Wohnen & Bauen
Modulbau für 400 ukrainische Flüchtlinge geplant

In der Zuger Lorzenallmend werden bald Geflüchtete wohnen

In der äusseren Lorzenallmend, zwischen Zug und Steinhausen, wird ein Modulbau für geflüchtete Ukrainer entstehen. (Bild: zvg)

Auf der Äusseren Lorzenallmend in der Stadt Zug wird ein Modulbau für ukrainische Geflüchtete realisiert. Im Bau sollen rund 400 Menschen untergebracht werden. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten parat.

Gemäss Bundesgesetzgebung muss der Kanton Zug 1,5 % aller Personen des Asyl- und
Flüchtlingsbereichs aufnehmen, die in die Schweiz gelangen – so auch Schutzsuchende aus
der Ukraine. Derzeit sind es 840 Menschen. Der Kanton rechnet, dass die Zahl noch steigen wird.

Neben der Unterbringung in Privatunterkünften muss der Kanton zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten bereitstellen. Das tut er mitunter mit einer neu geplanten Unterkunft in der Äusseren Lorzenallmend, also nahe dem Industriequartier westlich der alten Lorze. Im dreigeschossigen Bau sollen etwa 400 Menschen Platz finden. Am Montagabend informierten Vertreter von Kanton und Stadt Zug die Bevölkerung im Schulhaus Riedmatt zum Modulbau. Wir haben die wichtigsten Fragen und natürlich die Antworten zum Thema aufgeschnappt.

Warum braucht es diesen neuen Bau überhaupt?

Gemäss Regierungsrat Andreas Hostettler braucht es den Bau, da bei verschiedenen, temporären kantonalen Unterkünften die Mietverträge in absehbarer Zeit auslaufen. «Das Provisorium der Luegeten in Menzingen wird rückgebaut und das Kloster Menzingen soll in absehbarer Zeit umgebaut werden.»

Ausserdem sei aufgrund der prekären Lage in der Ukraine nicht davon auszugehen, dass der Flüchtlingsstrom bald abreisse. «Der Bund rechnet mit 10'000 weiteren Geflüchteten. Für Zug würde das 150 zusätzliche Personen bedeuten», so Hostettler. Ein Modulbau werde deshalb gebaut, weil der Kanton die sowieso schon schwierige Situation am Wohnungsmarkt nicht noch zusätzlich belasten möchte.

Wann wird der Bau realisiert?

Mit dem Bau wurde bereits Mitte Oktober begonnen. Im Mai dieses Jahres reichte der Kanton in Cham und Zug je ein Baugesuch ein. Im September erteilte die Stadt dem Projekt in Zug eine Bewilligung. Einsprachen gab es keine. Mitte 2023 soll der Bau stehen.

Im Oktober wurde mit dem Bau des Modulbaus begonnen. (Bild: zvg Kanton Zug/ Hochbauamt)

Warum gerade in dort?

Dazu sagt der städtische Sicherheitschef Urs Raschle: «In der Äusseren Lorzenallmend fand die Stadt Zug eine schnelle Lösung mit der Landeigentümerin, der Korporation Zug.» Dass ein solches Projekt so schnell umsetzbar sei, sei absolut nicht selbstverständlich. In Cham, wo der Modulbau im Röhrliberg, gleich neben einer Schulanlage angedacht war, entflammte sehr schnell Widerstand gegen das Projekt (zentralplus berichtete).

Wo sollen die ukrainischen Kinder zur Schule gehen?

Tatsächlich plant der Kanton im Erdgeschoss des Modulbaus drei Unterrichtsräume. Ausserdem eine Kita. Die schulpflichtigen Kinder im Primarschulalter ab der zweiten Klasse werden während der ersten Wochen in separaten Klassen durch ukrainische Lehrpersonen und Deutsch-Lehrpersonen begleitet. Es gehe dort primär darum, dass die Kinder zunächst «ankommen» können.

Während sechs bis zwölf Monaten nehmen die Kinder an Deutsch-als-Zweisprache-Unterricht (DaZ) statt, danach folgt die Integration in die Regelklassen der Stadtschulen, dies idealerweise im Quartier. Sekundarschüler besuchen von Anfang den DaZ-Unterricht im Loreto-Schulhaus und situativ die Regelklassen.

Schwarz im Bild unten sichtbar ist die alte Lorze. Rot im Bild der Modulbau. (Bild: zvg Kanton Zug, Amt für Hochbau)

Was bedeutet das für das nahegelegene Riedmatt-Schulhaus?

Den Verantwortlichen ist klar, dass nicht alle ukrainischen Kinder der Lorzenallmend ins nahegelegene Quartierschulhaus können. Entsprechend müsse man, wie das in Menzingen bereits der Fall sei, Busse organisieren, welche die Kinder in andere Schulhäuser, je nachdem auch in andere Gemeinden, bringe. Tatsächlich sind die städtischen Schulen bereits von grosser Platznot geplagt.

Sollten mehr ukrainische Kinder in die Zuger Schulen kommen, kommen die Klassen an ihre Grenzen. Dazu sagt Regierungsrat Andreas Hostettler pragmatisch: «Wir wissen mittlerweile aus Erfahrung, dass nicht alles perfekt sein wird. Wichtig ist, dass die Kinder überhaupt zur Schule können. Doch müssen wir unsere Ansprüche runterschrauben.

Was kostet der Modulbau?

Abschliessend ist das noch nicht genau definierbar. Beim Gebäude handelt es sich um einen Occasions-Stahl-Beton-Hybridbau, der mit Holzelementen verkleidet ist. Das Bauwerk wurde im Kanton Luzern als Provisorium für ein Altersheim genutzt.

Gemäss dem Direktor des Innern kosteten der Kauf und die Vorbereitungen des Baus 13 Millionen Franken. Dazu kommt der Betrieb, für den 25 Stellen geschaffen werden. Ebenfalls fallen später Rückbaukosten an. «Der Bund zahlt uns dafür zwar eine Pauschale, das reicht jedoch längst nicht, um die Kosten zu decken», so Hostettler.

Was ist im Bereich Sicherheit geplant?

Gemäss Christian Murbach, der für die betrieblichen Abläufe im Asylzentrum zuständig ist, wird 24/7 eine Betreuung vor Ort sein, also auch in der Nacht. Der Eingang der Unterkunft wird videoüberwacht, auch gibt es eine Zutrittskontrolle. «Diese dient insbesondere dem Schutz der Geflüchteten», erklärt Murbach.

Das 9000 Quadratmeter grosse Grundstück soll durch einen Zaun begrenzt werden. Eines der wichtigsten Instrumente sei die Hausordnung, so Murbach. «Diese ist so wichtig, dass wir sie übersetzen und von den Bewohnern unterschreiben lassen.»

Werden andere Baupläne durch das Asylzentrum behindert?

Eigentlich ist geplant, dass in der Äusseren Lorzenallmend eine grosse Überbauung umgesetzt wird (zentralplus berichtete). Sind diese Pläne nun gefährdet? Dazu sagt Urs Raschle: «Es ist korrekt, dass die Korporation dort 1000 Wohnungen umsetzen möchte. Dieses Verfahren läuft nach wie vor, die Vorprüfungen sind voll im Gange. Aus diesem Grund wurde der Modulbau auf drei Jahre begrenzt.» Und weiter: «Sollte das Grossprojekt in der Lorzenallmend verzögert werden, ist also nicht die Asylunterkunft dafür verantwortlich.»

So sieht der Modulbau aus. Zumindest in der Visualisierung. (Bild: zvg)
Verwendete Quellen
  • Besuch öffentlicher Informationsanlass
  • Gespräche vor Ort
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