«Wer irgendwie kann, kommt verkleidet!»
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Die Luzerner legen sich für ihre Kostümierungen ins Zeug. (Bild: azi)

Als St. Gallerin an der Luzerner Fasnacht «Wer irgendwie kann, kommt verkleidet!»

3 min Lesezeit 09.02.2016, 12:25 Uhr

Kritiker sagen ja, Fasnacht sei überall das Gleiche: ein unnötiges, lärmiges Spektakel. Aber nein, da gibt es durchaus Unterschiede – für unsere Ostschweizer Autorin ist die Luzerner Fasnacht besonders beeindruckend, wie ihre Reportage vom Güdismontag zeigt.

Fasnacht ist nicht gleich Fasnacht. Klar, gefeiert wird das lärmige Konfettispektakel – man ahnt’s, ein grosser Fan bin ich nicht – fast überall, aber ich stelle diesen Montag schon am Bahnhof fest: Luzern ist die unbestrittene Hochburg, wenn’s ums spätwinterliche Guuggenmusizieren, Verkleiden und natürlich Trinken geht. Basler mögen mir da zwar widersprechen, aber vergleicht man die Luzerner Fasnacht mit der Ostschweizer, klafft da schon ein gewaltiger Graben.

Mit Mary Poppins unterwegs

Güdismontag nennt man also diesen Tag, der sich heute kühl und bewölkt präsentiert; zahlreiche Feierwütige tollen bereits – oder eher: immer noch – morgens um neun äusserst fit in den Gassen herum. Das nenn’ ich Spirit.

Aber Güdismontag? Ich lasse mir erklären, dass ein Güdel ein vollgestopfter Bauch ist. Den Güdismontag und -dienstag nutzt man traditionellerweise für ungehemmte Völlerei vor der Fastenzeit. Sympathisch. Und wenn wir grade bei seltsamen Ausdrücken sind: Wieso ist an der Luzerner Fasnacht alles und jeder «rüüdig»? Was soll das überhaupt sein?

Sich nicht zu verkleiden, gleicht einer Todsünde, oder anders gesagt: Ohne Kostüm an der Luzerner Fasnacht aufzukreuzen, ist ähnlich provokativ wie an der Olma eine Bratwurst mit Senf zu bestellen. Es ist mehr als nur ein ungeschriebenes Gesetz – in der offiziellen Programmbroschüre heisst es klipp und klar: «Wer irgendwie kann, kommt verkleidet!» Hoppla. Mit Ausrufezeichen. Sie könne mich doch mit Lippenstift bemalen, schlägt eine Kollegin, besser gesagt Mary Poppins, teuflisch grinsend vor. Ich lehne dankend ab.

Kostüme gehören einfach dazu

An Umzügen in der Ostschweiz fällt man unverkleidet kaum auf. Im Gegenteil – meist haben sich nur die Kleinen in Schale respektive Kostüme geworfen. Und dass man sich als ganze Familie verkleidet, also zum Beispiel Mama Schneewittchen, Papa Prinz und die Kleinen als Zwergli, ist auch eher selten. Schade eigentlich. Uns muss man förmlich in die Verkleidung zwingen − «Maskenball – Einlass nur verkleidet!», liest man oft auf Plakaten. In Luzern hingegen ist Kostümierung Ehrensache.

Fleissige Guuggen

Nicht, dass die Fasnacht im Osten gänzlich trostlos wäre – es gibt auch da unzählige Fasnachtsvereine, Guuggen und Schnitzelbänke. Aber während sich hier die Guuggen jedes Jahr (!) ein neues Kostüm zusammenschneidern, geschieht das bei den meisten Ostschweizer Guuggen nur alle zwei bis drei Jahre. Und dann diese Wagen am Wey-Umzug! Ich bin beeindruckt, wirklich, auch als Fasnachtsmuffel. Wie bei uns werden auch hier Aktualitäten satirisch aufgegriffen – Sepp Blatter muss zum Beispiel dran glauben. Daneben gibt’s aber auch viele mystische und eher düstere Themen, was wahrscheinlich Tradition hat.

zentral+ mitten im Treiben

Auch dieses Jahr berichteten wir intensiv über die Luzerner Fasnacht, so zum Beispiel über die herzigsten und die unpraktischsten Kostüme oder über die fast vergessene Tradition des Intrigierens. Ausserdem: Sind K.-o.-Tropfen ein Problem an der Fasnacht? Auch Fasnachts-Verachter fühlen sich bei uns verstanden.

Auch an der Zuger Fasnacht waren wir und berichteten über eine 92-jährige Vollblut-Fasnächtlerin und über besonders fluffige Kostüme.

Auch die Touristen, die zu Luzern gehören wie das Säulirennen an die Olma – ja, schon wieder dieser Vergleich –, werden durch den Kakao gezogen. Das scheint sie aber nicht zu bekümmern: Fröhlich fotografieren sie das Geschehen und versuchen möglichst, neben den tanzenden, bunten Fasnachtsgestalten, auch noch die beeindruckende See- und Berg-Kulisse mit aufs Bild zu kriegen.

Irgendwie halt doch gleich

Zwei Dinge scheinen aber an jeder Fasnacht gleich zu sein. Erstens: Wenn man zuhause seine Kleidung ausschüttet, sammelt sich am Boden genug Konfetti an, um damit für den Rest des Winters ein vierstöckiges Einfamilienhaus zu heizen. Und zweitens: Alkohol fliesst in Strömen. Wie soll man sich auch sonst wärmen, wenn man nicht gerade ein flauschiges Einhorn-Kostüm trägt?

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