Wir steigen als Erste auf die Fasnachtswagen
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Sie freuen sich auf den Umzug: Die Kinder der Wagenbaugruppe Rumpelstilz auf dem von ihnen mitgebauten eindrücklichen Wikingerschiff. (Bild: mbe.)

Exklusiv: Der «Rennstall» von Baar Wir steigen als Erste auf die Fasnachtswagen

5 min Lesezeit 06.02.2016, 13:00 Uhr

Am Fasnachtssonntag startet um 14.30 Uhr der grosse Umzug als Höhepunkt der Baarer Räbefasnacht. Es ist der grösste Umzug im Kanton Zug. Einige Tage vor dem grossen Augenblick erhielten die Wagenbau-Gruppen hohen Besuch. zentral+ zeigt erste Bilder der verrückten Gefährte.

«Der Räbevater herrscht als irdischer Stellvertreter seiner Majestät des Räbechüng über das Baarer Räbevolk», heisst es so schön. In die Rolle des Räbevaters ist dieses Jahr der Baarer Tierarzt Marcel de Sepibus geschlüpft. Er ist Räbevater «Marcel II», seine Gattin Cornelia die ebenso beliebte Räbemueter. Genoss das Paar das bunte Fasnachtstreiben früher vom Balkon der Praxis aus, ist es diesmal mittendrin im Getümmel und nimmt eine wichtige Rolle ein.

Das zeigte sich diese Woche: Vor dem Umzug besuchte der Räbevater samt seinem Hofstaat und dem Vorstand der Fasnachtsgesellschaft die Wagenbaugruppen. «Wir möchten den Gruppen damit für den grossen Einsatz danken und unsere Anerkennung zeigen», sagt Marcel II. Er hält jeweils eine kleine Ansprache, der Vorstand bringt einen Imbiss mit – und das traditionelle Lied mit dem dreifachen «Räbedibum» wird angestimmt.

Scheunen, Garagen und Gewerbebauten

13 Gruppen besuchten der Räbevater und sein Gefolge dieses Jahr. zentral+ durfte sich anschliessen. Mit Minibussen fahren die Besucher von Gruppe zu Gruppe. Denn die Lokale liegen weit verstreut. Die einen bauen ihre Gefährte in grossen Scheunen von Bauernhöfen zusammen, die anderen in Gewerbeliegenschaften. Und sie waren die letzten Monate in jeder freien Minute und an den Wochenenden voll im Einsatz.

Der Baarer Räbevater Marcel II über das grosse Engagement an der Fasnacht from zentralplus on Vimeo.

In drei Wochen war der Wagen fertig

Unser Fazit: Die Fantasie geht den Baarer Fasnächtlern auch dieses Jahr nicht aus. Und auch die Fasnachtsgesellschaft ist zufrieden: «Was wir gesehen haben, ist sehr gut», sagt der Marketingchef Silvan Meier, «die Qualität der Wagen ist top. Die Besucher erwartet ein schöner Mix aus lokalen Sujets sowie nationalen und internationalen Themen.» Eine Gruppe wird einen Baarer «Dorfheiligen» auf die Schippe nehmen. Die FIFA und Sepp Blatter bekommen auf humorvolle Weise ebenfalls ihr Fett ab. Dazu kommen der VW-Abgasskandal und weitere Vorkommnisse.

Vier Wagenbau-Gruppen, die wir besuchen durften, seien stellvertretend für alle herausgepickt (siehe Fotogalerie unten).

Chnörz ein letztes Mal an der Räbefasnacht

Die «Chnörz» geben noch einmal richtig Gas. Und geben ein Comeback; vor sieben Jahren baute die früher für ihre grossen Fasnachtswagen bekannte Gruppe ihren letzten Wagen. «Wir haben uns jetzt entscheiden, noch einen letzten Wagen zu bauen und uns dann aufzulösen», sagt Präsident Guido Blaser. Es gibt keine Nachfolger.

Im Chollerhof neben der Chollerhalle Zug haben die «Chnörz» ihren Wagen zum Thema VW und Abgasskandal kreiert. Sie haben einen schönen blauen VW-Käfer gebaut. «Da war die Welt noch in Ordnung», steht auf den Türen geschrieben. Dazu kommen weitere Gestaltungselemente zum Abgasskandal.

Die Gruppe ohne Nachwuchsprobleme

Keine Nachwuchsprobleme hat hingegen die Gruppe «Rumpelstilz». Es ist eine Familiengruppe mit rund 70 Mitgliedern, darunter auch viele Kinder. Die Fasnächtler lassen auch die Jüngsten mitbauen und lösen damit das Nachfolgeproblem elegant. «Eine gute Idee und eine nachhaltige Lösung», findet der Räbevater.

Rumpelstilz ist bekannt für seine detailgetreuen, riesigen Wagen, welche Kinderaugen leuchten lassen. Dieses Jahr haben die Rumpelstilzler das Thema Wikinger gewählt und ein Schiff gebaut (siehe auch Video mit dem Räbevater). Arno Matter vom gleichnamigen Malergeschäft Matter stellte den Raum für den Bau zur Verfügung. Die Gruppe hat im frühen Herbst mit dem Bau begonnen. Das fertige Werk wird die kleinen und grossen Umzugsbesucher begeistern: Vorne am Bug prangt eine drachenähnliche Gallionsfigur, auf der Seite des Schiffs gibt es prächtige bemalte Schilder. Ein Kunstwerk ist auch das Wikingerhaus mit Schilfdach auf dem Schiff.

In drei Wochen war der Wagen fertig

Weniger Zeit für die Konstruktion hatten dieses Jahr die «Schränz-Chäibä», deren Gefährt momentan noch in einer Scheune im Baarer Tannhof steht. «Wir haben unseren Wagen dieses Jahr im Schnellverfahren gebaut», erklärt Roland Hotz. Das Motto lautet «Tschau Sepp». Gemeint ist, unschwer zu erraten, Sepp Blatter. Auf dem Wagen steht sein Walliser Ferienhäuschen, das aus rohen Tannenbrettern gezimmert wurde. Es gibt eine Fussballwand mit lauter hübschen farbigen Goldnoten.

Mehr über die mutmasslich zweifelhaften Handlungen der verkleideten Figuren, die auf dem Wagen mitreisen werden, sei noch nicht verraten. Der Räbevater meinte augenzwinkernd, er wolle Präsident der «Federation of International Fasnachts Associations» (FIFA) werden. «Dr Sepp hets guät gmacht, dr Sepibus machts besser», sagt der Baarer Räbevater beim Besuch der Schränz-Chäibä.

Sagenbrüggler Häxe

Einen unserer Meinung nach besonders schönen Wagen wird auch die Gruppe «Sagenbrüggler Häxe» präsentieren. Dem «Hexenlabor» sieht man an, dass da Zimmerleute am Werk waren. Der Wagen ist perfekt gebaut, mit vielen hübschen Details. Im Inneren könnte man wohnen und es gibt sogar fetzigen Sound. «Wir haben im November angefangen und jedes Wochenende gearbeitet», sagt «Oberhex» Gallus Waldis. – Und wer wird wohl in den Holzkäfig gesperrt werden, der ebenfalls zum Wagen gehört? Dem Vernehmen nach soll es eine Frau sein. Gruselig.

Räbefasnacht: Woher kommt der Name?

Die Baarer Räbefasnacht ist die grösste Fasnacht im Kanton Zug. 1600 Personen wirken diesmal mit und rund 25’000 Besucher schauen zu und feiern jeweils in Baar. Dieses Jahr sind 44 Nummern mit Wagen, Guggenmusiken und Einzelsujets angesagt. Nächstes Jahr feiert die Baarer Räbefasnacht ihr 70-jähriges Bestehen, denn 1947 organisierte die Fasnachtsgesellschaft den Anlass zum ersten Mal (in Inwil soll die Tradition sogar noch ein Jahr älter sein).

Für alle Nicht-Baarer, die wissen möchten, was Fasnacht eigentlich mit Räben zu tun hat: Die weisse Herbstrübe war vor der Kartoffel die Hauptnahrung der armen Leute und vieler Baarer Bauern. An der Chilbi durfte Räbe mit Schweinefleisch auf keinem Tisch fehlen. Die Gründer der Baarer Fasnacht nahmen deshalb auf die Räbe Bezug. Die Tradition lebt im Räbegäuggel (so heisst eine Fasnachtsfigur), im Räbechüng und nicht zuletzt im Fasnachtslied «RäbediBum!» bis heute weiter. Der Räbevater erhält bei seiner Inthronisation als «Zeichen der Verbundenheit mit der Baarer Scholle» eine echte Baarer Räbe anstelle eines Reichsapfels. Mehr hier.

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