FCL-Knatsch geht in nächste Runde

Happige Vorwürfe gegen FCL-Ehrenpräsident – dieser wehrt sich

Gegen FCL-Ehrenpräsident Walter Stierli werden schwere Vorwürfe erhoben. (Bild: srf.ch)

Seit dem zentralplus-Interview Bernhard Alpstaegs schien der Aktienstreit im FCL auf Eis gelegt. Doch nun sollen neue Beweise vorliegen, die Walter Stierli belasten. Er war es, der Alpstaeg zur zwischenzeitlichen Aktienmehrheit verholfen hatte.

Der Streit um die Macht im FC Luzern ist älter als die aktuelle Posse rund um Bernhard Alpstaeg, die im Herbst 2022 eskaliert ist und momentan die Luzerner Gerichte beschäftigt (zentralplus berichtete). Im Dezember 2022 verlor Alpstaeg seine Aktienmehrheit von 52 Prozent. Der FCL machte ihm 25 Prozent seiner Aktien strittig. Diese hat ihm Walter Stierli auf «möglicherweise strafrechtlich relevante» Art und Weise verkauft. Die damalige Transaktion zwischen Stierli und Alpstaeg war denn auch Gegenstand einer Strafanzeige gegen Bernhard Alpstaeg (zentralplus berichtete). Ein weiterer Vorwurf, der im Raum steht: Das Vorkaufsrecht der damaligen Mitaktionäre Alpstaegs sei umgangen worden.

Die sogenannte «Triple-S-Gruppe» rund um Samih Sawiris, Marco Sieber und Hans Schmid waren ebendiese Mitaktionäre und Teil des ursprünglichen Aktienstreits. Schliesslich verkauften sie Anfang 2021 ihre Aktien an Josef Bieri, der nebst dem damaligen Mehrheitsaktionär Alpstaeg als einziger (Minderheits-)aktionär übrig blieb (zentralplus berichtete). Marco Sieber und Hans Schmid sollen nun belastendes Material gegen Walter Stierli und dessen Aktienverkauf an Alpstaeg vorgelegt haben, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt.

Alpstaeg und Stierli planten Aktienmehrheit von Anfang an

In einem Interview mit der «LZ» machte Alpstaeg Anfang Jahr keinen Hehl daraus, dass er und Stierli von Anfang an eine Aktienmehrheit angestrebt hätten. Diese Aussage soll Sieber und Schmid dazu bewogen haben, nochmal an die Öffentlichkeit zu treten. Gemäss ihnen soll der FCL nie eine Chance gehabt haben, ein geeinigtes Aktionariat zu bekommen, um sich in Ruhe zu entwickeln.

«Hätten wir vom hinterhältigen Plan zur heimlichen Mehrheitsübernahme gewusst, wir hätten nie einen Rappen investiert. Neben den Aktionären wurden auch die Öffentlichkeit und die Fans die ganzen Jahre bewusst getäuscht» sagt Sieber nun gegenüber der «Luzerner Zeitung».

Hat sich Stierli bereichert?

Sieber bestreitet zudem, dass Ehrenpräsident Walter Stierli – anders, als immer behauptet – den FCL als ehrenamtlicher Präsident geführt habe. An der GV des FCL-Donatorenvereins «Club der 200» war dieser Punkt Thema in einem «Duell der Wortmeldungen» zwischen Stierli und Sieber.

Vielmehr soll Walter Stierli sich am FCL bereichert haben, wie Recherchen der Fanbewegung «Zäme meh als 52 Prozänt» bereits im Dezember 2022 zeigten und die «LZ» nun ausführt. In seine Amtszeit fiel die Gründung der FCL Holding AG im Jahr 2005. Dabei schenkte Stierli Alpstaeg 26 Prozent der Aktien und sich selbst 25 Prozent. Weitere Aktien verschenkte er an die «Gruppe Rigi», bestehend aus Mike Hauser, Stierlis Nachfolger, dem damaligen FCL-CEO Thomas Schönberger und Stierli selbst. Die «Gruppe Rigi» verkaufte ihre Aktien 2011 mehrheitlich an Marco Sieber. Für rund 1,05 Millionen Franken.

Geld floss in den FCL – aber bald wieder hinaus

Einen Teil des Erlöses liess die «Gruppe Rigi» in den FCL zurückfliessen: 600'000 Franken. Doch dieses Geld blieb nicht lange im Club. 2012 wurde zur Finanzierung von Spielern ausserhalb des FCL-Budgets die Löwen Pool AG gegründet. Neun Aktionäre waren dabei – auch die «Gruppe Rigi», wie die «Luzerner Zeitung» schreibt. In die Löwen Pool AG eingekauft hat sich ebendiese «Gruppe Rigi» mit einer «Aktienkapitalbevorschussung» des FCL im Umfang von 650'000 Franken. Das Geld sei gemäss den Belegen Siebers nie zurückbezahlt worden, schreibt die «LZ» weiter.

Als Wirtschaftsprüfer der «KMPG» 2015 eine sogenannte Due-Diligence-Kontrolle beim FCL durchführten, seien diese Vorgänge ans Licht gekommen. Marco Sieber betont gegenüber der «LZ»: «Die Zusammenhänge von Rigi-Gruppe und Löwen Pool AG sind nachweislich klar. Mike Hauser hatte sein Geld unaufgefordert sofort zurückbezahlt und alles offengelegt.» Nicht so Walter Stierli. Ihn habe der FCL deshalb 2014 wegen Veruntreuung anzeigen wollen. «Als Kompromiss schlugen wir vor, er solle seine 25 Prozent an den FCL übertragen lassen. Die Aktien hätten dann für rund 7,5 Millionen Franken an neue Aktionäre weiterverkauft werden können, das Geld wäre dem FCL zugutegekommen.»

Doch sei dies am Widerstand Bernhard Alpstaegs gescheitert. Hans Schmid erklärt: «Erst heute realisieren wir, warum. Denn mit unserem Vorschlag wäre sein Plan, die Mehrheit beim FCL zu erlangen, nicht mehr möglich gewesen.» 2015 übernahm Bernhard Alpstaeg die Aktien Stierlis für 500’000 Franken und wurde Mehrheitsaktionär. «Alpstaeg hatte Walter Stierli nach dem Fall ‹Rigi Gruppe› regelrecht in der Hand und konnte sich so die Aktien billig sichern», zeigt sich Marco Sieber in der «LZ» überzeugt. Der Ursprung des Aktionärsstreits.

Gemäss Kalkulationen von Sieber und Schmid seien dem FCL durch die verschenkten Aktien von fast 52 Prozent aufgrund des Verhaltens von Stierli und Alpstaeg mehr als 15 Millionen Franken entgangen. Anstelle von knapp 30 Millionen Franken seien durch FCL-Aktien nur rund 14,4 Millionen Franken generiert worden.

Walter Stierli streitet Vorwürfe ab

Gegenüber der «Luzerner Zeitung» bestreitet Walter Stierli via seinen Anwalt Cyrill Lauper die Vorwürfe gegen ihn. Die Vorwürfe seien ehrverletzende, haltlose und auf unvollständigen Unterlagen basierende Behauptungen. Zudem ist gemäss Lauper kein Grund ersichtlich, «so detailliert über diese mehr als zehn Jahre zurückliegenden Transaktionen zu sprechen», wie die «LZ» schreibt.

«Alle Organe und Aktionäre sind über diese Transaktionen damals nachweislich stets im Bilde gewesen. Es liegen entsprechende Beschlüsse, Protokolle und Aktienbücher vor, welche diese anwaltlich begleiteten und revidierten Transaktionen bestätigen», sagt Lauper im Blatt weiter. Die Vorgänge rund um die «Gruppe Rigi» nach Vorlage des Due-Diligence-Berichtes der KPMG von der FCL Holding AG sei gar mit Beschluss vom 13. Mai 2015 des Verwaltungsrats unter der Führung des damaligen VR-Präsidenten Marco Sieber «ad acta» gelegt und «als erledigt» erklärt worden.

Aktien für «Gruppe Rigi» wegen «enormer Arbeitsbelastung»

Bereicherung statt ehrenamtliches Engagement: Stierlis Anwalt widerspricht in der «Luzerner Zeitung» vehement. «Im Vergleich zur heutigen Führung hat Walter Stierli somit auf Lohn- und Sozialleistungen von zirka 2 Millionen Franken verzichtet. Für zusätzliche Arbeiten und Aufwendungen für das Baumanagement für Stadion und Akademie, als Abgeltung von Überzeit für die Stadion- und Akademieentwicklung, Betreuung der Projekte sowie für die Suche von weiteren Unterstützern und Sponsoren wurde offiziell an die drei Gesellschafter der Gruppe Rigi als vergleichsweise tiefe Entschädigung für die enorme zusätzliche zeitliche Arbeitsbelastung ein kleiner Aktienanteil der FCL Holding AG abgetreten», sagt er.

Betont werde von Lauper gemäss der «LZ», dass es sich bei diesen Anteilen der FCL Holding AG nachweislich um die eigenen Aktien von Stierli gehandelt habe. «Walter Stierli hat die FCL Holding AG im Jahre 2005 aus eigenen Mitteln gegründet, was auch die entscheidende Tatsache erklärt, dass sämtliche Aktien der FCL Holding AG ursprünglich im Eigentum von Walter Stierli waren und er folglich über diese Aktien immer auch verfügen konnte und durfte.»

Entschädigung sei im Rahmen gewesen

Stierlis Anwalt führt an, dass die Entschädigungen der «Gruppe Rigi» im Umfang von 600'000 Franken auf vier Jahre und drei Personen verteilt absolut im Rahmen seien. Auch dass der FCL den Mitgliedern der «Gruppe Rigi» den Einkauf in die Löwen Pool AG bezahlt habe, stimme nicht. «Tatsache ist, dass die Löwen Pool AG am 26. Juni 2012 durch die FCL Innerschweiz AG und nicht wie behauptet durch meinen Mandanten gegründet wurde. Die von Herrn Sieber beanstandete Überweisung von 650’000 Franken war das gesamte Gründungskapital der Löwen Pool AG, welches, wie in solchen Fällen üblich, von der Gründerin FC Luzern Innerschweiz AG auf das Aktieneinzahlungssperrkonto der Löwen Pool AG überwiesen wurde», sagt er im Bericht der «LZ».

Wollte der FCL tatsächlich gegen Stierli vorgehen?

Wie die Zeitung weiter schreibt, bestreitet Stierlis Anwalt Lauper auch, dass nach Aufdeckung der Machenschaften der «Rigi Gruppe» eine Strafanzeige gegen Stierli geprüft worden sei. Diese Aussage sei falsch. «Das Handeln meines Mandanten war stets im Sinne des FCL und rechtlich, wie mehrfach bestätigt und belegt, korrekt», so Lauper.

Bernhard Alpstaeg soll Walter Stierli gemäss der «Luzerner Zeitung» in der Hand gehabt haben, was Stierli dazu gebracht habe, Alpstaeg seine 25 Prozent der FCL-Aktien günstig für 500'000 Franken zu verkaufen. Als «nachweislich falsch» bezeichnet Lauper diesen Vorwurf.

Tatsache sei, dass Bernhard Alpstaeg «seit seinem Einstieg 2007 den FCL finanziell sehr grosszügig unterstützt und den FCL seither nachweislich in andere Sphären gebracht hat», sagt der Anwalt gegenüber dem Blatt. Tatsache sei auch, dass Walter Stierli bereits bei dessen Einstieg beim FCL 2007 und 2010 mit Alpstaeg einen Aktionärsbindungsvertrag betreffend ihre Aktien der FCL Holding AG abgeschlossen und dabei die Mehrheit für die Zukunft – zusammen 51 Prozent – langfristig abgesichert habe. Mit den neu gewonnenen Investoren sei dann am 11. Mai 2012 ein neuer Aktionärsbindungsvertrag mit den gleichen Beteiligungen von Walter Stierli (25 Prozent) und Bernhard Alpstaeg (26 Prozent) unterschrieben und mehrfach bestätigt. «Der Vorwurf der Täuschung von Sieber und Schmid ist deshalb nicht nachvollziehbar», so Lauper.

Es sei zu keinen Unstimmigkeiten oder Unregelmässigkeiten in Sachen Abgeltungen und beim Aktienverkauf gekommen. Alle Organe und Aktionäre seien über diese Transaktionen damals nachweislich stets im Bilde gewesen.

Update: In einer ersten Version des Artikels wurde nur am Rande auf die Stellungnahme von Walter Stierlis Anwalt Cyrill Lauper eingegangen. Die Aussagen Laupers wurden nun ergänzt.

Verwendete Quellen
  • Blog der Fanbewegung «Zäme meh als 52 Prozänt»
  • Artikel in der «Luzerner Zeitung»
  • Artikel in der «Luzerner Zeitung»
6 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon