Unterwegs mit dem Alk-Express
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Alk-Express-Betreiber Dani Schürmann mit seiner Spitz-Hündin Kira. (Bild: dog)

Reportage in Luzern Unterwegs mit dem Alk-Express

6 min Lesezeit 2 Kommentare 14.06.2013, 15:02 Uhr

Wenn der Luzerner Alk-Express durch die Nacht rast, sind verrückte Geschichten Programm. Wir haben Betreiber Daniel Schürmann letzten Samstag begleitet. Eine Reportage über lange Fahrten, verruchte Ecken und viel Wodka.

«Drei Flaschen weisser, drei Flaschen roter Wodka, zwei Flaschen O-Saft, 15 Dosen Red Bull. In 20 Minuten auf dem üblichen Parkplatz vor dem Vegas Club in Kriens», wiederholt Dani Schürmann die erste Bestellung an diesem Samstagabend in die Freisprechanlage. Es ist 23.15 Uhr. Während er mit einer Hand das Lenkrad festhält, tippt er mit der anderen die Beträge in einen Taschenrechner ein. «202 Franken, das ist nicht schlecht. Da machen wir 200 Franken draus und zwei Red Bull gibts extra dazu», sagt Dani.

Wodka wird mit Abstand am meisten bestellt

Seit Herbst letzten Jahres fährt der weisse Lieferwagen mit dem schwarzen Alk-Express-Schriftzug durch die Stadt Luzern und Umgebung. Am Wochenende zwischen 19.30 Uhr und 2.30 Uhr und unter der Woche bis 23.30 Uhr liefert Dani beinahe alle Arten von Alkohol an seine Kundschaft – von Wodka, über Whisky, Wein und Bier bis Absinth. Zudem führt er in seinem Sortiment kleine Snacks, Zigaretten und Hygieneartikel wie WC-Papier, Kondome oder Tampons.

Der Lagerraum erinnert an eine grössere Garage, die von Teenagern als Freizeitraum umgestaltet worden sein könnte.

Mit Abstand am meisten bestellt werde Wodka. Auch Whisky laufe gut, so Dani. Noch nie verkauft hat er Grappa, Tequila oder alkoholfreies Bier. «Ich muss bald über die Bücher und mein Angebot der Nachfrage anpassen», sagt er nachdenklich. Zum Preis der bestellten Waren kommt jeweils eine Lieferpauschale von 12 Franken dazu. Die brauche er, sagt Dani, da die Gewinnmarge auf seine Artikel nur sehr knapp bemessen sei. Auch bei kleinen Bestellungen müsse er deshalb auf die fixen Lieferkosten bestehen. «Einer hat mich mal nur wegen Zigarettenpapier bestellt. Das kostete ihn 15.50 Franken – die wohl teuersten Blättchen, die er je gekauft hat.»

Spartanisches Lager mit Chillout-Ecke

Auf der Tour dabei ist auch Kira, Danis fünfjährige kleine deutsche Spitz-Hündin. Da der 41-Jährige noch ledig und kinderlos ist, ist Kira sein ein und alles. Auch wenn sie ein, zwei Pfund zu viel auf den Rippen hat und so seltsam keucht und bellt als hätte sie einen Frosch verschluckt, so merkt man Dani an, wie froh er um seine Begleitung ist.

Manchmal ist Kira aber zu müde für die Tour. Dann wartet sie in Danis Lager in Blatten bei Malters. Der Lagerraum erinnert an eine grössere Garage, die von Teenagern als Freizeitraum umgestaltet worden sein könnte. Eine Chillout-Ecke mit einem abgesessenen Sofa, ein Tisch aus einer Kartonschachtel – darauf Instant-Kaffee, ein Aschenbecher, Zigaretten, ein Tablet-Computer. Gegenüber steht ein Regal voller Alkohol und ein Waschbecken. In einer Ecke des Lagers türmen sich leere Kartonschachteln mit den Logos bekannter Wodka-, Whisky- oder Bierhersteller. Spartanisch, improvisiert, und dennoch: Dani fühlt sich wohl in seinem Reich, wenn er auf Bestellungen wartet.

Mit Alkohol Streit geschlichtet

Als Dani in den Parkplatz 100 Meter vor dem Vegas einlenkt, um die erste Bestellung des Abends auszuliefern, findet er eine chaotische Situation vor: Etwa zwanzig Jugendliche im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, fein herausgeputzt für den Abend, liefern sich vehemente Wortgefechte. Mehrmals fällt das Wort «Mutter» in verschiedenen Sprachen. Ein Zwei-Meter-Hüne muss von mehreren Kollegen zurückgehalten werden. Die Situation scheint kurz vor der Eskalation.

Doch als sich Dani bemerkbar macht und die sechs Flaschen Wodka samt den Mischgetränken aus dem Laderaum hervorholt, ändert sich die Stimmung abrupt. Die Freude über das Eintreffen des bestellten Alkohols scheint den Streit vergessen zu machen. Dani wird mit freundlichen Worten und verschiedenen Handschlägen begrüsst. Die eben noch verfeindeten Lager bilden nun eine Menschentraube um den Mann mit dem Alkohol.

«Das sind Stammkunden», sagt Dani. Fast jedes Wochenende liefere er eine grössere Menge Alkohol an diese Gruppe. «Die trinken sich dann irgendwo in der Nähe des Clubs warm, um locker zu werden und um in Stimmung zu kommen. ‹Vorglühen› nennen sie das. Im Club, wo die Getränkepreise doch ziemlich hoch sind, konsumieren sie dann oft gar nichts mehr oder gönnen sich nur noch einen Drink.»

«Schöne Zeit im Gefängnis»

Dani Schürmann glaubt fest an sein Geschäftsmodell. Immerhin hat er schon Erfahrung als selbstständiger Lieferant. Vor gut zehn Jahren betrieb er in Luzern einen Kurierdienst für Marihuana. Der Handel mit der illegalen Pflanze stiess auf eine immense Nachfrage und schon bald konnte Dani sein «Unternehmen» ausbauen. «Zur besten Zeit besass ich drei Hanfshops mit sieben Mitarbeitern in Luzern und Emmenbrücke sowie eine Hanf-Gärtnerei in Uri.»

«Ich fühlte mich eher wie in einer Männer-WG, als in einem Gefängnis.»

Doch Danis zweifelhafte Karriere nahm 2003 ein jähes Ende. Die Behörden kamen hinter seine illegalen Geschäfte, schlossen seine Läden, sperrten seine Konten und nahmen Dani fest. Schliesslich wurde er zu neun Monaten Haft im Wohnheim Lindenfeld in Emmen verurteilt. «Das hört sich schlimmer an als es tatsächlich war», meint er heute, «ich war in Halbgefangenschaft, sprich, ich durfte das Heim tagsüber verlassen und arbeiten gehen.» Das Zimmer musste er zwar mit drei weiteren Personen teilen, aber das sei lustig gewesen. «Ich fühlte mich eher wie in einer Männer-WG, als in einem Gefängnis. Eigentlich war es eine schöne Zeit.»

Die Idee eines erfolgreichen Lieferdienstes liess ihn aber nicht mehr los. «Ich habe ja die Erfahrung gemacht, dass der Hanf-Lieferdienst super lief – nur eben mit einer illegalen Ware. Also habe ich mir überlegt, womit man denn sonst noch so ein Geschäft machen könnte, ein legales, versteht sich.»

Kurze Zeit später liess Dani seiner Idee Taten folgen. Er beantragte eine Lizenz, die es ihm erlaubt, Alkohol zu verkaufen. Daraufhin erwarb er einen Occasion-Lieferwagen in Deutschland und suchte für seine neue Herausforderung einen geeigneten Lagerraum zur Miete.

Zum Leben reicht es noch nicht. Dani arbeitet nebenbei in einer Feuerwerksfabrik in Aesch (LU). Dort besteht sein Job hauptsächlich darin, so genannte Vulkane zusammenzupressen. Auch wenn in seiner heiteren Art eine Leichtigkeit mitschwingt: Die Doppelbelastung der Jobs geht an Danis Substanz. Manchmal ist er 22 Stunden auf den Beinen – tagsüber in der Fabrik und abends auf der Strasse. Das sei nicht immer einfach, sagt er. Den Sonntag brauche er dann vor allem um Schlaf nachzuholen. Wenn das Geschäft mit dem Alk-Express unter der Woche noch anlaufen würde und an den Wochenenden doppelt so viele Bestellungen wie jetzt reinkämen, dann könnte er davon leben. Zurzeit macht er an einem normalen Wochenende zwischen zehn und zwanzig Lieferungen.

Lieferung ins Bordell

Während seinen Touren erlebt Dani auch immer wieder kuriose Überraschungen. So  wurde er einmal ins 40 Kilometer entfernte Gontenschwil im Kanton Aargau bestellt. Für einen 50-Franken-Aufpreis habe er die Fahrt auf sich genommen und eine Flasche Wodka und ein Sechserpack Red Bull ausgeliefert. Als an der angegebenen Adresse dann zwei Männer im Bademantel auf ihn warteten, begriff Dani, dass er vor ein Bordell bestellt wurde.

«Wenn das so weitergeht, lerne ich noch alle Freudenhäuser in der Gegend kennen.»

«Die Typen hatten wohl genug vom Champagner oder die Preise waren ihnen in diesem Etablissement einfach zu teuer.» Das Beste sei aber gewesen, als dieselben Männer am nächsten Tag nochmals bei ihm bestellten – nur diesmal aus einem Bordell in Horw. «Wenn das so weitergeht, lerne ich noch alle Freudenhäuser in der Gegend kennen», sagt er und lacht.

Um 0.25 Uhr klingelt Danis Handy zum zweiten Mal an diesem Abend. «24 Dosen Bier. Sempach Station. Gut. 20 Minuten, okay?» Gerade erst hat er sich einen Kaffee eingeschenkt und es sich in seiner Chillout-Ecke gemütlich gemacht. Dani nimmt einen grossen Schluck Kaffee aus dem Plastikbecher, drückt seine Zigarette aus und eilt zu seinem Lieferwagen. Kira gönnt sich in der Chillout-Ecke eine Pause. Die Nacht ist schliesslich noch lange.

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2 Kommentare
  1. Gerardo Raffa, 19.06.2013, 12:47 Uhr

    Was für ein seltsamer Artikel. Ich bin erstaunt. Im ganzen Artikel wurde keine einzige kritische Frage gestellt. Dabei gäbe es Gründe genug zu Themen wie Akokohl, Sucht, Drogen, Prostitution, Gefägnis usw. viele kritische Fragen zu stellen. Oder ist es eine Publireportage und es wurde vergessen dies zu benennen?

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    1. zentralplus, 19.06.2013, 17:07 Uhr

      Herzlichen Dank für die Rückmeldung. Die Reportage beschränkt sich auf das Wiedergeben der Erfahrungen vor Ort. Ziel des Besuchs beim Alk-Express war es, dessen Arbeit zu beobachten und darüber eine Geschichte zu erzählen – so neutral, objektiv und wertfrei wie möglich.

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