Das sagt der Kanton Luzern dazu Stadtpark auf der Autobahn: Kriens hofft auf grünes Bypass-Dach

6 min Lesezeit 17.06.2020, 18:03 Uhr

Das Autobahngrossprojekt Bypass könnte für die Stadt Kriens städtebaulich heilsam sein. Dazu bräuchte es jedoch einen kostspieligen Tunnel. Sogar der Kanton unterstützt das Anliegen inzwischen – solange der Bypass dadurch nicht gefährdet wird. Hier gibt’s die wichtigsten Antworten zur neuen Ausgangslage.

Oben Stadtpark, unten Autobahn: So lautet die Vision der Stadt Kriens im Zusammenhang mit dem Bypass. Am Mittwoch hat der fünfköpfige Stadtrat seine Wünsche für das Autobahngrossprojekt präsentiert.

Die städtebauliche Vision namens «Chance Bypass» zeigt, wie das betroffene Gebiet trotz der achtspurigen Strasse attraktiver werden könnte: Grün statt grau, zeitgemäss statt traditionell und mit Natur statt Lärm. Denn für Kriens ist klar: Der Bau einer Autobahn im Stadtgebiet muss sich heute dem urbanen Kontext anpassen (zentralplus berichtete).

Hier findest du die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Ausgangslage:

1. Was will die Stadt Kriens?

Konkret soll ein Abschnitt von rund 940 Metern zwischen den Grosshofbrücken und dem Tunnel Schlund überdacht werden. Dieser Megatunnel würde die heute durch die Autobahn getrennten Stadtteile miteinander verbinden. «Städtebaulich haben wir heute auf beiden Seiten der Autobahn ein totes Ende», sagte Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) am Mittwoch. Der Stadtrat spricht deshalb von einer «Stadtreparatur».

Auf dem Deckel stellt sich Kriens einen Stadtpark vor, der Platz bietet für Freizeiträume, Familiengärten und Spielplätze. Gerade auch dem boomenden Luzern-Süd-Quartier würde das zu einem wunderbaren Grünraum verhelfen.

2. Was ist die Chance Bypass?

«Chance Bypass» lautet der Titel einer städtebaulichen Vision. Sie umfasst im Kern eine komplette Einhausung der Autobahn zwischen dem Sonnenberg- und dem Schlundtunnel. Davon erhofft sich Kriens weniger Lärm und mehr Lebensqualität. Mit der Bezeichnung «Chance» will Kriens explizit zum Ausdruck bringen, dass man keine Fundamentalopposition gegen die Autobahn betreibt.

So unterscheiden sich die aktuellen Pläne von der Vision der Krienser (Blick vom Sonnenbergtunnel Richtung Schlund, Cursor nach links oder rechts schieben):

Die Tunnelidee ist nicht neu, sondern steht schon lange auf dem Wunschzettel der Krienser. Der Bund ist dem aber nur ein Stück weit nachgekommen, indem er einwilligte, ein 240 Meter langes Stück bei den Grosshofbrücken zu überdachen. Der Rest der Strecke soll offen geführt werden.

3. Wie viel kostet das Ganze?

Ein Preisschild hat der am Mittwoch präsentierte Vorschlag nicht. Denn es handelt sich nicht um ein Vorprojekt, sondern erst um eine Vision.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) hat die Kosten einer kompletten Überdachung zu einem früheren Zeitpunkt auf 700 Millionen Franken geschätzt. Laut dem Krienser Stadtpräsidenten Cyrill Wiget ist diese Schätzung indes nicht zugunsten von Kriens ausgefallen.

Für den Stapi ist aber klar, dass die Stadt eine Überdachung niemals selber stemmen kann. «Wir brauchen dazu den Kanton und den Bund. Doch wir sind ja nicht die Verursacher des Projekts.» Man sei zudem bereit zu Kompromissen, wenn – aus technischen oder finanziellen Gründen – nicht der ganze Abschnitt eingehaust werden könne.

4. Wer unterstützt Kriens?

Das überparteiliche Komitee «Bypass, so nicht» setzt sich schon seit Jahren dafür ein, dass das «Jahrhundertprojekt nicht zu einer Jahrhundertschande» wird, wie es Präsident Räto Camenisch formulierte. Lange stand der Widerstand öffentlich im Schatten des Stadtluzerner Kampfes gegen die Spange Nord. Inzwischen ist das Engagement aus Kriens breiter abgestützt.

«Wir sind nicht allein.»: Diese Worte sagte Stadtpräsident Cyrill Wiget am Mittwoch mehr als einmal. Er spüre grossen Rückhalt in der Region.

Der Krienser Stadtrat und Krienser Kantonsräte engagieren sich gemeinsam.

So war zum Beispiel Armin Camenzind vom Gemeindeverband Luzernplus anwesend. «Die verbindende Autobahn ist hier ein trennendes Element. Das ist nicht im Sinn der Region.»

Auch auf die Unterstützung der Stadt Luzern kann Kriens zählen. «Eine stadtverträgliche Lösung ist auch in unserem Interesse», sagte Daniel Meier, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Luzern. Nicht zuletzt wegen der Nähe zum Südpol und zur Hochschule Musik. «Wir sind solidarisch mit den Forderungen von Kriens», so Meier.

Hinter den politischen Kulissen weibelt Kriens auch in Bundesbern. Ein grosser Teil der Luzerner Nationalräte sei bereit, ein Schreiben an das Astra zu unterzeichnen, frohlockte Wiget.

5. Wie steht der Kanton dazu?

Für Kriens ist klar: Ohne den Kanton im Boot wird das Anliegen der Gemeinde in Bundesbern kaum erhört. Die Stadt setzt grosse Hoffnungen in den neuen Luzerner Baudirektor Fabian Peter (FDP). Erste Gespräche haben bereits stattgefunden.

«Der Kanton Luzern ist an einer einvernehmlichen Lösung interessiert und insoweit bereit, das Anliegen der Stadt Kriens zu unterstützen», sagt Sprecherin Judith Setz. «Für den Kanton ist allerdings die Realisierung des Projekts Bypass zentral, welches weder gefährdet noch verzögert werden darf.» Zusätzlich prüfe man die Schaffung rechtlicher Grundlagen für eine allfällige finanzielle Mitbeteiligung an flankierenden Massnahmen zum Bypass. Der Kantonsrat hat in der Mai-Session ein entsprechendes Postulat überwiesen.

Der Kanton Luzern habe grundsätzlich Verständnis für das Anliegen der Stadt Kriens, dass die negativen Auswirkungen der Autobahn auf die Standortgemeinden gemildert werden sollen. «Inwieweit die Vision ‹Chance Bypass› baulich, technisch, verkehrlich, raumplanerisch und finanziell machbar ist, wird noch detailliert zu prüfen sein», so Setz.

6. Wie stark dürfen die Krienser hoffen?

Das ist derzeit schwierig abzuschätzen. Zuversichtlich stimmen die Krienser die Fälle anderer Gemeinden. So hat etwa die zürcherische Gemeinde Weiningen vor Bundesgericht erfolgreich für eine Überdeckelung gekämpft (zentralplus berichtete). Auch in Schwamendingen werde ein Autobahnstück eingehaust, sagte Wiget.

Für den Krienser Bauvorsteher Matthias Senn ist zudem klar, dass der Zeitpunkt ideal ist. Denn der Grosshof werde mit dem Bau des Bypasses ohnehin für über zehn Jahre zur riesigen Baustelle. «Wenn nicht jetzt, wird diese Einhausung wohl für die nächsten 50 Jahre kein Thema mehr sein.» 

Öffentliche Führungen

Am 24. und 29. Juni führen Baufachleute interessierte Personen über das Areal und klären über das Autobahnprojekt sowie die Vision «Chance Bypass» auf. Anmelden kannst du dich unter www.chance-bypass.ch.

Ob der Bund – zumindest teilweise – einlenken wird, muss sich zeigen. Der Krienser Stadtrat ist jedenfalls gewillt, rechtlich für seine Forderung einzustehen. Zwar ungerne, wie Stadtpräsident Cyrill Wiget sagte. «Doch wir brauchen ein Druckmittel, damit man uns in Bern ernst nimmt.» 

7. Wie geht es nun weiter?

Die städtebauliche Vision will die Stadt Kriens nun dem Astra und Verkehrsministerin Simonetta Sommaruga unterbreiten.

Parallel dazu wird Kriens im Rahmen der derzeit laufenden Planauflage des Ausführungsprojekt Einsprache erheben.

Das Projekt Bypass in Kürze

Wer mit dem Auto unterwegs ist, kennt die Situation: Vor Luzern trifft bei der Verzweigung Rotsee der Verkehr der nationalen Nord-Süd-Achse A2 sowie der A14 von Zürich/Zug zusammen – oft kommt es zu Staus und Überlastungen. Weil der Verkehr in Zukunft gemäss Einschätzungen des Bundes noch zunehmen dürfte, will man mit dem Gesamtsystem Bypass Abhilfe schaffen.

Geplant ist ein neuer Tunnel auf 3,5 Kilometern Länge, das Kernelement des Bypass, mit zwei Röhren à je zwei Spuren. Die heutige A2 zwischen der Verzweigung Rotsee und dem Anschluss Luzern-Kriens wird anschliessend zur Stadtautobahn: Sie soll künftig vor allem den regionalen Verkehr der engeren Agglomeration schlucken, während der Bypass-Tunnel für den Durchgangsverkehr vorgesehen ist:

Der neue Bypass-Tunnel (rot) und die bisherige A2, die zur Stadtautobahn wird (violett).

Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,8 Milliarden Franken. Frühester Baustart ist 2023 – die Bauzeit beträgt rund 12 Jahre. Derzeit und noch bis am 7. Juli ist die öffentliche Auflage im Gang.

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