OK-Präsidentin Nicole Reisinger

Luzerner Stadtfest: Die perfekte «Loda-Sali-Zäme»-Stimmung

OK-Präsidentin Nicole Reisinger am Luzerner Stadtfest 2023. (Bild: Kilian Küttel)

Luzern feiert und geniesst, das Stadtfest ist in vollem Gang. Mittendrin die Frau, die alles verantwortet: OK-Präsidentin Nicole Reisinger (43). Ein Spaziergang durch ein Quartierfest für die ganze Stadt.

Unter den grün-weissen Sonnenschirmen sitzen die Leute beim Mittagessen, vor dem gespritzten Weissen und der Stange beim Apéro. Die einzelnen Wolken über Luzern kann man zählen. Und so gehört für die Frauen und Männer, die hier am Kornmarkt nicht im Schatten der Schirme sitzen, die Sonnenbrille gleich zur Kleiderordnung wie ein Accessoire, das einem Tag wie heute der Anstand gebietet: ein dunkler Pin mit blau-weissem Herz, die Festplakette für das Luzerner Fest.

Um kurz vor 13 Uhr biegt eine Frau um die Ecke, begleitet von Bläsertönen, die vom gleichen Ort stammen müssen, wo sie gerade herkommt: Nicole Reisinger, 43 Jahre alt, weisses Oberteil und Sonnenbrille. Am Kragen hängt die Festplakette, darüber das Sprechteil eines Funkgeräts. Reisinger muss erreichbar sein. Denn heute ist der Tag, an dem alles zusammenpassen muss; der Tag, an dem es darauf ankommt; der Tag, auf den sie und viele andere ein ganzes Jahr hingearbeitet haben: der Samstag des Luzerner Stadtfests.

Luzern lehnt zurück, Luzern geniesst, Luzern ist: am Sein

Das Fest ist mitten im Gang. Dennoch ist die Präsidentin des Organisationskomitees nicht von Hektik getrieben, als sie zur vereinbarten Zeit vor der Kornschütte erscheint: «Im Stress bin ich nicht, nicht mehr», sagt Reisinger. Und fügt mit einem Lächeln an: «Wenn es mich jetzt noch brauchen würde, wäre etwas falsch gelaufen.»

Das aber ist nicht der Fall. Deshalb kann sich die 43-Jährige Zeit nehmen für einen Spaziergang durch die Luzerner Altstadt, an einem Tag, an dem vieles anders ist als normalerweise.

«Wir wollten ein Fest schaffen, bei dem jede und jeder etwas findet, das ihr oder ihm gefällt.»

Nicole Reisinger, OK-Präsidentin des Luzerner Stadtfests

Vom Weinmarkt her fliegen einem Bass- und Synthesizer-Sounds entgegen. Ein frischer Wind streicht durch die Gasse und untermalt eine Stimmung, die ohnehin locker und luftig ist wie die Sommergarderobe der Leute, die zu Hunderten durch die Altstadt stromern, auf den Plätzen und vor den Beizen verweilen, dass man sich vorkommt, als wäre man im Tessin. Hier wird getrunken, da geplaudert, dort Musik gehört. Luzern lehnt sich zurück und geniesst. Luzern, man kann es nicht anders sagen, ist: am Sein.

Eine Stadt, die sich näher ist, als man es kennt

«Wir sind total glücklich, wie es bis jetzt gelaufen ist. Das Wetter, die Stimmung, alles ist wunderbar», freut sicht Nicole Reisinger, während sie über den Weinmarkt schlendert. Hier ein Winken, da ein Gruss. Immer wieder kennt sie jemanden. Und wie ihr geht es vielen, es herrscht «Loda-Sali-Zäme»-Stimmung in einer Stadt, die sich selten so nahe scheint wie heute. Früher mit dem Charakter einer wagenlosen Streetparade kommt einem heute das Stadt- wie ein Quartierfest vor; ein Quartierfest für eine ganze Stadt.

Die Formulierung gefällt Reisinger: «Genau diese Stimmung wollten wir erzeugen.» Das Motto laute nicht einfach so «Entdecke. Fiire. Begägne». «Wir wollten ein Fest schaffen, bei dem jede und jeder etwas findet, das ihr oder ihm gefällt», sagt Reisinger.

«Zu essen gibt es, zu trinken. Die Musiken kenne ich nicht, aber das wird sich ändern.»

Stefan Meier, Besucher aus Meggen

Und so führt der Spaziergang vorbei am Weinmarkt mit den Luzerner Winzern und an der Band Aanim mit ihren Synthesizer-Sounds, weiter gehts zum Strassenmusikfestival auf dem Mühlenplatz, wo Reisinger kurz aufgehalten wird, zum Schwatz mit den Eltern einer ehemaligen Schulkollegin: «Doch, das macht alles einen sehr guten Eindruck hier», sagt betreffender Schulkolleginnen-Vater Stefan Meier aus Meggen: «Zu essen gibt es, zu trinken. Die Musiken kenne ich nicht, aber das wird sich ändern.»

Stefan und Pia Meier, Festbesucher aus Meggen.

Es sind diese Begegnungen, die für Nicole Reisinger das Luzerner Stadtfest zu etwas Besonderem machen: «Das gibt einem unglaublich viel», sagt sie, die dem Stadtfest in seiner aktuellen Form zum zweiten Mal vorsteht.

Die Stiftung «Luzern hilft» als Veranstalterin sei auf sie zugekommen und habe gefragt, ob sie das Präsidium übernehmen wolle: «Zuerst habe ich gedacht, das ist nicht ernst gemeint. Ich habe noch nie ein Fest organisiert, komme auch nicht aus der Luzerner Kulturszene.» Erst ist Reisinger unsicher, bespricht sich gar mit ihren Eltern. Schliesslich sagt sie zu. Und ist heute froh, das getan zu haben: «Obwohl ich nicht wusste, wie viel auf mich zukommt, das muss ich ehrlich zugeben», sagt Reisinger, das gleiche Lächeln auf den Lippen wie zuvor, zwischen Reussteg und Jesuitenplatz.

Wenn der Sponsoringchef zum Logistiker wird

Das ist und war, nebst vielem anderen, eine Menge Arbeit. Kaum war das Fest 2022 vorbei, starteten die Vorbereitungen für die diesjährige Ausgabe. Das OK habe früh geschaut, was man verbessern könne. Abläufe verschlankt, die Schichten für die Helfer verkürzt, damit diese selbst mehr vom Fest hätten.

Und nicht zuletzt hat das Fest sein Bezahlsystem angepasst, ist nach der Kritik vom vergangenen Jahr (ursprünglich wollte man völlig auf Bargeld verzichten – zentralplus berichtete) auf eine Lösung gekommen, bei dem man nebst mit Twint und Bankkarte an den Depotstellen eine Cashkarte mit Bargeld aufladen kann, wie man das etwa vom Stadtlauf oder aus dem Fussballstadion kennt: «Bis jetzt haben wir zum Bezahlsystem keine negativen Rückmeldungen bekommen», so Reisinger und unterstreicht, das alles wäre nicht möglich ohne Teamwork, ohne die Mithilfe von Helfern und Platzchefs und ohne ein OK, das zusammenarbeite, egal, wo es etwas zu tun gäbe.

«Ich bin jetzt noch Logistiker geworden.»

Roger Lütolf, OK-Mitglied Luzerner Stadtfest

Wie zum Beweis zeigt Reisinger, mittlerweile beim Kapellplatz angekommen, auf einen Mann, der einen Sackwagen mit zwei Styroporboxen vor sich herschiebt. Es ist Sponsoringchef Roger Lütolf, der eine Ladung Eis transportiert: «Ich bin jetzt noch Logistiker geworden», sagt dieser scherzhaft zu Reisinger.

Festtreiben auf dem Kapellplatz. (Bild: Kilian Küttel)

An die Eröffnung vom Freitagabend sind 10’000 Besucherinnen und Besucher gekommen (zentralplus berichtete), mit bis zu 60’000 Personen rechnen die Veranstalter für das ganze Fest (zentralplus berichtete). Wie immer geht der Erlös aus dem Verkauf der Festplaketten und das Depot aus dem Getränkeverkauf an karitative Institutionen.

In der Altstadt dauert der Trubel bis 23.30 Uhr, an der Bahnhofsstrasse mit der Hauptbühne und der Streetfoodmeile bis 0.30 Uhr. Wer noch nicht genug hat, kann an eine der zahlreichen Afterpartys in den Clubs und Bars der Stadt.

Die Stadt soll die Freude noch lange spüren

Auf dem Hirschenplatz endet der Spaziergang mit Nicole Reisinger. Gut möglich, dass sich die überschaubare Klientel an den Afterpartys wiedersehen wird, die hier zu den Klängen des DJ-Duos Mami Tereza y Monica tanzt. Den Nachtschwärmern winkt eine ähnlich kurze Nacht wie Nicole Reisinger, die nach dem nächtlichen Aufräumen morgen früh wieder auf dem Platz erscheint. Und kaum ist das Luzerner Stadtfest 2023 zu Ende, beginnen die Vorbereitungen für die nächste Ausgabe. «Ich wünsche mir», sagt Nicole Reisinger, «dass wir diese Freude, die die Stadt heute spürt, noch lange spüren werden.»

Verwendete Quellen
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