Selbstgebauter Blitzkasten sorgt für Schmunzeln

Kein Blitz: Diese Zuger Radarfalle zwitschert höchstens

Obacht Blitzer! Das unechte Modell in Oberägeri ist äusserst gnädig mit Rasern. (Bild: wia)

Eigentlich wurden im Kanton Zug alle stationären Blitzkästen aufgehoben. In Oberägeri steht trotzdem einer. Der ist zwar ziemlich unkonventionell, doch bei weitem nicht der einzige seiner Art.

Ein kleines Quartiersträsschen im beschaulichen Oberägeri. Plötzlich steht, an unverhoffter Stelle, ein Blitzkasten. Des Autofahrers erster Impuls: Weg vom Gas, Blick auf den Tacho. Und die Frage: Ist hier eigentlich Tempo 30? Doch die Radarfalle bleibt stoisch, nichts regt sich. Durchatmen, noch mal davongekommen.

Doch irgendwas stimmt trotzdem nicht. Der zweite Blick verrät: Der Radar, der in der Fischmattstrasse auf einem Privatgrundstück steht, besteht aus bemaltem Holz und ist bloss eine Attrappe. Was es damit auf sich hat, verrät ein Bewohner des Grundstücks, der anonym bleiben möchte.

«Dass wir den Radarkasten aufgestellt haben, kommt nicht von ungefähr», sagt er gegenüber zentralplus. Er verweist auf eine Fahrverbotstafel, welche wenig unterhalb des Hauses angebracht ist. «Auf diesen zwanzig Metern, auf denen die Strasse etwas schmaler wird, gilt nämlich Einbahnverkehr.»

Eigentlich herrscht hier Einbahnverkehr. Nur merken das offenbar nicht alle. (Bild: wia)

Er gibt zu bedenken: «Leider halten sich nicht alle daran. Nicht nur das. Zum Teil geben die Autofahrer hier extra Gas.» Weil das für die Bewohner mühsam ist, beschlossen sie, unkonventionelle Wege zu gehen und zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Oder eher: Zwei Vögel mit einer Radarfalle, denn «beim Blitzer handelt es sich um einen Vogelnistkasten».

Zwitschern statt blitzen

Tatsächlich: Beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass eine der runden Öffnungen hohl ist. In einem richtigen Blitzkasten wäre dort eine Linse montiert. Durch diese Öffnung gelangen Vögel ins Innere des Kastens. «Auch jetzt nistet gerade ein Vogel im Kasten», erzählt der Anwohner.

Die Attrappe ist aus Holz und dient in zweiter Linie als Nistkasten für Vögel. (Bild: wia)

Stellt sich die Frage: Ist es überhaupt legal, die Verkehrsteilnehmerinnen mit einer solchen «Radarfalle» zu täuschen? Der Zuger Polizei war der besagte Fall bis zur Kontaktaufnahme von zentralplus nicht bekannt.

Sprecherin Judith Aklin beantwortet die Anfrage, nachdem sich die Zuger Polizei die Situation vor Ort angeschaut hat, wie folgt: «Da sich der Fake-Blitzer auf Privatgrund befindet, wir kein Blitzen und demnach keine Gefährdung für den Verkehr feststellen konnten und der Fake-Blitzer nur in der verbotenen Fahrtrichtung als solcher wahrgenommen wird, besteht aus Sicht der Polizei kein Handlungsbedarf.»

Das Oberägerer Exemplar ist kein Einzelfall

Dass Privatpersonen selbst aktiv gegen unliebsame Schnellfahrerinnen werden, kommt immer mal wieder vor. So ereignete sich in der Zürcher Gemeinde Hombrechtikon 2020 ein ähnlicher Fall. Vor einem Jahr stellten mehrere Wohnparteien ausserdem im schwyzerischen Bennau gleich drei unechte Blitzer auf.

Immer wieder stellen die Behörden dasselbe fest: Solche selbstgebauten Blitzer sind nicht grundsätzlich illegal. Höchstens taucht ab und zu die Frage auf, ob das Aufstellen solcher Objekte einer Baugenehmigung bedarf. Das sind gute Nachrichten – zumindest für lärmgeplagte und bastelfreudige Anwohner. Und insbesondere auch für die nistenden Vögel, die im Fake-Blitzer in Oberägeri ein gemütliches Zuhause gefunden haben.

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
  • Gespräch mit Anwohner
  • Schriftlicher Kontakt mit Judith Aklin
  • Medienbericht «20 Minuten» zum Hombrechtiker Fall
  • Artikel «Luzerner Zeitung»
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