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Schneuwly-Brüder streiten um die rote Laterne
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Einst Partner am Jasstisch, jetzt Gegner auf dem Fussballfeld: Christian und Marco Schneuwly bei der Fahrt zum Europacupspiel gegen Sassuolo im August 2016.  (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

FC Luzern: Sieg gegen Sion ist möglich Schneuwly-Brüder streiten um die rote Laterne

4 min Lesezeit 01.12.2017, 18:24 Uhr

Beim erfolglosen FC Luzern liegen die Nerven blank. Nicht so bei Mittelfeldspieler Christian Schneuwly, der am Samstag gegen seinen Bruder Marco Schneuwly antreten muss. «Es ist nicht das erste Mal», sagt er und bleibt cool. Vielleicht hat er recht: Nüchtern betrachtet sind die Chancen gegen Sion gar nicht so schlecht.

Sie haben den FC Sion schon zusammen abgeschossen: Die Schneuwly-Brüder, die einst in Bern, in Thun und zuletzt auch eineinhalb Jahre beim FC Luzern in der gleichen Mannschaft spielten. 2009 waren die beiden Freiburger bei den Young Boys. Marco schoss ein Tor, Christian ein zweites, am Schluss stand es 3:1 für YB – Constantin & Co. waren geschlagen.

Mittlerweile hat sich vieles geändert. Marco Schneuwly hat im Sommer nach Sitten gewechselt – und war einer der Abgänge, die der FC Luzern immer noch nicht so recht verkraftet hat. Bruder Christian indes, der einst auch wegen seinem Bruder auf die Allmend wechselte, ist immer noch in Luzern. Der 29-Jährige ist einer von wenigen Routiniers in einem Team voller Nachwuchshoffnungen.

«Wir werden sicher miteinander telefonieren»

Er steht am Freitag den Medien vor dem Spiel gegen Sion Red und Antwort. Anders als Trainer Markus Babbel, der über die lange Saison jammert und die «fehlenden Körner» vor der Winterpause beklagt, bleibt Christian Schneuwly cool. Er fühle sich gut, sagt er. Müde sei er nicht, die Moral der Mannschaft sei eigentlich intakt.

Alle wollen wissen, wie er sich vor dem Duell der Brüder fühlt – jetzt, da der FC Luzern die rote Laterne in den Händen hält und jeder Punktgewinn so wichtig wäre. Schneuwly bleibt vollkommen ruhig. «Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir gegeneinander spielen», sagt er. «Wir werden sicher vor dem Spiel miteinander telefonieren.» Sonst gebe man sich bedeckt, wie immer. «Wir nehmen unseren Beruf ernst», sagt Schneuwly.

Die Schwächen sind bekannt

Babbel ist da schon emotionaler. Ob er Angst habe, dass Knipser Marco Schneuwly, der einst so wichtige Treffer für Luzern markierte, den FCL weiter ins Elend schiesse, wird er gefragt. «Klar, Marco weiss schon, wo das Tor steht», sagt Babbel. Aber auf der andern Seite kenne man ihn beim FCL – seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Das sei sicher ein Vorteil. «Und ein Dribbelkönig ist er ja auch nicht», so Babbel.

«Ein Dribbelkönig ist Marco Schneuwly nicht.»

Markus Babbel

Der Bayer ist beredt und professionell wie immer: Sieht stets die Chance im Problem, das Positive in der Herausforderung. Findet lobende Worte für seine Mannschaft. Sagt: «die Jungs sind eigentlich bereit» und «oft fehlt uns wo wenig, um zum Erfolg zu kommen». Jetzt müsse man sich zusammenreissen, «die letzten Kräfte mobilisieren».

Wann ist endlich Pause?

Nur wenn er Erklärungen für den Misserfolg finden muss, wirkt Babbel mittlerweile ein wenig gequält. Erst waren es die vielen Verletzungen und die schmerzhaften Abgänge im Kader, über die er klagte. Seit der matten Vorstellung gegen Basel im Cup jammert Babbel nun über die lange Saison, die mit den Europacup-Spielen begann. «Niemand fängt so früh an wie wir in der Schweiz – und niemand hört so spät auf – das ist Wahnsinn.»

Man hat das Gefühl, dass Babbel selbst ein bisschen müde ist und sich die Winterpause herbeisehnt, wenn er vom Trainingslager spricht. Davon, wie lange er brauche, um die Spieler kräftemässig wieder auf Vordermann zu bringen. Wie ein Trainer, der demnächst mit seinem Rauswurf rechnet, wirkt er aber nicht.

FCL hat mehr Tore geschossen als Sion

Christian Schneuwly sagt Ähnliches wie sein Trainer. Aber es kommt anders rüber. Wenn Markus Babbel über die spielerischen Fortschritte spricht, die Sion mit dem neuen Trainer Gabri gemacht habe, dann klingt es so, als wolle er den nächsten Gegner starkreden – und sich mental vor einer erneuten Enttäuschung schützen.

Christian Schneuwly bleibt am Ball: Hier gegen Basels Blas Riveros im Cup.

Christian Schneuwly bleibt am Ball: Hier gegen Basels Blas Riveros im Cup.

(Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Bei Schneuwly klingt es, als bereite er sich auf eine Aufgabe vor, die angepackt und bewältigt werden will. Und vielleicht hat er mit seiner stoischen, ruhigen Herangehensweise auch recht: Sitten hat nur drei Punkte mehr als Luzern, die Walliser haben sogar noch weniger Tore geschossen – Marco Schneuwly hin oder her.

Das Jassquartett

Geknickt wirkt Christian Schneuwly jedenfalls nicht. Auch wenn er mit dem Seeländer François Affolter im Sommer den zweiten Teamkollegen neben Bruder Marco verloren hat, der aus der gleichen Gegend kommt. Die drei waren viel zusammen, Marco war Christians Jasspartner auf den Fahrten zu den Auswärtsspielen. «Ich jasse im Bus immer noch», sagt Christian Schneuwly, «nun einfach mit Schwegler, Zibung und Lustenberger.»

«Ich kenne nur Witze unter der Gürtellinie.»

Christian Schneuwly

Da der Mittelfeldspieler so unverzagt wirkt, fragen wir ihn nach einer Videoaufnahme. Er soll für die zentralplus-Leser einen Witz erzählen. «Nein, lieber nicht», winkt Christian Schneuwly ab. «Ich kenne nur Witze unter der Gürtellinie, das käme schlecht an.»

Hinweis: FC Luzern – FC Sion, Samstag, 2. Dezember, 19 Uhr, auf der Luzerner Allmend – oder auf dem Liveticker von zentralplus.

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