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Und was würden Sie mit 890 Millionen machen?
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Ein U-Bahn-Netz für den Kanton? Eine Überlegung Wert, findet Tom A. aus Baar. (Bild: zvg )

Eine Homepage will Alternativen zum Stadttunnel Und was würden Sie mit 890 Millionen machen?

3 min Lesezeit 1 Kommentar 30.03.2015, 18:20 Uhr

890 Millionen Franken. Fast eine Milliarde. Dass der Stadttunnel viel kostet, ist bekannt. Doch was, wenn er scheitert? Derzeit kursiert ein freches Online-Projekt, das mit dem Motto «Geld für ein grosses Projekt oder viele kleine» die Bevölkerung auffordert, Ideen für eigene Gross- und Kleinprojekte einzusenden. Und die dürfen sowohl absurd als auch aufmüpfig sein. Doch was soll das Ganze eigentlich?

Finden Sie, es braucht eine neue S-Bahn-Haltestelle «Viktoria» in Baar? Oder eine Machbarkeitsstudie für eine Zuger U-Bahn für 180’000 Franken? Hoffen Sie eher auf etwas Naturverbundenes wie einen Schrebergarten auf dem Siemens-Parkhaus? Mit dem Betrag für den Stadttunnel liesse sich auch ohne Weiteres das Lorzentobel zum Stausee umfunktionieren; Kostenpunkt: 50 Millionen Franken.

Die Homepage www.890Millionen.ch betitelt sich als Gedankenspiel, denn hier sollen Ideen der Bevölkerung Platz finden. Vorschläge, wie das Geld des Zuger Stadttunnels alternativ verwendet werden könnte. Es sind 13 absurde, reizvolle und bunte Ideen die bis jetzt zusammengetragen wurden. Sie kosten zusammengerechnet 143 Millionen Franken. Noch bleiben also 747 Millionen, die zur Verfügung stehen.

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Doch nicht jedes Projekt wird aufgenommen. Bedingungen sind beispielsweise, dass die Anträge einen gemeinschaftlichen Charakter, Zweck und Nutzen für Zug hätten oder mit einer ungefähren Kostensumme und Beschreibung versehen sind. «Das Gremium kann Anträge ohne Begründung ablehnen», heisst es zudem auf der Homepage.

Ein gruseliges Gremium entscheidet

Das Gremium, welches über die Anträge aus der Bevölkerung entscheidet, wird ebenfalls auf der Homepage gezeigt. Das fünfköpfige Team macht jedoch einen seltsamen Eindruck. Beschrieben sind sie nur mit Vornamen und dem Initialen des Nachnamens, Wohnort, Zivilstand und Beruf. Gruselig wirken die Gesichter mit den etwas zu symmetrischen Augenpaaren, den stumpfen Blicken und dem Lächeln, das selbst für Politiker eine Spur zu steif wirkt. Und auch wenn Gremiums-Mitglied Christina M. mit ihrem Colgate-Lachen einen durchaus sympathischen Eindruck macht, schöpft man schnell den Verdacht: Irgendwas stimmt hier nicht.

Das Gremium

Das Gremium

(Bild: zvg)

Eine Seite ohne politischen Hintergrund

Und tatsächlich. Nirgends auf der Seite finden sich Hinweise auf die Betreiber der Seite, deren politische Gesinnung, deren Ziel. Tatsächlich handelt es sich um ein fiktives Gremium. Hinter dem Projekt steckt nur eine Person. Aber wozu das Ganze? «Wie auf der Seite beschrieben, geht es hier um ein Gedankenspiel. Es geht um einen Betrag – 890 Millionen Franken – der im Raum steht, falls der Stadttunnel von der Bevölkerung nicht angenommen wird», erklärt der Betreiber der Seite, der anonym bleiben will.

«Das Spannende am Projekt ist, dass jeder vogelfrei ist und sich, wenn er will, anonym kundtun kann.»

Betreiber der Webseite www.890millionen.ch

«Es geht hier nicht um meine Person, sondern um die Sache», erklärt er weiter. «Denn das Spannende am Projekt ist, dass jeder vogelfrei ist und sich, wenn er will, anonym kundtun kann.» Die Seite wirkt wie eine Kritik am Stadttunnel. Wie steht es denn um die politische Gesinnung des Betreibers? «Ich bin nicht politisch engagiert und wüsste auch gar nicht, in welche Partei ich eintreten würde.» Es gehe aber durchaus darum, aufzuzeigen, um wie viel Geld es sich faktisch handle. «Wenn ich als Gremium ein 50-Millionen-Projekt wie die Staumauer locker vorbeiwinken kann, weil damit nur ein Bruchteil des verfügbaren Geldes ausgegeben würden, macht das schon Eindruck.»

Die Neugierde ist Antrieb genug

Der Betreiber der Homepage ist sich durchaus bewusst, dass für ihn kein eigentlicher Nutzen durch die Webseite entsteht: «Ich finde es einfach spannend zu sehen, was passiert.» Neben dem Zeitaufwand hat der Betreiber laut eigenen Angaben 100 Franken in die Homepage investiert, 100 weitere Franken seien für den Druck von Flyern aufgewendet worden. «Diese möchte ich an den Veranstaltungen zum Stadttunnel heimlich auflegen.»

 

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1 Kommentare
  1. René Schmid-Bill, 30.03.2015, 18:54 Uhr

    Super Idee! Wir bauen eine Staumauer am Lorzentobel und die Verkehrsprobleme in der Stadt Zug sind gelöst.
    Sehe ausser der Verknüpfung mit den Kosten gar keinen Sinn in dieser Idee. Wir brauchen jetzt den Mut zu diesem Generationenprojekt JA zu sagen und in der Zukunft werde alle für Ihre Weitsicht das Lob einfahren.
    JA zum Zentrum+ und dem Stadttunnel! Solche Ideen braucht es wirklich nicht auch noch. Aber wenn dies einer zum Spass so will…..
    Der Entscheid fällt aber sicher nicht nur so aus Spass!