Regionales Leben
Der Security auf den Fersen

Mitternacht, wenn die Määs Luzern besonders spannend wird

Der stellvertretende Geschäftsführer der LU-Sicherheitsdienst AG Fabian Bammert sorgt nachts bei der Määs für Sicherheit. (Bild: mik)

Tagsüber versprüht die Määs eine freudige Atmosphäre. Doch wie sieht es in der Nacht aus? zentralplus ging mit dem Määs-Sicherheitsdienst auf Patrouille und hat eine andere Seite der beliebten Luzerner Herbstmesse erlebt.

Auf dem Inseli jagt derzeit ein Schrei den nächsten – teils aus Freude, teils aus Panik. In der Luft liegt ein Duft von gebrannten Mandeln, Magenbrot und Bratwürsten. Um die Holzhäuschen drängen sich Marktbummler. Zumindest tagsüber.

Nach 23 Uhr ist die Määs verlassen

In der Nacht verwandelt sich die Määs in eine andere Welt. So zumindest mein Eindruck, als ich am Samstag kurz vor Määs-Schluss auf dem Inseli stehe. Um zehn Uhr nachts sind die «Putschi-Autos» noch von jungen Erwachsenen umringt, vor dem Box-Automaten daneben steht eine Menschentraube.

Eine Stunde später erinnern nur ein paar Becher und leere Döner-Boxen daran, dass sich bis vor Kurzem Leute hier vergnügten. Der Duft von Zucker weicht dem von leeren Bierdosen und Essensresten, die sich in Kartonschachteln auf und neben den Mülleimern stapeln. Die Geräuschkulisse des emsigen Treibens weicht dem gelegentlichen Lallen einiger Nachtschwärmer.

Meistens ist es jedoch still. Die nun dunklen Fahrgeschäfte stehen verlassen da. Fast erwarte ich, dass die «Calypso» erneut zu drehen beginnt und aus einem der Wagen ein fies grinsender Clown steigt, der mir einen Ballon andrehen will. Aber eben, nur fast.

Mit Määs-Security auf Patrouille

Denn für eine richtige Horrorstimmung ist das Inseli trotz dunkler Fahrgeschäfte noch zu sehr beleuchtet. Und auch dank meiner Begleitung fühlt es sich nicht wirklich gruselig an. Denn ich streife nicht allein um die leeren Holzkabäuschen und Fahrgeschäfte herum, sondern in Begleitung von Fabian Bammert.

Er ist Mitglied der Geschäftsleitung der LU-Sicherheitsdienst AG, die sich nebst anderen Organisationen wie der Polizei oder der SIP Stadt Luzern seit 2008 um die Sicherheit an der Määs kümmert. Tagsüber drehen deren Mitarbeitende präventiv ihre Runden und beantworten Fragen zum den nächsten Geldautomaten oder wo die Toilette ist. Spannender werde es jedoch nachts und an den Wochenenden, wie der 37-Jährige erzählt.

Wenig überraschend, weil dann Alkohol zum grossen Thema werde, wie Bammert sagt. Und mit dem Alkohol entsteht grösseres Konfliktpotenzial. «Wie bei einer normalen Veranstaltung gibt es auch an der Määs Pöbeleien. Unser Job ist es, Probleme frühzeitig zu erkennen und sie deeskalierend bereits im Keim zu ersticken.»

Denn oftmals brauche es nur eine Person, welche die Stimmung zum Kippen bringe. Diebe seien weniger das Problem: «Früher hat es ab und zu noch Personen gegeben, die versucht haben, über den Zaun zu klettern, um in das Innere der Marktstände zu gelangen. Heute kommt das nur noch selten vor.»

Meist genügt die Präsenz der Sicherheitsleute

Mit Knopf im Ohr, oranger Leuchtweste und Taschenlampe patrouillieren Bammert, sein Partner und ich durch die Määs. Kaum merklich schweift sein Blick hin und her. Dabei hält er Ausschau nach Personen, die bedrängt werden, erste Hilfe brauchen oder auffällig und aggressiv sind, wie er sagt. Besonders letztere sind Samstagnacht ein Problem.

Mittlerweile sind wir beim Europaplatz angelangt. Dort bleibt Bammerts Blick etwa bei einer lautstarken Diskussion zwischen zwei jungen Männern haften. Meist genügt das bereits. So versichert eine junge Frau – offensichtlich eine nüchterne Freundin der beiden – dass dies kein Grund zur Sorge sei. Während ich den Beschwichtigungen nicht ganz traue, gehen die Profis bereits weiter.

Betrunkener bittet um Taser-Schuss

Zurück auf dem Inseli, fällt neben der Pegasus-Bahn ein lautstarker junger Mann auf. Wir steuern auf ihn zu, bis er uns bemerkt. Gelassen und sturzbetrunken plaudert er los: Dass er zwar etwas laut, aber ganz harmlos sei, wobei er Bammerts Kollegen freundschaftlich auf die Schulter haut. «Ich hätte mich selbst längst getasert», sagt er weiter. Den Gedanken schien er ganz witzig zu finden, denn nun stellt er sich mit ausgebreiteten Armen vor den Sicherheitsmann hin und fordert ihn auf: «Na los, schiess mich an.»

Während ich die Augen innerlich schon dreimal verdreht habe, verzieht der Sicherheitsmann keine Miene. Mit ruhiger Stimme bestätigt er dem Betrunkenen, dass dieser ein Witziger sei. Aber er nicht auf ihn schiessen werde. Dessen Freunde erinnern den Witzbold schliesslich daran, dass er doch nach Hause gehen wollte. Und so gehen wir wieder getrennte Wege.

«Es ist auffallend dieses Jahr, dass so spät noch so viele Junge unterwegs sind.»

Fabian Bammert, Geschäftsleitungsmitglied LU-Sicherheitsdienst AG

Nicht zu früh, denn Bammert erhält von Kollegen die Funkmeldung, dass sich beim Bahnhof am Busperron eine Person auffällig verhalte. Ein betrunkener Mann mittleren Alters schreie herum und belästige vorbeigehende Frauen mit unangenehmen Sprüchen. Anscheinend nicht zum ersten Mal, denn als wir da eintreffen, begrüsst Fabian Bammert ihn beim Vornamen. Und der Betrunkene entschuldigt sich sogleich für sein Verhalten. «Er ist eigentlich ein Lieber», meint Bammert, als wir wieder zurückgehen. «Doch wenn er zu viel getrunken hat, wird er auffällig.»

Patrouille bietet Unterstützung am Bahnhofplatz

Nebst einigen Betrunkenen verläuft die Patrouille sehr ruhig. Von meiner erwarteten Horrorfilm-Atmosphäre keine Spur. Gelegentlich werfen wir einen Blick hinter die Markthäuschen. Zu Beginn der Patrouille hat Bammert von der Polizei den Hinweis erhalten, dass ein Obdachloser unter einer Bahn geschlafen habe. Wohl auch deswegen gleitet der Lichtkegel der Taschenlampe am Rande der Bahnen entlang.

Die Patrouille droht schon fast langweilig zu werden, als ein Funkspruch Tempo in die Sache bringt. Schnellen Schrittes eilen wir zum Bahnhofplatz. Für das ungeschulte Auge scheint bloss ein junger Mann an den Torbogen zu pinkeln, weil die Klos direkt daneben besetzt sind. Doch weit gefehlt. Der Funkspruch galt der Gruppe von gut 16 Jugendlichen, die sich um den Torbogen sammeln.

Grosskontrolle und vier Festnahmen

Während ich mich angewidert vom Freipinkler wegdrehe, tauchen die Polizei und die Bahnpolizei auf. Sie umzingeln die Gruppe Jugendlicher. Die Määs-Security wurde als Unterstützung angefordert und sorgt dafür, dass keine Passanten mitten durch die Intervention gehen. Wohl schon etwas müde vom Patrouillieren realisiere ich die Situation erst, als eine Polizistin die Gruppe mit lauter Stimme anweist: «Hände nach oben und mit dem Rücken zur Wand.»

Einige der Jungen scheinen die Situation ebenso wenig zu erfassen wie ich, denn sie tuscheln munter weiter und grinsen sich an. Doch das Grinsen weicht Verwirrung und Überforderung, als einer von ihnen in Handschellen gelegt und vor einen Pfeiler gesetzt wird, weil er wiederholt die Anweisungen ignoriert hat.

Einer nach dem anderen muss seine Taschen leeren, den Polizistinnen den Ausweis zeigen und sich einer Leibesvisitation stellen. Da ich als Laie nicht erkennen kann, was sie falsch gemacht haben, kommt mir das Vorgehen etwas gar forsch vor. «Dabei geht es darum, die Personen aus der Anonymität zu holen. Kennt man ihre Namen, sind sie meist schon viel vorsichtiger», meint Bammert dazu.

Auf dem Bahnhofsplatz kontrolliert die Polizei eine Gruppe Jugendlicher. Die Määs-Security hilft, den Platz frei von Passantinnen zu halten.
Auf dem Bahnhofplatz kontrolliert die Polizei eine Gruppe Jugendlicher. Die Määs-Security hilft, den Platz frei von Passantinnen zu halten. (Bild: mik)

Bei der Kontrolle sind auch vier Jungen im Alter von vielleicht 12 bis 14 Jahren dabei. «Das ist schon bedenklich», findet Bammert. «Es ist auffallend dieses Jahr, dass so spät noch so viele Junge unterwegs sind.» Nach und nach lichtet sich die Gruppe. Einige der jungen Männer nimmt die Polizei mit, zwei davon in Handschellen. «Vermutlich sind Drogen im Spiel», mutmasst ein weiterer Sicherheitsmann.

Dienst bis zum Morgengrauen

Nach der Aufregung geht es zurück zum neuen Määs-Restaurant für eine Kaffeepause (zentralplus berichtete). Erstaunt stelle ich fest, dass es bereits kurz nach ein Uhr ist und ich damit schon drei Stunden unterwegs bin.

Da ich langsam meine Füsse und die Augenlider spüre, lehne ich den Kaffee dankend ab und entscheide mich für den Heimweg. Für Bammert und seinen Kollegen geht es noch bis vier Uhr weiter, bis die Ablösung kommt. Zu Hause im Warmen wünsche ich ihnen deshalb mit einem etwas schlechten Gewissen, dass der letzte Teil ihrer Patrouille wieder langweiliger wird – und ihnen weitere Freipinkler und Festnahmen erspart bleiben.

Verwendete Quellen
  • Augenschein vor Ort
  • Persönliches Gespräch mit Fabian Bammert, stellvertretender Geschäftsleiter LU-Sicherheitsdienst AG
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