Regionales Leben
Chilbi steht vor Eröffnung

Baar verwandelt sich in einen Vergnügungspark

Zuckerwatte, leuchtende Kinderaugen, panische Schreie vom Lunapark und allerlei Dinge, welche das Leben schöner machen. Die Baarer Chilbi steht vor der Türe. Was aber macht die grösste Chilbi im Kanton aus? zentralplus fühlt bei den Verantwortlichen den Puls.

Die meisten Bahnen stehen schon, als wir an diesem Freitagnachmittag auf den Platz einbiegen. Ein Schausteller ist gerade damit beschäftigt, die Kinderbahn zum Laufen zu bringen. Wir sprechen den Schausteller an und die Antwort folgt prompt. «Ich habe leider keine Zeit, es geht gerade alles schief und ich müsste schon lange in Basel bei meiner anderen Bahn sein.»

In Baar Probleme lösen und gleichzeitig bei der Basler Herbstmesse auch noch Feuerwehr spielen. Was sich die Schaustellerinnen noch während der Pandemie zurückgewünscht hatten, sorgt jetzt für ziemlich ausgebrannte Batterien. Zwei Minuten später kommen rund 30 Kinder aus dem Nichts zu der Bahn. Eigentlich müssten sie in die Schule, allerdings ist immer genug Zeit, um diese Chilbibahn und deren Schausteller anzuhimmeln. Der Stress des Schaustellers ist innerhalb von Millisekunden vergessen und er lächelt. Ein Vorzeichen auf die kommenden Tage.

Grösste Chilbi von Zug – und eine der letzten des Jahres

Wir treffen Gemeinderätin Sonja Zeberg-Langenegger zusammen mit den beiden Marktleitern der Gemeinde Baar vor dem Riesenrad. Der Treffpunkt passt, denn gross ist nicht nur das Rad. «Es ist die grösste Chilbi im Kanton», erklärt die Gemeinderätin. «Wir sind eine der letzten Chilbenen und für viele Schausteller sind wir der Schlusspunkt.» So fahren einige Schaustellerinnen nach dem Ende der Baarer Chilbi in ihr Winterlager und verräumen die Bahnen für die nächsten Monate.

«Die Basler Herbstmesse hatte beispielsweise auch schon eine ‹Energiekrise›. Weil plötzlich der Strom nicht mehr floss.»

Thomas Huber, Gemeinde Baar

Die Chilbi kann nun in gewohntem Rahmen über die Bühne gehen. Im vergangenen Jahr gab es durch den Bund Einschränkungen (zentralplus berichtete) und das Jahr zuvor verunmöglichte die Pandemie die Chilbi. Dies spürten auch die Vereine und Gruppen, welche sich daran beteiligten. «Die Vereine oder auch beispielsweise die Pfadi investieren enorm viel Arbeit in die Chilbi», sagt Mirjam Iten, eine der Marktverantwortlichen der Gemeinde. «Die Leute nehmen teilweise zwei Wochen Ferien, um hier die Buden aufzustellen und voll dabei zu sein.

Dadurch, dass die Gemeinde bestimmen kann, welche Bahnen und Marktstände auf den Platz dürfen, hat Baar einen breiten Mix im Angebot. «Das zeichnet uns aus. Wir haben grosse Bahnen, die Beizen der Vereine und einen grossen Markt. Das Zusammenspiel macht diese Chilbi zu etwas Speziellem.»

«Es ist wie ein extremes Tetris-Spiel»

Seit Jahren ist auch Thomas Huber für die Gemeinde Baar im Einsatz. Wenn es um das Technische geht, ist er die Ansprechperson. Die verschiedenen Plätze liebt er, denn es sei immer wieder eine spannende Herausforderung. «Es ist wie ein extremes Tetris-Spiel», sagt er. Zwischen den grossen Bahnen müsse auf jeden Millimeter geachtet werden. Teilweise musste noch ein Ast bei einem Baum gestutzt werden, damit eine Bahn überhaupt platziert werden konnte. «Auch die Bodenbelastung ist ein Thema. Wir haben an einigen Orten Tiefgaragen, da darf kein grosses Gewicht daraufgestellt werden.»

Zum ersten Mal in Baar mit dabei ist das «Crazy Hotel». Über drei Stockwerke erwartet die Besucherin verschiedene Rutschbahnen, Hindernisse oder ein Trampolin. «Das Crazy Hotel» braucht viel Platz, aber sehr wenig Strom.

Energiekrise ist ein Thema – aber anders, als du denkst

Mit dem niedrigen Stromverbrauch passt das «Crazy Hotel» perfekt in die Zeit der Energiekrise. Das Thema geisterte zwar im Vorfeld von vielen Anlässen umher, Thomas Huber verbindet dieses Wort allerdings in einem anderen Zusammenhang.

«Die Basler Herbstmesse hatte beispielsweise auch schon eine ‹Energiekrise›. Weil plötzlich der Strom nicht mehr floss», erzählt Huber. So mussten 2018 Leute von einer Bahn befreit werden, weil der «Chaos Pendel» mitten in der Fahrt keinen Saft mehr hatte. Rund eine halbe Stunde mussten damals die Menschen auf ihrem Sitz in luftiger Höhe ausharren.

Damit es in Baar keine Energiekrise gibt, wird der Verbrauch aller Geschäfte penibel zusammengerechnet. «Wir arbeiten mit den Experten von Wasserwerk Zug zusammen. Die sind immer schon vom ersten Tag an dabei.» Eine solche Chilbi mit derart vielen grossen Bahnen und Küchen braucht einiges an Saft und gute Leitungen.

Verwendete Quellen
  • Reportage und persönliche Gespräche vor Ort in Baar
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