Real weist Verantwortung von sich

Güsel-Berge in Emmen verschandeln Quartier

Abfallsäcke übersähen die Container an der Neuhofstrasse in Emmen. (Bild: Tresa Stübi-Cavegn)

In Emmen machen vollgestopfte Abfallcontainer an der Neuhofstrasse Probleme und verhindern die Arbeit der Müllabfuhr. Politiker der Mitte-Fraktion wollen dem ein Ende bereiten.

Die Abfallcontainer in der Neuhofstrasse in Emmen quellen regelmässig über. Die blauen Säcke liegen haufenweise herum, der Boden ist gepflastert mit Karton und Papier. Wer Bilder davon sieht, wähnt sich eher in einer Seitengasse einer süditalienischen Millionenstadt als im überschaubaren Emmen.

An diesem Güsel-Problem im Quartier stören sich Tresa Stübi und Manuel Schulze. Die Mitte-Einwohnerräte haben deshalb eine Interpellation eingereicht und gefragt, was die Gemeinde dagegen tun kann. Darin prangern sie nicht nur die Zustände in der Neuhofstrasse an, sondern teilen auch Seitenhiebe gegen die Anwohnerinnen und die Grundeigentümer aus.

Grund für die Unordnung sei der Karton

Für Stübi und Schulze ist ziemlich klar, was die proppenvollen Container in der Neuhofstrasse verursacht: Onlineshopping. Die vielen Päckli führten zu einer Unmenge an Kartonverpackungen. Die Bewohner der Quartiere würden diese Schachteln oftmals nicht korrekt verkleinern und einfach in die Container stopfen – oder daneben hinwerfen. «Innert Kürze, nach der letzten Leerung, sind die wenigen Behälter wieder bis zum Rand gefüllt. Und die nächste Kartonabfuhr ist erst wieder in vier Wochen», schreiben sie in ihrer Interpellation.

Die überquellenden Kartoncontainer verunstalteten nicht nur das Ortsbild, sondern versperrten auch den Zugang zu den Behältern für die Abfallsäcke. Weil die Anwohner nicht mehr zu den Güselcontainern kämen, würden sich die blauen Säcke rund um die Deponien verteilen. Und weil die Müllabfuhr nicht mehr zu den Containern käme, werde der Abfall nicht mehr immer mitgenommen. «Mehrmals ist es schon vorgekommen, dass die Müllabfuhr unverrichteter Dinge weitergefahren ist», so die Interpellantinnen.

Die Müllabfuhr darf das

Fabian Zumbühl, Mediensprecher von Real, bestätigt das Vorgehen der Müllabfuhr. «Nicht korrekt bereitgestellter Abfall wird von unserem Sammeldienst nicht mitgenommen», schreibt er gegenüber zentralplus. Die Mitte-Interpellation schwärzt denn auch nicht Real an, etwas falsch zu machen. Die Politiker halten in ihrem Vorstoss auch fest, dass die Müllabfuhr übervolle Container stehen lassen darf.

Doch was immer die Real darf und was nicht: Das Problem an der Neuhofstrasse besteht. Das bestätigt die Müllabfuhr. Der chaotische Zustand des Bereitstellungsplatzes behindere oftmals die Arbeit des Sammeldienstes, erklärt Zumbühl. Die Bilder der Neuhofstrasse vom 21. September und 23. Januar, wie sie in der Interpellation aufgeführt sind, sind folglich keine simplen Momentaufnahmen.

Neuhofstrasse ist die Ausnahme, nicht die Regel

Ein flächendeckendes Güsel-Problem gebe es im Verbandsgebiet der Real indes nicht. Die Situation an der Neuhofstrasse sei eher eine Ausnahme, hält Zumbühl fest. Andere konkrete Standorte, an denen Müllcontainer Probleme machen, nennt er nicht. Die Müllabfuhr muss also nicht viele Container stehenlassen, weil sie zu voll sind.

Dass die Leute in den vergangenen Jahren immer mehr Karton wegschmeissen, hat das Abfallunternehmen aber auch festgestellt. Doch spezielle Anpassungen seien bis jetzt nicht nötig gewesen, damit das Unternehmen mit dem Mehr an Karton zurechtkommt. Dass der Onlinehandel ein Hauptgrund für die Schachtelflut sei, wie von den Einwohnerräten gemutmasst, könne gemäss Zumbühl durchaus sein.

Was kann die Gemeinde tun?

Die Real und die Interpellanten sind sich folglich einig, dass ein Problem besteht. Und sie sind sich einig, wer am meisten zu dessen Lösung beitragen sollte: die Grundeigentümer. Diese, so halten beide fest, haben die Pflicht, die Abfallbewirtschaftung bei ihren Liegenschaften zu organisieren. Ergo sei es ihre Verantwortung, dass die Anwohner ihren Müll dem Sammeldienst regelgerecht bereitstellen. Die Real plant daher von ihrer Seite auch keine Massnahmen, um das Problem im Emmer Quartier anzugehen.

Entsprechend der Ausgangslage ist denn auch die erste Frage im Vorstoss, ob und inwiefern die Gemeinde überhaupt eingreifen kann. Ebenfalls stellen die beiden Fragen zum Vier-Wochen-Turnus der Kartonsammlung sowie der Möglichkeit von Sonderfahrten der Müllabfuhr. Was der Gemeinderat zu den Güsel-Bergen in der Neuhofstrasse sagt, wird sich zeigen, wenn die Antwort auf den Vorstoss vorliegt. Bis dahin werden sich wohl noch so manche Güsel-Berge in der Neuhofstrasse türmen.

Verwendete Quellen
  • Interpellation von Tresa Stübi und Manuel Schulze
  • Schriftlicher Austausch mit Fabian Zumbühl, Mediensprecher Real
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