Innovation schützt Reuss vor Güsel

Luzerner Fasnächtler füllen umgerechnet acht Busse Abfall

Die Abfallmenge der Fasnacht ist schwer vorstellbar – Busse können da helfen. (Bild: VBL)

Neben schönen Erinnerungen verursacht die Luzerner Fasnacht vor allem Abfall. Und zwar nicht wenig. Eine Neuerung soll nun den Fluss vor Flaschen schützen.

Jedes Jahr produziert Luzern während der Fasnacht rund 100 Tonnen Abfall. 2023 kamen an den vier besonders gut besuchten Fasnachtstagen sogar 120 Tonnen zusammen. Das entsprach dem Inhalt eines langen Gelenkbusses der Verkehrsbetriebe Luzern – ganze zehnmal. Dieses Jahr werden es wohl umgerechnet acht Busse voller Abfall sein.

Damit all die Flaschen und Verpackungen ihren Weg in die Müllverbrennungsanlage finden, machen Benedikt Bucher und sein Team beim Strasseninspektorat Überstunden. «Die Reinigung an der Fasnacht ist für unsere Teams jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung und Höchstleistung», sagt der Leiter Betrieb und Strassenunterhalt auf Anfrage.

Abfallsperren waren erfolgreich

Auch dieses Jahr gab es wieder Fasnächtler, die es mit der Abfallentsorgung nicht so ernst nahmen, erzählt er. Besonders nachts, wenn die Stimmung steigt, landen Flaschen in der Reuss. Das Strasseninspektorat hat daher dieses Jahr zum ersten Mal Abfallsperren aufgestellt (zentralplus berichtete).

Vom Rathaussteg bis zur Rathausbrauerei standen die letzten Tage gelbe Schaltafeln mit der Aufschrift «Für eine saubere Reuss. Auch an der Fasnacht». Anschliessend verlief von der Rathausbrauerei bis zum Ende der Kapellbrücke ein rund 70 Meter langer oranger Baustellenzaun.

Die Sperre gab es dieses Jahr zum ersten Mal. (Bild: kok)
Auch der Zaun soll verhindern, dass Abfall in die Reuss gerät. (Bild: kok)

Am Montagnachmittag, während die Fasnacht noch tobt, zieht Benedikt Bucher ein erstes Fazit. «Die Abfallsperren haben sich bewährt. Besonders unter der Egg konnten viele Teller und Becher aufgefangen werden.» Im nächsten Jahr kann er sich vorstellen, die Sperren auch an den Brücken und weiteren Standorten rund ums Reussbecken anzubringen.

Zwei Wochen Reinigung liegen vor dem Team

Denn was in den Fluss fliegt, muss später mühselig wieder rausgezogen werden. In den kommenden Tagen werden Mitarbeiter der Stadt mit einem Boot die Gewässer reinigen. Zeitgleich werden in der Stadt die Strassen nass abgespült und die Schächte ausgesaugt. Nach rund zwei Wochen ist für den städtischen Reinigungstrupp die Nachbereitung der Fasnacht vorbei.

200 Kilogramm Telefonbücher in Form von Papierfetzen landen beim Fötzeliregen auf dem Kapellplatz. (Bild: kok)

Für den Rest von Luzern sieht schon am Mittwoch alles wieder normal aus. Der Grund: Seit 3 Uhr am Morgen sind die Mitarbeitenden des Strasseninspektorats mit Kehrichtmaschinen, Kleinfahrzeugen und Besen unterwegs, damit Luzern wieder glänzt, wenn der Tag erwacht, sagt Bucher.

Auf den magischen Mittwoch, wenn die Konfetti noch in den Haaren kleben, die Stadt aber glänzt, wurde der Mann vom Strasseninspektorat bereits angesprochen. «Alle staunen immer und fragen scherzhaft: War überhaupt Fasnacht?» Rund 100 Personen, sieben Kehrmaschinen, zwei Kehrichtwagen für den Abtransport der 190 weissen Big Bags und etliche Kleinfahrzeuge waren während der Fasnacht im Einsatz.

Verwendete Quellen
  • Zwei Telefonate mit Benedikt Bucher, Leiter Betrieb und Strassenunterhalt bei der Stadt Luzern
  • Umrechnungstabelle von «statistik-bw.de»
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