Kultur
Unterwegs am Stierenmarkt in Zug

Warum grosse Hoden nicht mehr so wichtig sind

Am Mittwoch und Donnerstag standen die Tiere in der Stadt Zug im Mittelpunkt. Das Stierenmarkt-Areal wurde wieder dafür gebraucht, wofür auch sein Name steht. Hast du dich schon gefragt, was einen guten Stier ausmacht? zentralplus hat sich beraten lassen.

Der Autor ist zwar nicht in der Stadt auf die Welt gekommen, auf dem Land aber auch nicht. Das Dorf Meggen ist schliesslich irgendwas dazwischen. Und so ist ein Besuch des Stierenmarkts Zug auch immer ein bisschen ein Eintauchen in eine fremde Welt. Der Stierenmarkt ist ein Markt mit einer langen Tradition. So haben im Jahr 1897 zum ersten Mal Stiere auf dem Platz den Besitzer gewechselt (zentralplus berichtete).

Auf dem Stierenmarkt bist du per Du

Wie immer, wenn sich die Landwirtschaft trifft, bewegen sich alle auf Augenhöhe. Da ist der Stierzüchter aus dem Appenzell mit dem Bankdirektor per Du. Schon nach den ersten Minuten beobachten wir eine typische Szene, die das beweist.

Am Mittag begeben sich einige Herren auf den Platz, die mit perfekt sitzendem Anzug und teurem Schuhwerk durch den Stiermist waten. Ein Bauer aus dem Glarnerland schaut sich gerade einen Stier in der ersten Reihe an. Der Bauer wird in seinen frühen 60ern sein, hat einen Villiger-Kiel im Mund. Die Asche des Kiels fällt auf seinen grossen Bauch, als er von den Anzugträgern freundlich angesprochen wird.

«Gälled? Das ist ein besonders schöner Stier – oder?» Der Bauer antwortet ohne zu zögern: «Das Sie kannst du hier vergessen. Wir sind per Du – also wenn das für dich in Ordnung ist? Du bist sicher etwas Wichtiges.» Der Mann im Anzug nimmt das Du-Angebot gerne an und erklärt, dass die Gruppe nun wirklich nicht vom Fach sei. Er und seine Kollegen arbeiten bei der Zuger Kantonalbank und verbringen die Mittagspause auf dem Markt.

Die Banker bekommen eine Grundschulung im «Stier Business». Der Bauer aus dem Glarnerland zeigt am Lebend-Objekt, auf was es ankommt. «Das Fundament und die Tiefe sind wichtig», lehrt der fröhliche Bauer die Bankangestellten. Nach einem rund viertelstündigen Vortrag nimmt der Bauer seinen Villiger-Kiel aus dem Mund und blickt den Bankern tief in die Augen. «Jetzt habe ich aber noch eine Frage an euch», sagt er und deutet auf das Hochhaus Uptown bei der Bossard Arena. «Das wisst ihr sicher ... Wie viel würde eine Wohnung da oben kosten?» Die Banker sagen, dass sie dies nicht wüssten, aber den Preis so um drei bis vier Millionen Franken schätzten.

Wenn der Stier mit dem Stier ...

Wir gehen weiter und hören zwei Bauern zu, die einen jungen Stier anschauen. «Der da ist wirklich ein Schöner!», bemerkt der eine. «Tatsächlich! Der steht auch perfekt», ergänzt der andere. Die Nummer des Tieres, die auf der Hüfte vermerkt ist, wird eilig in einem Büchlein notiert.

In dem Moment passiert es – der junge Stier blickt auf seinen Nachbarn und probiert ihn zu besteigen. «Schau dir das an! Den kannst du wohl nicht wirklich zur Zucht brauchen», meint der eine Bauer. Lachend gehen die beiden weiter und streichen den Stier wieder von der Liste. Ob dies vom Stier ein «taktischer Ritt» gewesen ist, um nicht mit den beiden mitgehen zu müssen? Das bleibt sein Geheimnis.

Warum «Grösse» nicht mehr alles ist

Was also macht einen Stier (ausser, dass er gerne auf Kühe hüpfen sollte) aus? Wir lassen uns von den Experten vor Ort beraten. Der Ostschweizer Köbi Maute ist zwar pensioniert und hat seinen Hof den Kindern übergeben, kauft aber ab und zu noch ein Tier. «Ich weiss, welches Tier auf unseren Hof passen würde.»

«Du musst auf die Gliedmassen achten, sie müssen korrekt sitzen», beginnt er seine Stier-Grundschulung. «Einen guten Vorderstand und eine gute Tiefe braucht das Tier ebenso.» Bei früheren Besuchen haben wir schon gehört, dass die Grösse, speziell die Grösse der Testikel, wichtig ist. Ist das so? «Das war einmal ein ganz grosser Schlager. Von dem ist man unterdessen weggekommen. Die Grösse hat mit der Rendite nichts zu tun.»

Ein Fressranzen sei viel wichtiger, erklärt Köbi Maute. «Die Grösse ist nicht entscheidend!»

Verwendete Quellen
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