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Zug schirmt sich von 5G ab, bis der Bund Klartext redet
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Noch ist in Zug seine solche 5G-Antenne zu sehen. Das könnte sich jedoch bald ändern. (Bild: Adobe Stock)

Kanton und Gemeinden wollen kein Risiko eingehen Zug schirmt sich von 5G ab, bis der Bund Klartext redet

4 min Lesezeit 4 Kommentare 13.08.2019, 04:24 Uhr

Während andere Kantone schon Dutzende von 5G-Handyantennen auf ihren Dächern stehen haben, ist man in Zug zurückhaltend gegenüber der neuen Technologie. Abwarten, so heisst die Devise der Regierung. Trotzdem flattern hier und dort immer wieder Baugesuche in die Gemeinden.

Im Kanton Bern wimmelt es davon. In Zürich ebenfalls. In Zug hingegen: gähnende Leere. Keine einzige 5G-Antenne existiert im Kanton, wie man der Standortkarte des Bakom entnehmen kann.

Die Swisscom würde diesen Umstand gerne ändern. Erst kürzlich hat die Telecom-Anbieterin ein Baugesuch eingereicht, um an der Landhausstrasse 21 in Baar eine 5G-Antenne zu realisieren.

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Dass das Projekt auf Widerstand in der Bevölkerung stiess, ist wenig überraschend, befindet sich die Adresse doch unmittelbar neben dem Spital und dem Pflegeheim und daher in einer besonders sensiblen Zone.

Angst vor Gesundheitsschäden

Die Befürchtung der Einsprecher: Durch den Bau der Antenne würden für die im Einspracheperimeter lebenden Einwohner «wesentliche persönliche Rechtsgüter, wie beispielsweise die Gesundheit, bedroht».

Die Karte des Bundes zeigt die Standorte der 5G-Antennen:

Die Gesuchsstellerin Swisscom habe die Absicht, an der Spitze des technologischen Fortschritts zu bleiben. Gleichzeitig behaupte sie, dass die 5G-Technologie im Interesse der breiten Bevölkerung sei.

Das sehen die Einsprechenden anders. Es handle sich um eine «kleine Minderheit», 5G habe kaum einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Vielmehr bestünde das öffentliche Interesse darin, durch die 5G-Technologie keine gesundheitlichen Einbussen zu erleiden, «welche die Lebenserwartung merklich verkürzen könnten». Gerade in der Umgebung mit Kantonsspital und Pflegeheim sei es besonders wichtig, Lärm- und andere Immissionen zu vermeiden.

Noch fehlen amtliche Messgrundlagen

Ausserdem beanstanden die Gegner, dass es keine klaren Messwerte gebe, an denen man sich orientieren könne. Es folgen viele weitere Begründungen der Gegnerschaft, warum man die besagte 5G-Antenne in Baar verhindern müsse.

Es ist nicht nur ein einzelner überbesorgter Bürger, der sich in Baar vor 5G fürchtet. Es sind insgesamt 48 Unterzeichnende, welche sich in zwei Sammeleinsprachen gegen das Anliegen aussprechen. Und die Gehör finden.

Bis der Bund den angekündigten Bericht darüber veröffentlicht, ob 5G für Bevölkerung und Tiere schädlich ist, segnen wir keine Baugesuche ab.

Jost Arnold, Baarer Bauchef

Die Gemeinde Baar forderte die Swisscom Ende Juni auf, das Baugesuch zurückzuziehen. Der Grund: Das Amt für Umwelt des Kantons Zug hatte der Gemeinde mitgeteilt, dass das Gesuch könne so nicht bewilligt werden. Der Kanton hat nämlich festgelegt, dass 5G-Antennen an Orten mit empfindlicher Nutzung nicht zu mehr als 80 Prozent ausgeschöpft werden dürfen. Dies so lange, bis geeignete Messverfahren definiert sind.

Auf gut Deutsch: Mit der beantragten Antenne würden die vom Kanton bewilligbaren Werte überschritten. Der Baarer Bauchef Jost Arnold sagt dazu: «Bis der Bund den auf Herbst 2019 angekündigten Bericht darüber veröffentlicht, ob 5G für Bevölkerung und Tiere schädlich ist oder nicht, segnen wir keine Baugesuche ab.»

Salt ist bereits in den Startlöchern

Jost Arnold könne die Bedenken der Bevölkerung sehr gut nachvollziehen. Das sistierte Baugesuch ist jedoch nicht das einzige, das in der Pipeline steckt. Ein weiteres Baugesuch für eine 5G-Antenne werde in wenigen Wochen ausgeschrieben, weiss Arnold. Dies jedoch nicht von der Swisscom, sondern Medienberichten zufolge von der Firma Salt.

Auch in anderen Zuger Gemeinden sieht man sich mit Baugesuchen für 5G-Antennen konfrontiert. «Swisscom hat angekündigt, demnächst ein Gesuch einzureichen», erklärt etwa Ruedi Knüsel, Bauchef der Gemeinde Risch-Rotkreuz auf Anfrage.

Auch in Risch ist man verunsichert

Weil man auch dort besorgt ist über die neue Technologie, hat sich die Gemeinde Risch-Rotkreuz Anfang Juli mit einem Schreiben an die Kantonsregierung gewendet. «Wir halten es für eminent wichtig, dass die Gemeinden möglichst zeitnah über neue Entwicklungen orientiert werden», so der Gemeinderat. Ausserdem wünsche man sich, dass die Handhabung der Vorschriften möglichst bald abgeklärt werde.

Es ist ein Wunsch, den auch der Regierungsrat hegt. «Der Bund muss klar festlegen, wie wir die Einhaltung der Grenzwerte überprüfen müssen», sagt Baudirektor Florian Weber. Angedacht ist, dass der Bund die Kantone kommenden Herbst genauer informiere. Bis dahin sei Vorsicht geboten.

Baugesuche trotz unattraktiver Auflage

Florian Weber sagt: «Es kann sein, dass die Gemeinden heute Bewilligungen erteilen würden und später, nach der Veröffentlichung der Messvorgaben durch den Bund, feststellen, dass die gesetzlichen Grenzwerte nicht eingehalten werden. Dann wäre der ganze Aufwand für die Katze.»

«Telekom-Anbieter können zwar auch aktuell Baueingaben machen, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass sie höchstens 80 Prozent der möglichen Leistung ausschöpfen.» Laut Weber ist dies «eine Auflage, die für Anbieter nicht sehr attraktiv ist».

Offenbar aber auch nicht so unattraktiv, dass sich Swisscom, Salt und Co. davon abhalten lassen würden, Baugesuche einzureichen.

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4 Kommentare
  1. De Salvo, 14.08.2019, 12:33 Uhr

    Für alle die es noch nicht wissen oder wahrhaben wollen: 5G (so wie auch schon 2G/4G) ist eine potente Mikrowellenstrahlung, die sämtliche Lebewesen (Mensch, Pflanze, Tier) auf zellulärer Ebene schädigt!!! Wollen wir wirklich noch mehr Risiken eingehen und mehr Krebs, Demenz, Autoimmunerkrankungen usw. heraufbeschwören?
    Soll sich jeder mal die Frage stellen, für was das 5G gut sein soll? Um schneller zu surfen???? Blödsinn und unverantwortlich, wer so denkt. Verantwortung übernehmen für sich und die nächsten Generationen, diese Einstellung sollte kultiviert werden!!! Alles andere ist naiv! Von wegen intelligente Spezies! Der Mensch ist so verblödet, dass er nicht mal erkennt, dass er sein eigenes Grab schaufelt…!

    1. Redaktion Christian Hug, 14.08.2019, 12:43 Uhr

      Befürchtungen bestehen zu Recht. Belastbare Beweise für die Gesundheitsgefährdung scheint es jedoch bis heute nicht zu geben. Wir empfehlen zu dieser Frage den folgenden Artikel

  2. Mathias Habermacher, 13.08.2019, 10:34 Uhr

    5G bietet keinen Mehrwert? Wer hat dies nicht auch schon bei 3G und 4G, beim Internet, dem TV usw gesagt. Die Grenzwerte ändern sich ja nicht.
    Ich versteh diese Leute nicht. Kein Wunder, werden die oft mit den Aluhutträgern, Flacherder und Impfgegnern in einen Topf geworfen.

    1. Stefan Flury, 16.08.2019, 14:09 Uhr

      5G bietet die 10 fache Datenmenge von 4G und bietet gleichzeitig viel kürzere Latenzzeiten als 4G. Quelle: https://www.5g-anbieter.info/speed/5g-ping.html
      Der Bund hat die Frequenzbänder für rund 380 Mio. an die Telekomanbieter versteigert.
      Und nun dürfen Sie diese nicht nutzen. Das ist in etwa wie wenn sie ein Auto kaufen und man zwingt sie dieses Auto auf unbestimmte Zeit nicht zu fahren. (materielle Enteignung)
      Die Strahlengrenzwerte sind übrigens dieselben, wie sie schon viele Jahre existieren. Quelle hier: https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/elektrosmog/fachinformationen/massnahmen-elektrosmog/elektrosmog–die-grenzwerte-im-ueberblick.html#-2030544217