Für mehrere Millionen Franken

Casa Rossa: Kanton Zug will historische Villa kaufen

Die Zukunft für den Landsitz Casa Rossa in Zug scheint gesichert. (Bild: pbu)

Geht es nach der Zuger Regierung, soll das altehrwürdige Anwesen Casa Rossa am Zugersee in den Besitz des Kantons übergehen. Das Unterfangen kostet mehrere Millionen Franken.

Beim Landsitz Casa Rossa an der Artherstrasse 29 in Zug handelt es sich um eine «Perle unter den Liegenschaften», wie es in einem aktuellen Bericht und Antrag der Zuger Regierung heisst. Das denkmalgeschützte Haus mit der auffallend roten Fassade und Blick auf den See gehört der Hürlimann-Wyss-Stiftung. Vom einstigen Hausbesitzer Joachim Wyss ins Leben gerufen, entscheidet sie seit Wyss’ Tod über die Zukunft der Liegenschaft. Ansonsten setzt sich die Zuger Stiftung mehrheitlich für die Förderung von kulturellen und sozialen Bestrebungen im Kanton ein.

Nun will die Stiftung den historischen Landsitz verkaufen und hat dem Kanton Zug ein Kaufangebot unterbreitet – für 9,83 Millionen Franken. Der Kanton sei der «prädestinierte künftige Eigentümer», findet die Stiftung. Es ist ein Angebot, das der Zuger Regierungsrat in Betracht zieht. Der Preis könne für diese aussergewöhnliche Liegenschaft als fair bezeichnet werden, schreibt er im Bericht und Antrag. Ausserdem sei das Haus nach entsprechenden Umbauarbeiten sehr gut für repräsentative, gesellschaftliche und kulturelle Zwecke geeignet und soll auch von der Zuger Bevölkerung genutzt werden können. Kurz, der Erwerb von Casa Rossa ist für die Zuger Regierung «eine einmalige Chance».

Umfassende Sanierung wäre notwendig

Bis das «Rote Haus» jedoch für Anlässe jeglicher Art genutzt werden könnte, müsste es auf Vordermann gebracht werden. Die letzte Renovation wurde vor über 20 Jahren durchgeführt. Damals wurden die Fassade, die Fenster, das Dach sowie die Böden, Wände und Decke instand gesetzt.

Für die neue Sanierung würden gemäss einer Machbarkeitsstudie unter anderem ein neuer Lift und zusätzliche Toilettenanlagen eingebaut werden. Dazu kämen eine neue Heizungstechnik und Elektroinstallationen, da die gegenwärtigen Anlagen die Anforderungen an die neue Nutzung nicht mehr erfüllten. Für die Verpflegung vor Ort soll ein «hochwertiges Catering» sorgen, denn für eine Produktionsküche vor Ort sei die Fläche zu klein.

Eine komplette Barrierefreiheit, wie sie bei Neubauten grundsätzlich angestrebt wird, sei jedoch aufgrund der bestehenden Strukturen nicht möglich, schreibt der Regierungsrat. Mittels mobilen Rampen und zusätzlichen Toiletten im Erdgeschoss soll die Situation zumindest gegenüber dem Status quo verbessert werden.

Solch umfassende Bauarbeiten in einem denkmalgeschützten Haus kosten natürlich eine Stange Geld. Die Planungs- und Baukosten schätzt die Regierung derzeit auf etwa drei Millionen Franken. Diese grobe Schätzung bildet ebenfalls die Grundlage für den Projektierungskredit. Dieser umfasst das Vor- und Bauprojekt sowie das Bildungsverfahren und beläuft sich auf 360’000 Franken.

Es herrschte nicht immer Einigkeit

Während der Kanton heute klare Vorstellungen davon hat, wie das Casa Rossa und die Gartenanlage künftig genutzt werden sollen, sah die Situation vor einiger Zeit noch anders aus. In früheren Jahren herrschte Uneinigkeit über die Nutzung des «Roten Hauses».

Um 2010 wurde das Gebäude als möglicher Anwärter des neuen Kunsthauses Zug in Betracht gezogen. Eine Realisation war jedoch aus finanziellen Gründen nicht möglich (zentralplus berichtete), das Projekt lag auf Eis, der Kanton verlor damals das Interesse. SVP-Regierungsrat Heinz Tännler, damaliger Baudirektor des Kantons, sagte 2015 gegenüber zentralplus: «Es bestehen von Seiten des Kantons keine weiteren Interessen an dieser Liegenschaft.» (zentralplus berichtete). Heute sieht das anders aus.

Ob der Landsitz an den Kanton Zug übergeht, entscheidet in einigen Monaten der Kantonsrat. Ein Entscheid sollte im September vorliegen. Gibt der Kantonsrat grünes Licht, soll das Haus nach den Umbauten und Sanierungsarbeiten 2027 oder 2028 für Apéros, Hochzeiten, offizielle Empfänge und Kulturveranstaltungen zur Verfügung stehen.

Über das Casa Rossa

Der Landsitz wurde 1919 und 1920 von den Architekten Dagobert Keiser und Richard Bracher für den Kaufmann und Apotheker Ernst Wyss erstellt. Das Gebäude wurde im Stil einer toskanischen Renaissance-Villa mit Sgraffito-Dekorationen in der Fassade erbaut. «Casa Rossa» heisst die Villa wegen der rot verputzten Fassade. Seit September 1989 ist das Haus denkmalgeschützt.

Das Haus wurde bis vor wenigen Jahren von Gabriela Wyss bewohnt. Ende der 1960er-Jahre war sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Joachim Wyss ins «Rote Haus» eingezogen. Gabriela Wyss, die das Nutzungsrecht, aber nicht das Erbrecht, des Hauses besass, verstarb im April 2022 im Alter von 98 Jahren.

Verwendete Quellen
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