Sport
Trainingsstart um zwei Wochen verschoben

Hoffnung für FCL: Swiss Olympic macht Druck wegen Kurzarbeitsentgelt

FCL-Trainer Fabio Celestini (schwarzer Trainingsanzug) braucht noch mehr Geduld, bis er mit seinen Profis wieder arbeiten kann. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Wer das Mannschaftstraining aufnimmt, muss auf Kurzarbeitsentschädigung verzichten: Der Entscheid des Staatssekretariats für Wirtschaft veranlasst den finanziell in engen Hosen steckenden FC Luzern, den Trainingsstart auf den 25. Mai zu verlegen. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Eigentlich wollte FCL-Trainer Fabio Celestini seine Mannen am Montag zum ersten Mannschaftstraining seit acht Wochen begrüssen (zentralplus berichtete). Aber das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) durchkreuzte den Plan mit seinem Entscheid, dass für Fussballvereine ab dem Tag, an dem das gemeinsame Training wieder aufgenommen wird, der Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung entfällt.

Die Mehrheit der 20 Klubs in den beiden höchsten Schweizer Spielklassen lebt – man möge den Ausdruck verzeihen – von der Hand ins Maul. Die Corona-Krise hat diese Arbeitgeber in einen wirtschaftlichen Überlebenskampf gedrängt. Und die Befürchtung, dass der eine oder andere Fussballklub in den Bankrott steuern wird, wächst mit jeder Woche ohne Einnahmen aus dem Ticketverkauf und dem Sponsoring.

Als Teil der Unterhaltungsindustrie nehmen die Profivereine eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft ein. Aber sie haben keine Lobby in Bundesbern.

Swiss Olympic setzt sein politisches Gewicht ein

Trotzdem sind sie ihrem Schicksal nicht einfach ausgeliefert. Es gibt Hoffnung: Dem Vernehmen nach hat sich Swiss Olympic im Verlauf des Freitagabend stark gemacht für die Profi-Vereine.

Den Entscheid des Seco betreffend Kurzarbeit will Swiss Olympic nicht tatenlos hinnehmen. Der mächtige Sportverband setzt sein politisches Gewicht bei den Entscheidungsträgern in Bern dafür ein, dass die finanzielle Not der Profi-Betriebe gelindert wird. Übers Wochenende soll an einer akzeptablen Lösung gearbeitet werden.

Für den FCL zählt jeder Rappen

Auch der FCL ist in den Überlebenskampf involviert und auf jeden Franken angewiesen. Zwar sind ihm die Kicker mit einem Lohnverzicht entgegengekommen (zentralplus berichtete). Aber das reicht nicht aus, um die Zahlungsfähigkeit des Arbeitgebers über längere Zeit zu sichern.

Jeder Rappen zählt: Darum bleibt dem FC Luzern schier nichts anderes übrig, als den Trainingsstart vorerst um zwei Wochen zu verschieben. Damit der Staat wenigstens einen Teil der Saläre weiterhin übernimmt.

Wie ein Mantra hat die operative Führung der Luzerner in den letzten Tagen und Wochen wiederholt, dass es ohne externe Hilfe nicht gehe. Darum wird die Wahrscheinlichkeit immer grösser, dass die zerstrittenen FCL-Aktionäre in der Not einspringen müssen (zentralplus berichtete).

Stabilisierungsfonds wird unwahrscheinlich

Warum aber will der FCL sein Training am 25. Mai wieder aufnehmen? Das sind zwei Tage vor der nächsten Bundesratssitzung, aus der hervorgeht, wie der dritte Schritt aus dem Lockdown auf der Basis der Corona-Infektionsrate aussehen soll. Und vier Tage vor der ausserordentlichen Generalversammlung der Schweizer Fussball-Liga, die letztlich über die Fortführung oder den Abbruch der Meisterschaft bestimmt.

Den neuen Termin für die Rückkehr der Spieler ins Mannschaftstraining erklärt die FCL-Führung so: «Wir brauchen gut drei Wochen Vorbereitungszeit, um für eine Wiederaufnahme der Meisterschaft bereit zu sein.»

Am 20. Juni, so hat es die Liga am Donnerstag kommuniziert, wäre der erste Spieltag bei einer Wiederaufnahme des Meisterschaftsbetriebes. 13 Spieltage in der Meisterschaft und 3 Cup-Runden müssten bis Ende August ausgetragen werden können.

Klar ist: Der FCL, der für einen Saisonabbruch votiert, lässt sich alle Optionen offen. Der Luzerner Klubleitung wird bewusst sein, dass sie kaum mit externer Hilfe, zum Beispiel mit einem Stabilisierungsfond für den Schweizer Spitzenfussball, rechnen kann, wenn Swiss Olympic beim Seco schon bei viel kleineren Geldbeträgen intervenieren muss.

Eishockey ist grossen Schritt voraus

Allerdings darf man sich nichts vormachen: Der Schweizer Fussball trägt eine Mitschuld an dieser vertrackten Situation. Weil er sich da selber hineinmanövriert hat.

Ein Vergleich mit der in der Schweiz zweitwichtigsten Sportart macht klar: Das Schweizer Eishockey hat am 12. März einen schmerzhaften Schritt vollzogen, als mit den Playoffs die entscheidende Phase der Meisterschaft abgesagt wurde.

Die Klubs hätten den Entscheid auch hinauszögern können. Stattdessen konzentrieren sie sich bereits darauf, ein optimales Konzept für die nächste Saison und die unmittelbare Zukunft zu entwerfen.

Das befreit die Eishockey-Klubs zwar nicht von finanziellen Sorgen in der Corona-Krise. Aber sie haben ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen.

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