus auf die Zirkularität, die Biodiversität und den CO₂-Fussabdruck gelegt. «Dieser wird gegenüber einem konventionell gebauten Gebäude um etwa die Hälfte reduziert.»

Schon jetzt ist klar, wie der Rückbau des Hauses dereinst aussieht

Schon früh habe man Fachexperten für CO₂-Berechnungen zurate gezogen. «Bis auf den Kern des Hauses, also das Treppenhaus, welches im Massivbau erstellt wird, wird das Gebäude in der Holzbauweise errichtet», sagt Martin Lenz. Weiter sei das Projekt mithilfe von Building Information Modeling (BIM) geplant worden. Dabei werden alle relevanten Bauwerksdaten digital als 3-D-Modell erfasst und kombiniert.

«Noch ist das Bauen mit BIM in der Schweiz aussergewöhnlich. Diese Arbeitsmethode ist aufwendig und auch kostenintensiv. Schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt verfügt man jedoch über sehr detaillierte Pläne. Dies wiederum hat viele Vorteile», erklärt Lenz. «Mit einer solchen Planung passieren weniger Fehler, was letztlich dazu führt, dass weniger Ressourcen gebraucht werden. Schon bei der Planung wird zudem berücksichtigt, wie der Rückbau des Gebäudes erfolgen soll.»

Auch für die Energieerzeugung habe die Kirkbi AG eine ungewöhnliche Methode gewählt. «Diese passiert über Energiepfähle, mit denen sowohl gekühlt als auch geheizt werden kann. Da der Untergrund an diesem Standort weich wie Pudding ist, müssten sowieso etliche Pfähle im Boden verbaut werden. Diese dienen nun gleichzeitig als Leitungen, welche dem Erdreich Wärme oder Kälte entziehen», sagt Lenz. Dadurch sollen nur halb so hohe Nebenkosten anfallen wie bei einem heutigen Standardbau.

Bald soll am Baarer Stadtrand wieder gebaut werden. (Bild: wia)

Auch optisch dürfte das Gebäude aussergewöhnlich werden und sich gut in die Umgebung mit den markanten Partners-Group-Neubauten eingliedern (zentralplus berichtete). Von oben bildet der Neubau ein Kreuz, wobei der Gebäudearm, der ostwärts in Richtung Veloweg verläuft, etwas kürzer wird als die anderen drei. Geplant ist ein Treppenhaus im Zentrum des Baus, eine Kantine soll im Erdgeschoss entstehen.

Nicht nur die Kirkbi AG baut auf dem Gelände

Während drei der Gebäudearme fünf Obergeschosse aufweisen, entsteht auf einem statt einer fünften Etage ein Dachgarten. «Dieser soll im Stil eines Kreuzgangs umgesetzt werden», sagt Lenz. Für die architektonische Planung sind Dietrich, Untertrifaller, Stäheli Architekten AG aus St. Gallen verantwortlich.

Das neue Bürogebäude der Firma Kirkbi ist nicht der einzige Neubau, der in den kommenden Jahren im Gebiet entstehen wird. Südlich davon plant Hans Rudolf Stocker als Privatperson ebenfalls ein Geschäftsgebäude. Im Gegensatz zur hölzernen Kirkbi-Fassade stehen hier die Materialien Stein und Metall im Vordergrund.

Insgesamt werden von der Firma Kirkbi 88 Parkplätze erstellt, dazu kommen 36 von Stocker. Für diese ist eine gemeinsame Einstellhalle angedacht. Der Freiraum um die beiden Neubauten soll umfassend begrünt werden. Läuft alles nach Plan, wird im Dezember 2024 mit dem Bau der beiden Geschäftsgebäude begonnen.

Nicht nur die Kirkbi AG will im Unterfeld bauen, sondern auch eine Privatperson. (Bild: wia)
Verwendete Quellen
  • Einsicht ins Baugesuch
  • Besuch vor Ort
  • Telefongespräch mit Martin Lenz
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