Trotz Widerstand gegen 5G: Zug erwartet 30 Prozent mehr Antennen
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Der Zuger Regierungsrat rechnet mit deutlich mehr Mobilfunkantennen in den nächsten Jahren. (Symbolbild: Emanuel Ammon/AURA)

Vorerst wartet man auf den Bund Trotz Widerstand gegen 5G: Zug erwartet 30 Prozent mehr Antennen

5 min Lesezeit 22.01.2020, 16:30 Uhr

Schweizweit gehen Kritiker der 5G-Technologie diesen Samstag auf die Strasse. Auch im Kanton Zug gibt der Ausbau zu reden. Derzeit geht die Regierung mit einer Übergangsregelung den vorsichtigen Weg. Sie wappnet sich aber bereits für einen massiven Ausbau der Mobilfunkanlagen.

Selbstfahrende Autos, ein Filmdownload in Sekundenschnelle oder smarte Roboter in der Industrie: Das sind Beispiele von Neuerungen, mit denen der neue 5G-Mobilfunkstandard beworben wird. Mit grossen Kampagnen versprachen die Anbieter bald ein flächendeckendes Netz. Doch inzwischen sind die Bedenken in der Bevölkerung gewachsen.

Am kommenden Samstag wollen in zahlreichen Schweizer Städten Gegner der 5G-Technologie auf die Strasse gehen. Kritiker befürchten gesundheitliche Risiken und sammeln bereits Unterschriften für eine Volksinitiative.

Zug setzt weiterhin auf Übergangsregelung

Auch im Kanton Zug gibt das Thema zu reden. Gleich zwei Interpellationen dazu hat der Regierungsrat diese Woche beantwortet. Stand letzten Dezember sei noch keine adaptive Antenne bewilligt worden, wie sie für das 5G-Netz vorgesehen sind, schreibt der Regierungsrat in einer aktuellen Stellungnahme auf eine Interpellation von Pirmin Andermatt (CVP), Zari Dzaferi (SP) und Urs Andermatt (FDP).

Adaptive Antennen strahlen gezielt dorthin, wo sich der Nutzer befindet – im Unterschied zu herkömmlichen Anlagen, welche die Strahlung gleichmässig breit streuen. Dass in Zug noch keine adaptive Antenne in Betrieb ist, heisst aber nicht, dass noch kein 5G-Netz vorhanden ist (siehe Box).

«Der Regierungsrat schätzt, dass bei zirka 25 Prozent der bestehenden Anlagen ein Ausbau auf 5G erfolgen wird.»

Grundsätzlich ist der Kanton Zug aber zurückhaltend, was die Aufrüstung von Antennen betrifft. Bereits letzten Frühling hat die Baudirektion den Gemeinden empfohlen, Baugesuche für 5G-Antennen zu sistieren. Zumindest, wenn die Betreiber mehr als 80 Prozent der Leistung ausschöpfen (zentralplus berichtete).

Die Regierung geht aber davon aus, dass sich die Situation in den nächsten Wochen und Monaten ändern wird. Denn der Bedarf nach mehr Daten nimmt zu. «Der Regierungsrat schätzt, dass die Zahl der Mobilfunkanlagen wohl in den nächsten Jahren um rund 30 Prozent zunehmen und bei zirka 25 Prozent der bestehenden Anlagen ein Ausbau auf 5G erfolgen wird», hält er in seiner Antwort auf die Interpellation fest. 

Verwaltung wird aufgestockt

Damit die Verwaltung dies stemmen kann, wird das zuständige Amt für Umwelt befristet um 30 Stellenprozente aufgestockt – aber erst, wenn klar ist, wann es in Sachen 5G-Antennen weitergeht. Denn laut der Zuger Regierung muss der Bund zuerst die neuen Messverfahren bei adaptiven Antennen definieren. Erst dann könnten effektiv Messungen vorgenommen werden.

5G ist bereits verbreitet – in Miniversion

Innert kurzer Zeit um den Jahreswechsel hat sich die Zahl der 5G-Antennen in der Schweiz vervielfacht. Wer die Karte des Bundes ansieht (am Ende des Textes), dem fällt auf, dass mehrere davon auch im Kanton Zug stehen. Die Zunahme hat damit zu tun, dass Anbieter die Module auf ihren bestehenden Anlagen durch 5G-Module ersetzt haben, berichtete kürzlich der «Tages-Anzeiger». Solange die Sendeleistung und die Strahlungsbelastung an Orten mit empfindlicher Nutzung nicht steigen, ist dies ohne zusätzliche Bewilligung nötig. Zudem habe die Swisscom mit einem Software-Update dafür gesorgt, dass sie eine «Basis-Version» von 5G nutzen könne. Diese ist allerdings langsamer als die «richtige» 5G-Technologie. Im Kanton Zug ist die schnelle Version noch nirgends verfügbar.

Eigentlich erwartete die Zuger Regierung bis letzten Herbst Klarheit, doch die bestand Ende 2019 noch nicht. Eine Sprecherin des Bafu sagte Anfang Jahr gegenüber «CH Media», dass die Erarbeitung der Messhilfe komplexer sei als angenommen. Einen Termin konnte sie nicht nennen.

Moratorium ist für Zug keine Option

Für die Zuger Regierung ist derweil klar, dass auf kantonaler Ebene keine besondere Vorsorge nötig ist. Die Grenzwerte seien durch den Bund in der entsprechenden Verordnung abschliessend geregelt. Das trifft zumindest vorläufig zu, denn die Telecomanbieter drängen auf eine Anpassung der Werte. Trotzdem ist für den Zuger Regierungsrat klar: «Eine zusätzliche Strategie im Umgang mit 5G-Antennen ist weder zulässig noch notwendig», schreibt er in seiner Antwort auf eine zweite Interpellation der Kantonsräte Ivo Egger, Andreas Hürlimann und Anastas Odermatt (alle ALG).

Ein Moratorium, wie es insbesondere Kantone in der Westschweiz ankündigten, ist für die Zuger Regierung keine Option. Der Bund machte im Spätherbst ohnehin klar, dass das Thema in seiner Kompetenz liege, ein Gerichtsentscheid zur Frage liegt allerdings bislang nicht vor. «Ein Verbot oder ein Moratorium wäre auch aus Sicht des Regierungsrats nicht gerechtfertigt», hält der Zuger Regierungsrat fest. Man habe sich an die rechtlichen Grundlagen zu halten. «Es ist aber wichtig, dass die gemeindliche Bewilligungspraxis im Kanton Zug möglichst einheitlich gehandhabt wird.» Mit der internen Weisung von letztem Frühling ist das – vorerst – gewährleistet.

Anbieter drücken aufs Gas

Was allfällige gesundheitliche Bedenken betrifft, verweist die Zuger Regierung auf eine Studie des Bundes vom letzten November. Diese vermochte die breiten Hoffnungen auf einen Befreiungsschlag allerdings nicht zu erfüllen, da die über 100-seitige Auslegeordnung etliche Fragen offen lässt.

Zwar halten die Experten fest: Es gibt keine wissenschaftlich konsistenten Beweise dafür, dass die 5G-Technologie gesundheitlich schädlich sei, wenn die Strahlung unter den bisherigen Grenzwerten liegt. Was hingegen womöglich künftig genutzte Frequenzen, sogenannte Millimeterwellen, betrifft, seien die gesundheitlichen Effekte nicht abschliessend geklärt. In der Schweiz dürfen Handyantennen aufgrund des Vorsorgeprinzips deutlich weniger stark strahlen als in umliegenden Ländern. Doch die Mobilfunkbetreiber drängen auf eine Anpassung der Grenzwerte, um schneller und günstiger eine breite 5G-Versorgung anbieten zu können. Der Ball liegt nun in Bundesbern.

Die folgende Karte des Bundes zeigt die Standorte von 5G-Antennen und ihre jeweilige Sendeleistung:

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