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Martschini: «Ich hatte noch keine Phase, in der ich heiss lief»
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Lino Martschini ist drauf und dran, seinen Tiefstwert an Toren zu unterbieten, seit er vor acht Jahren zur ersten Mannschaft der Zuger stiess. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

EVZ-Zauberzwerg über seine Torflaute Martschini: «Ich hatte noch keine Phase, in der ich heiss lief»

5 min Lesezeit 20.02.2020, 17:39 Uhr

Seit vielen Jahren ernähren seine Tore und Assists den EVZ wie das Frühstück jede Zugerin und jeden Zuger. Letzte Saison war Lino Martschini (27) zum zweiten Mal der beste Punktesammler seines Teams. Doch ausgerechnet in dieser Qualifikation hat er Ladehemmungen.

Es passierte im letzten Drittel am Dienstagabend in Davos: Lino Martschini wurde aus der ersten Powerplay-Formation der Zuger genommen. Das ist in etwa so, wie wenn der Kolin-Brunnen plötzlich in Rotkreuz stehen würde. Man muss von einer Ungeheuerlichkeit reden.

Der 1,68 Meter grosse Zauberzwerg mit seinen überragenden Händen und seiner Übersicht passt zum Überzahlspiel wie die Faust aufs Auge. Was war denn da los?

Martschini reagiert

Martschini sagt, dass der Trainer in dem Match, den die Zuger nach 13 Sekunden der Verlängerung 2:1 für sich entschieden, «einen Akzent setzen und beobachten wollte, wie meine Antwort darauf ausfiele».

«Der Trainer sagte mir, dass ich das Spiel im Schlussdrittel wieder an mich gerissen habe.»

EVZ-Stürmer Lino Martschini

Einen Akzent setzen? «Es kann ja sein, dass wir im Playoff ein unterschiedliches Aufgebot haben werden, was sich auch auf das Überzahlspiel auswirken könnte», zeigt Martschini Verständnis für die Massnahme.

Das Wichtigste aber war, wie Martschini darauf reagierte. «Der Trainer kam hinterher zu mir und sagte, dass ich das Spiel im Schlussabschnitt wieder an mich gerissen habe.» Das gefiel Dan Tangnes, seinem Chef. Und es rehabilitierte Martschini.

Über 500 Spielminuten ohne Torerfolg

Muss man sich also um Lino Martschini sorgen? Nicht im Geringsten. Mit 10 Toren und 25 Assists steht der begnadete Flügelstürmer auf Platz 17 der nationalen Skorerliste – und ist nach Grégory Hofmann (44 Punkte) und Jan Kovar (41) der teamintern drittbeste Punktesammler. Alarmismus um seine Leistungen ist dergestalt fehl am Platz.

Aber es schleckt halt keine Geiss weg, dass Martschini nicht mehr so regelmässig trifft wie früher. Am 21. Januar hat er sein bis anhin zehntes und letztes Tor in der laufenden Qualifikation geschossen – es war der Siegtreffer zum 2:1 über die SCL Tigers. Seither blieb er in acht Spielen oder über gut 510 Spielminuten ohne Torerfolg.

Seit der Luzerner 2012/13 zur ersten Mannschaft der Zuger stiess, hat er immer mindestens 15 Tore in einer Qualifikation gemacht. Seine Bestmarke liegt bei 26 Toren in 50 Einsätzen in der Saison 15/16. Darüber hinaus hat er noch drei weitere Male die 20-Tore-Marke übertroffen.

So viele Latten- und Pfostenschüsse wie noch nie

Aber was löst eine Torflaute in ihm aus? Verzweiflung? Oder steckt Martschini das mit dem Selbstverständnis eines Scharfschützen locker weg?

Es sei wohl ein Mix aus diesen beiden Extremen, entgegnet Martschini vor dem nächsten Auswärtsspiel am Freitag in Genf. «Es gibt halt so Phasen, da muss man durch. Ich hatte noch nie so viele Pfosten- und Lattenschüsse wie in dieser Saison.»

«Darum hadere ich manchmal und bin hässig auf mich, wenn ich wieder eine Chance verhauen habe.»

Es sei okay, wenn man als Stürmer zu seinen Chancen komme, aber es sei nicht okay, wenn man daraus zu wenig Tore mache. «Darum hadere ich manchmal und bin hässig auf mich, wenn ich wieder eine Chance verhauen habe.»

Er hat Zeit, weil es dem Team läuft

Ursachenforschung in solchen Situationen bringt in aller Regel kein schlüssiges Ergebnis. So wie ein Sportler im Hoch meist nicht genau festmachen kann, warum es gerade so gut läuft, so ist es auch im umgekehrten Fall. Wüsste man, woran es mangelt, würde ein Profi das Defizit ja sofort aus der Welt schaffen.

Es mag sein, dass Martschinis Alleinstellungsmerkmal früherer Jahre nicht mehr so zum Zug kommt, seit der EVZ vor dieser Saison seine offensive Feuerkraft (zum Beispiel mit Topskorer Grégory Hofmann) kräftig aufgeforstet hat. «Vor dieser Saison war es schon so, dass ich es regelmässig war, der den Puck reingehauen hat, wenn wir dringend ein Tor benötigten», gibt Martschini offen zu. Auch, dass der Trainer nun mehr Optionen habe.

«Aufstehen, wenn es zählt – das habe ich mir fest vorgenommen. Ich freue mich irrsinnig auf die Playoffs.»

Aber er hält auch fest: «Ich bin in dieser Saison noch nie richtig heiss gelaufen als Goalgetter. Aber genau das brauchst du als Stürmer. Bei mir war es bis jetzt stets ein Auf und Ab.»

Aber Martschini ist Teil einer Mannschaft, die drauf und dran ist, zum ersten Mal seit der Saison 2011/12 die Qualifikation zu gewinnen. Das ist ihm in seiner Karriere noch nie gelungen. Darum sagt er: «Wenn es dem Team läuft, gibt es mir Zeit, mein Niveau zu steigern.»

Das Playoff gebärt grosse Spieler

Schliesslich steht die Mannschaft von Dan Tangnes erst noch vor der entscheidenden Phase der Meisterschaft. In den Playoffs, die am 7. März mit dem ersten Viertelfinalspiel starten, werden die grossen Spieler-Persönlichkeiten geboren. Oder sie übernehmen in gewohnter Manier das Kommando.

Martschini hat Lunte gerochen. Letzte Saison war er mit 7 Toren und 10 Assists in 14 Spielen der beste Playoff-Skorer. Doch für den Titelgewinn reichte es nach der zweiten Final-Niederlage gegen den SC Bern innerhalb von drei Jahren nicht.

Aber es war eine Eruption seiner grossartigen Fähigkeiten – denn in all den Jahren zuvor tauchte er ab in der entscheidenden Phase der Meisterschaft. Seine Postur schien ein zu grosser Nachteil zu sein, wenn das Spiel härter und physischer wurde.

Doch jetzt sagt er: «Aufstehen, wenn es zählt – das habe ich mir fest vorgenommen. Ich freue mich irrsinnig auf die Playoffs.»

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